Wie man vom Installateur zum Schnitzer und schließlich zum Philosophen wird.

Vor knapp 30 Jahren gründete Alfred Peitler seine Schnitzstub’n im Liesertal in Kärnten. Dabei hatte er eine Laufbahn als Bildhauer gar nicht geplant. Eher was es das Leben selbst, welches ihm diesen Beruf quasi zuspielte, denn Alfred Peitler war Installateur und Sprengler und in ganz Österreich auf Montage unterwegs. Später arbeitete er in einem holzverarbeitenden Betreib im Lungau.

Vom Installateur zum Bildhauer

Leider kämpfte der Betrieb um Aufträge und musste schließlich Konkurs anmelden. Alfred Peitler stand ohne Job dar. Ja, wäre da nicht sein Nachbar und Freund der Schnitzer gewesen, der durchaus Bedarf an einem Mitarbeiter hatte. Und Alfred Peitler lernte schnell. Von der Buttermodel bis hin zu den Glocktürmen – die man vor allem am Giebel traditioneller Bauernhäuser sieht – wurde in der kleinen Werkstatt alles hergestellt. Gemeinsam fuhren die beiden Freunde auf zahlreiche Messen und verkauften ihre Erzeugnisse bis hin zu den Glocktürmen, die sogar bis nach Amerika geliefert wurden. In den Jahren entwickelte Alfred Peitler nicht nur das Handwerk des Bildhauers, sondern auch ein ganz besonderes Gespür für Holz, eine Fähigkeit, die ihm bald zu einem außergewöhnlich guten Ruf verhalf.

Nach rund neun Jahren riet ihm sein Kollege, auf seine Fähigkeiten zu vertrauten und sich selbstständig zu machen. Also richtete sich Alfred Peitler seine eigene kleine Werkstatt im Haus ein. Die Familie – Frau Christine und auch die drei Töchter – halfen mit. Sogar ein kleines Schnitzereigeschäft in Spittal an der Drau wurde eröffnet.

Vom Bildhauer zum Philosophen

Auch wenn mittlerweile das Geschäft ein wenig zurückgeschraubt wurde und Alfred Peitler eigentlich in Pension ist – seiner Kreativität ist noch lange kein Ende gesetzt. Ganz im Gegenteil, mit dem Alter scheint Alfred Peitler auch seine – sicher schon lange schlummernde – philosophische Ader entdeckt zu haben. Was ihn über all die Jahre hinweg berührt und bewegt hat, was ihm in den vielen Stunden feinster Schnitzarbeit durch den Kopf gegangen ist, hat er in den „Vier Tugenden eines Bildhauers“ zusammengefasst. Eine durchaus philosophische Hommage an einen vielseitigen, kreativen und abwechslungsreichen Beruf:

  • Die Frömmigkeit eines Priesters

„Die Bildhauerei ist nicht einfach nur ein Job. Eine gewisse Ehrfurcht vor dem Handwerk, vor dem Künstlerischen tut gut und man muss dankbar sein für die Fähigkeiten, die einem geschenkt werden.“

  • Die Kraft eines Bauern

„Die Arbeit mit Holz ist nicht immer leicht, besonders bei größeren Stücken braucht es durchaus ordentlich viel Kraft in den Armen und im Rumpf. Gleichzeitig ist die Arbeit mit diesem wunderbaren nachwachsenden Rohstoff eine, die erdet und tiefe Naturverbundenheit herstellt.“

  • Die Geduld einer Krankenschwester

„Dass man viel Geduld braucht, wenn man an kleinen Ornamenten arbeitet, liegt auf der Hand. Aber oft braucht man auch Geduld mit sich selbst, denn nicht jeder Tag ist gleich und mit Gewalt erwirkt man gar nichts. Dann muss man auch einmal den Mut haben, die Sache wegzulegen, um es am nächsten Tag wieder zu versuchen.“

  • Die Phantasie eines Dichters

„Manche Kunden kommen mit nur vagen Vorstellungen, suchen etwa ein Geschenk für einen speziellen Anlass oder einen Freund. Hier ist nun Phantasie gefragt. Was ist das für ein Mensch, was für ein Anlass, was könnte passen? Wie ein Dichter versetzt man sich in die Situation, in den Menschen, und plötzlich fliegen einem eine ganze Reihe von Ideen zu.“

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Das Herz am richtigen Fleck

Mit diesem Vermächtnis an die Kunst der Bildhauerei, an die Leidenschaft für den Werkstoff Holz, setzt sich Alfred Peitler nun langsam und wohlverdient zur Ruhe. Davon, dass sein Herz immer für Holz geschlagen hat und dass es am richtigen Fleck sitzt, kann man sich am „Herzerlweg“ überzeugen – einem Rundwanderweg am Katschberg zur Gamskogelhütte. Der Weg ist gesäumt von unzähligen Schnitzkunstwerken von Alfred Peitler, vor allem rote Herzen in allen Größen mit verschiedensten Sprüchen finden man entlang der Route. Ein wunderschöner, abwechslungsreicher Familienausflug, der einen heiter-philosophischen Einblick in die Welt des Bildhauers Alfred Peitler bietet.  

Am „Herzerlweg“ kann man zahlreiche Kunstwerke von Alfred Peitler entdecken. (Foto: Schnitzerstub’n)

Und wer zur richtigen Zeit am Katschberg ist, der wird auch Alfred Peitlers zweite Leidenschaft kennenlernen – die Musik. Schon vor Jahrzehnten hat Alfred Peitler einen Chor gegründet, die Familienmusik aufgebaut, unzählige Lieder geschrieben und vor 15 Jahren sogar das Alphornbauen von seinem ehemaligen Musiklehrer übernommen. Keine Frage, die Musik ist ein wesentlicher Bestandteil im Leben des Bildhauers und Schnitzers Alfred Peitler und im Rahmen der jährlichen Alphorntreffen am Katschberg wird deutlich, wie sich beide Künste harmonisch zusammenfügen und zu einem vollendenden Ganzen werden.  

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