Österreichs schönste Balladen und ihre Geschichte


Wir erzählen die Geschichten hinter den fünf schönsten Balladen des Austropop.

Österreichs schönste Balladen und ihre Geschichte Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich auf der Bühne

Der Austropop brachte viele Stimmungslagen auf Band: die reine Euphorie in „Live is Life“, die pure Melancholie in „Komm, großer schwarzer Vogel“. Widmet man sich den Balladen, stößt man auf eine lange Liste wunderschöner und gefühlvoller Lieder. Hinter jedem dieser Lieder steckt eine ganz besondere Geschichte. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und wollen die Geschichten hinter fünf der schönsten Austropop-Balladen erzählen.


1. Boris Bukowski – „Kokain“

Alternative Beschreibung des Bild

„Kokain“ war ursprünglich als englisches Lied mit dem Titel „Time for sale“ konzipiert. Robby Musenbichler, der die Musik schrieb, überließ Boris Bukowski die Überarbeitung des Textes – und der machte daraus „Kokain“. Wie oft fälschlicherweise gedacht handelt es sich dabei keineswegs um ein Lied, das sich um Drogen dreht – sondern um die Liebe. „Ich habe mir beim Schreiben gedacht, dass man von einer Frau genauso abhängig sein kann wie vom gefährlichsten Rauschgift der Welt“, gibt Bukowski Einblick in seine Gedankenwelt. Dass er dem weißen Pulver selbst nicht abgeneigt war, bestreitet Bukowski nicht. „Aber damit habe ich auch irgendwann eingesehen, dass nie das eintritt, was man sich erhofft hat.“ Dem steirischen Austropopper wurden die deutschen Texte oft als Makel vorgeworfen – der Tenor in der Fachwelt war, dass Bukowski mit englischen Texten weitaus erfolgreicher gewesen wäre. Im Fall von „Kokain“ sind sich Experten heute einig, dass der deutsche Text eine goldrichtige Entscheidung war. Und von noch etwas sind Fachkritiker überzeugt: das Lied hätte das Potential zum Welthit gehabt.


2. Rainhard Fendrich – „Manchmal denk i no an di“

Rainhard Fendrich am Wiener Donauinselfest

Ob Rainhard Fendrich das Lied damals für eine bestimme Frau geschrieben hat, ist nicht überliefert – dafür zeigt eine andere Anekdote, mit welchen Emotionen dieses Lied für den Sänger verbunden ist. Als Georg Danzer aufgrund seiner Krebs-Erkrankung seinen Auftritt beim Donauinselfest 2007 absagen musste, sprang Fendrich für seinen Austria-3–Kollegen ein. Nur wenige Tage nach Danzers Tod wurde dessen geplanter Auftritt zum Gedenkkonzert. Fendrich spielte „Manchmal denk i no an di“ – mit Tränen in den Augen. „Es war furchtbar, es war schrecklich – ich habe da Georgs Lieder gesungen und Lieder, die wir jahrelang mit Austria 3 zusammen gespielt haben.“ Über 200.000 Menschen besuchten das Konzert, viele sprachen danach von purer Gänsehaut während Fendrichs „Manchmal denk i no an di“.


3. STS – „Großvater“

Gert Steinbäcker mit seiner Band nach einem Auftritt
„Großvater“ war ein völlig autobiografischer Song, gesteht Gert Steinbäcker. Der Liedermacher sieht das Lied als Geschenk seines Großvaters an ihn. „Wie ein Erbe – von dem Lied habe ich ja dann auch ganz gut gelebt.“ Den großen Erfolg des Liedes sieht Steinbäcker auch im autobiografischen Stil. „Diese autobiografischen Songs haben immer eine besondere Kraft, das spürt man ganz einfach.“ Unzählige Male wurde die Band von Menschen auf das Lied angesprochen, mit dem Hinweis, dass das Lied genau die Geschichte mit ihrem eigenen Großvater erzähle. „Da haben wir dann immer nur höflich genickt und ja gesagt“, so Steinbäcker.

Zwei Austropopper der nächsten Generation interviewen sich gegenseitig:

 


4. Wolfgang Ambros – „A Mensch möcht i bleibn“

Wolfgang Ambros bei einem seiner unzähligen Live-Auftritte
Mit seiner Ballade „A Mensch möcht i bleibn“ gelang Wolfgang Ambros in den 80er-Jahren ein Stück Austropop-Geschichte, das sich gesellschaftskritisch erstaunlich weit aus dem Fenster lehnt. Der Text, der über 20 Jahre alt ist, scheint heute aktueller denn je. Was viele nicht wissen: Ambros hat das Lied nicht selbst geschrieben. „A Mensch möcht i bleibn“ stammt, wie das inhaltlich in eine ähnliche Richtung gehende „I drah zua“ aus der Feder seines damaligen Managers Johann Hausner. „Johann hat damals immer wieder Lieder geschrieben, dieses war von Anfang an auf Wolfgang Ambros zugeschnitten“, berichtet Hausners Witwe Eva. „Die hat er sich aus dem Herzen gerissen“, sagt Ambros heute über den bei einem Autounfall verunglückten Hausner. Der Produzent habe Lieder über Themen geschrieben, die ihn beschäftigten und ließ sie von Ambros interpretieren – eine äußerst erfolgreiche Konstellation, wie sich später herausstellte. „Wegen des Geldes hat er es aber nie gemacht.“ So lässt er es in dem Lied auch Ambros singen: „… es is zum Kotzn und zum Rean, waun ma siacht wos die Leit olles auffiahrn fia des deppade Göd …“


5. Christina Stürmer – „Mama Ana Ahabak“

Christina Stürmer bei den Amadeus Music Awards
„Mama Ana Ahabak“ – was auf deutsch so viel heißt wie „Mama, ich liebe dich“ entstand vor dem Hintergrund des zweiten Irak-Krieges unter der Führung von George W. Bush. Christina Stürmer wurde durch die Medien, in denen der Krieg allgegenwärtig war, immer wieder mit den kriegerischen Handlungen im Irak konfrontiert – so wuchs der Wunsch in ihr, die Eindrücke in einem eigenen Lied zu verarbeiten. Das Lied selbst schrieb ihr damaliger Produzent Alexander Kahr und beschreibt die Situation im damaligen Irak aus der Sicht eines Kindes, das mit seiner Mutter unterwegs ist. „Wir haben bei dem Song an überhaupt keine Zielgruppe gedacht. Wir wollten einfach die Situation aus der Sicht der Betroffenen abbilden und so auch eine Art Statement abgeben.“ Herausgekommen ist dabei eine herzzerreissende Ballade, die als Perle des Austropop in die Geschichte eingeht.

Text: Johannes Dosek

TV-Tipp: Donnerstag, 28. Juni, 20:15 Uhr: Der Popkaiser und Gründervater des Austropop im äußerst persönlichen Porträt von Regisseur Rudi Dolezal - Austropop-Legenden: Wolfgang Ambros bei ServusTV.


 
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