Gero von Boehm fragt Michael Ballhaus


Er ist einer der bedeutendsten Kameramänner der Welt: Michael Ballhaus. Trotzdem ist er bescheiden geblieben. Ihm passiert gerade das Schlimmste, was einem Kameramann zustoßen kann – er erblindet langsam. Und doch blickt er heiter auf ein erfülltes Leben zurück. Gero von Boehm hat ihn für „Close Up“ besucht und ein einfühlsames, ergreifendes Gespräch geführt. Ballhaus erzählt sein Leben in vielen überraschenden Anekdoten – ein Muss für jeden Filmfan.


Seinen letzten Film als Kameramann drehte er mit Martin Scorsese, das war sein Abschied vom Beruf. Davor stand Michael Ballhaus über fünfzig Jahre lang hinter der Kamera, drehte 38 Filme in den USA, kennt Hollywood und den deutschen Film in- und auswendig. Er hat mit Größen wie Francis Ford Coppola, Robert Redford, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder zusammen gearbeitet und ist doch immer bodenständig geblieben.
Für „Close Up“ hat Gero von Boehm Michael Ballhaus in seiner Wohnung in Berlin besucht und einen Künstler vorgefunden, der sich mit seinem langsamen Erblinden abgefunden hat und heiter aus einem erfüllten Leben berichtet.
Von Rainer Werner Fassbinder hat er sich nicht in dessen destruktive Gruppe hineinziehen lassen, ließ sich stoisch von ihm als „Fernsehheini“ beschimpfen und ertrug so manches aus Bewunderung für Fassbinders Kreativität. Für ihn entwickelte er den weltberühmten „Ballhaus-Kreis“, das Umfahren einer Szene mit der Kamera in einer 360 Grad-Bewegung.
Ganz offen spricht Michael Ballhaus über den Verlust des Augenlichtes oder den Tod seiner Ehefrau. Nun bleiben ihm noch viele Bilder im Kopf und Erinnerungen an wunderbare Begegnungen.
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