Harald Nachförgs Kolumne: Immer nackte Knie


In seiner Kolumne erinnert sich der Servus-Autor an die kurze Lederhose.

Harald Nachförgs Kolumne: Immer nackte Knie Servus-Kolumnist Harald Nachförg, Jahrgang 1961, nimmt uns in seinen Texten mit auf eine vergnügliche Zeitreise in seine Kindheit und Jugend.

Was einen Cowboy von einem Indianer unterscheidet? Nur die Waffen. Wenn wir Knirpse uns am verwilderten Flussufer unseres Dörfchens trafen, um „Kautschi und Insmen“ zu spielen, wie wir lässig sagten, hatten die einen Kapselrevolver und Stoppelgewehr dabei, die anderen Pfeil und Bogen.

So war leicht erkennbar, wer Freund und wer Feind ist – anhand des Gewands hätte man das ja nicht sagen können. Federschmuck und Cowboyhut waren schließlich was fürs Faschingsfest, aber nicht für die Gstettn. Da steckte jeder von uns nur in einem Leiberl und vor allem: in der Lederhose. Und zwar in der kurzen! 

Nur keine Strumpfhose

Gab ja für Buben praktisch nichts anderes anzuziehen in den 1950er- und 1960er-Jahren. Die Jeans – „Blu-Tschin-Hose“ sagte die Oma – sollte erst Anfang der 1970er-Jahre unsere kleine Welt erobern. Und mit der Stoffhose tigerte man nicht einfach so in der Gegend herum. Mit der schritt man zur Erstkommunion, zum Direktor oder vielleicht ins Theater.

Aber sonst: immer nackte Beine, wie gesagt. Eventuell, wenn die Temperaturen recht resch waren, hatte man eine Strumpfhose unter der Ledernen an – allerdings durfte sich niemand, der älter als drei Jahre war, so blicken lassen. Auch wenn man sich im Brennnesselfeld durchaus eine gewünscht hätte. Oder wenn es einen wieder einmal mit dem Rad aufgestreut hatte. 

Die Lederhose, eine unzerstörbare Rüstung

Seine Schrammen und Narben trug man dann aber mit dem Stolz des tapferen Kriegers. Da waren auch Cowboys plötzlich Indianer. Weil: Ein Indianer kennt keinen Schmerz, hieß es. Und in einer Zeit, in der Political Correctness und Helikopter-Eltern noch nicht erfunden waren, half das. Da trockneten die Tränen schnell.

Die kurze Lederhose stand freilich nicht nur für aufgeschlagene Knie, sie war auch eine unzerstörbare Rüstung, die nicht einmal Schaden nahm, wenn man versehentlich mit dem Taschenfeitel hineinsäbelte oder wenn Glutspritzer vom Lagerfeuer darin erloschen.

Faltig wie Baby-Nashörner

Jener Scheich, der sich in der Steiermark eine Lederne zum Protzen hat anfertigen lassen, würde da wohl blass werden. Sein bestes Stück – wir reden von der Hose – ist ja nicht nur mit Rubinen, Smaragden und Diamanten besetzt, nein, sogar Gold, Silber und Platin wurden eingearbeitet. 85.000 Euro soll sie gekostet haben und die teuerste Lederhose der Welt sein, aber: schön? Eine Lederhose ist doch nur schön, wenn sie alt und speckig ist.

Sogar unsere Mütter, die uns gern sauber und adrett sahen, schätzten die Lederne. Schließlich hatten sie mit ihr keine Arbeit. Die Lederne musst weder genäht noch gebügelt, ja nicht einmal gewaschen werden. Wir schon. Und so schielten wir während des allabendlichen Schrubbens neidvoll auf unsere treuen Begleiter, die robust und faltig neben der Wanne standen wie Babynashörner.

Man muss die Lederne zureiten wie ein Pferd

Furchtbar, wenn man aus seiner Kurzen herausgewachsen war. Es dauerte nämlich, bis man mit der Neuen wieder verschmolz. Nicht dass die Lederne besonders widerspenstig gewesen wäre. Hinten überkreuzte Hosenträger, auf der Brust der mit Hirsch- oder Edelweißmotiv verzierte Quersteg – in so einem Korsett bist du schon gut aufgehoben. Und trotzdem: So wie ein Pferd zugeritten werden muss, so muss man auch der Ledernen erst das Bockige nehmen.

Beim Hosentürl gelang das aber nie. Die Knöpfe vom Latz blieben störrisch. Immer. Also fädelten wir eben unten durch, wenn's pressierte. Und bekam die Hose ein paar Tröpfchen ab, auch kein Problem. Das macht das Leder noch weicher, sagten die Alten. Und wir wollten es gerne glauben. 

„Kannst dich noch erinnern?“ von Harald Nachförg



Harald Nachförgs Kolumne „Kannst dich noch erinnern?“ finden Sie jeden Monat neu im Servus Magazin. Seine Texte sind ab 12. Oktober auch als Buch erhältlich: „Kannst dich noch erinnern?“ von Harald Nachförg erscheint im Servus-Buchverlag und ist direkt in unserem Onlineshop Servus am Marktplatz erhältlich. Gleich hier bestellen.

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