Wir haben sieben Tipps für dich, wie auch du ein wenig Unabhängigkeit erreichen, bewusster mit alltäglichen Dingen des Lebens umgehen oder sogar in Richtung autarkes Wohnen gelangen kannst.

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Wir genießen einen hohen Lebensstandard, Trinkwasser kommt aus der Leitung, Strom aus der Steckdose und ist es kalt, drehen wir die Heizung auf. Das ist praktisch, aber immer mehr Menschen machen sich Gedanken über die Herkunft der Ressourcen, wollen nachhaltiger und selbstbestimmter leben. Manche sogar völlig autark, also auch unabhängig von Strom- und Wasseranschlüssen.

Gleich vorausgeschickt, der Umstieg auf ein autarkes Leben kann nur schrittweise erfolgen. In vielen Bereichen bedarf es einer Reduktion auf das Wesentliche und den Einsatz eigener Fertigkeiten. Zweifelsohne ist es auch eine Frage der Standortbedingungen und nicht zuletzt der finanziellen Möglichkeiten. Aber wo ein Wille, da ist auch ein Weg und jeder, der sich mit der Herkunft seiner Lebensmittel, seinem persönlichen Ressourcenverbrauch und dem Thema Kreislaufwirtschaft auseinandersetzt, hat eigentlich schon gewonnen.   

1. GemĂĽse im eigenen Garten anbauen

Fangen wir dort an, wo es leicht geht – im Garten. Gemüse und Obst kann man mit etwas Wissen um Pflanzen im Allgemeinen und ihre Vorlieben durchaus selbst anbauen. Es macht Freude, Salat, Kohlrabi, Radieschen, Gurken, Tomaten und Zucchini beim Wachsen zuzusehen und die Früchte dann zu ernten, wenn sie wirklich reif sind. Idealerweise wird man sich beim eigenen Gemüse hüten, chemische Düngemittel oder Spritzmittel einzusetzen, sondern sich das Wissen rund um Humusaufbau, biologische Pflanzenstärkung und Nützlinge aneignen. Den Rest lernt man ohnehin, wenn man einfach damit anfängt.

Der groĂźe Vorteil: Man weiĂź, was auf den Teller kommt. Das eigene GemĂĽse ist vitaminreich und frei von Chemie.

Selbst geerntet schmeckt es nicht nur am besten. Damit ist man auch einen Schritt näher am autarken Leben. (Foto: Markus Spiske/Unsplash)

2. Lebensmittel richtig lagern und haltbar machen

Was früher ganz normal war, ist heute vielfach in Vergessenheit geraten – die Vorratswirtschaft. Ein Erdkeller eignet sich besonders gut, um Kartoffel, Zwiebel, Rohnen und Karotten zu lagern. Wintergemüse wie Sellerie oder Lauch kann man lange im Beet belassen und – solange der Boden nicht gefroren ist – auch direkt ernten.

Gut zu wissen: Eine besondere Stellung nimmt das Fermentieren ein. Es ist die einzige natürliche Methode, um Lebensmittel haltbar zu machen. Milchsäurebakterien setzen dabei den ph-Wert so weit herunter, dass andere Bakterien nicht überleben. Das schützt die Lebensmittel vor dem Verderb, gibt ihnen ein neues Aroma und ist außerdem für unseren Magen-Darmtrakt sehr gesund.

3. Regenwasser sammeln und nutzen

Regenwasser kann man über das Dach in Regentonnen oder in eine im Boden vergrabene Zisterne ableiten und zum Gießen des Gartens verwenden. Regenwasser ist weicher als Leitungswasser und für die meisten Pflanzen wesentlich verträglicher.

Außerdem: Das Wasser aus Zisternen kann auch für die Klospülung, zum Putzen oder Waschen verwendet werden – Trinkwasser ist es aber keines.

4. Strom mithilfe der Sonne gewinnen

Bei der autarken Stromgewinnung steht die Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher an erster Stelle. Die optimale Größe, Ausrichtung, Sonnenscheindauer und damit Effizienz der Anlage kann man mit diversen Tools vorab berechnen. Um zu wissen, wie die Anlage dimensioniert sein sollte, macht es Sinn, seinen Stromverbrauch vorab zu ermitteln.

Die Sonne liefert uns die Energie zum Leben (Foto: Wohnwagon)
Die Sonne liefert uns die Energie zum Leben (Foto: Wohnwagon)

Tipp: In vielen Bereichen kann der Stromverbrauch deutlich verringert werden. Bei einigen Geräten kann man etwa auf energieeffizientere Modelle oder eine stromlose Variante umsteigen – z.B. Handmixer, handbetriebenen Espressomaschine oder Getreidemühle.

5. Raumklima und Warmwasser energieeffizient erhalten

Hand in Hand mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach geht meist die Warmwasseraufbereitung sowie die Heizung einher. Das Warmwasser kann aus Überschüssen der Solaranlage erzeugt werden, ein Holzofen ergänzt die Anlage an kalten, sonnenarmen Tagen. Zusätzlich braucht es einen Boiler- und Pufferspeicher, so dass auch in der Früh noch warmes Wasser vorhanden ist und der Wohnraum nicht zu stark auskühlt.

Ein kleines Haus mit guter Dämmung ist in Bezug auf Energieeffizienz natürlich im Vorteil, da die Wärme im Haus gehalten werden kann. Wer zudem ökologisch baut, auf Vollholz und biologische Dämmmaterialen wie Schafwolle, Stroh oder Holzfaser setzt, schafft nicht nur ein wohliges Raumklima, sondern denkt auch gleichzeitig an den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung und späteren Entsorgung des Hauses.

Eine gute Dämmung ist Grundvoraussetzung für energieeffizientes Wohnen (Foto: Wohnwagon)

Wer hat, der hat: Klar im Vorteil und auch in dieser Hinsicht autark ist, wer sein Brennholz aus dem eigenen Wald beziehen kann.

6. Das Abwasser selbst reinigen

Wie geht man mit dem Abwasser um, wenn man keinen Kanalanschluss hat? Dazu muss man wissen, dass man zwischen Grauwasser und Schwarzwasser unterscheidet. Das Grauwasser fällt beim Duschen, Putzen oder Waschen an und ist mit Seifenresten, Fetten und Ölen verunreinigt. Schwarzwasser ist alles, was durch die Toilette geht. In einem herkömmlichen Kanalsystem werden beide Arten von Wasser vermischt und gemeinsam in einer Kläranlage aufwändig gereinigt. Und das, obwohl das Grauwasser viel einfacher zu reinigen wäre. Hierzu reicht nämlich eine ganze einfache Pflanzenkläranlage, etwa auf dem Dach – phosphatfreie Wasch- und Putzmittel vorausgesetzt.

Hier steckt viel Technik im Keller des autarken Wohnwagons (Foto: Wohnwagon)
Hier steckt viel Technik im Keller des autarken Wohnwagons (Foto: Wohnwagon)

Wer autark sein möchte, der muss daher die beiden Arten von Wasser grundsätzlich trennen. Oder man lässt erst gar kein Schwarzwasser entstehen, was uns zum letzten Punkt führt.

7. Eine Trocken-Trenntoilette einbauen

Die „Trocken-Trenntoilette“ funktioniert völlig ohne Wasser und ist daher nicht an das Kanalsystem angeschlossen. Urin und Kot werden getrennt gesammelt und auf die Feststoffe wird eine zu 100 Prozent biologische Einstreu aufgetragen, die Feuchtigkeit und Geruch bindet. Die Feststoffe können auf dem hauseigenen Kompost gemeinsam mit den anderen Bioabfällen weiter kompostiert werden. Idealerweise allerdings in einem geschlossenen Thermokomposter, da sonst die Gefahr besteht, dass durch Regenwasser doch wieder Keime ins Grundwasser ausgewaschen werden. Nach etwa 24 Monaten kann man die entstandene Erde bedenkenlos für Blumenbeete verwenden.

Tipp: Der Urin von gesunden Menschen kann mit Wasser verdĂĽnnt im Garten als DĂĽnger ausgebracht werden.

Weniger ist mehr

Um so autark wie möglich zu leben, bedarf es ein wenig Mut, es ist heute aber längst nicht mehr unmöglich. Es gibt bereits gute Beispiele – autarke Wohnwägen, autark lebende Wohngemeinschaften und sogar erste völlig autark funktionierende Wohnsiedlungen –, die zeigen, autark zu leben und zu wohnen ist keine Utopie mehr. 

Darüber nachzudenken, was wir alles gar nicht brauchen, um gut zu leben, ist der erste Schritt. Denn erst die Reduktion auf das Notwendige zeigt, so viel Energie und Wasser brauchen wir gar nicht. Und ein Weniger an Wohnfläche, Inventar und Luxusartikeln, schafft sogar ein Mehr an Freizeit, Kreativität und Individualismus.

Wenn du dich für das Thema „Autarkes Wohnen“ interessierst, bieten dir die WohnWelten am Wohn-Portal der Raiffeisen Bausparkasse dazu weitere nützliche Infos und interessante Tipps.