Einst zogen die Kinder zu Allerheiligen von Tür zu Tür mit einem Sprüchlein auf den Lippen, um süßes Germgebäck zu erbitten. Auch heute noch gehören in der Steiermark, im  Inn-, Wein- und Mühlviertel  Allerheiligenstriezel zur Tradition.

Text: Alice Feriau

Kurzurlaub vom Fegefeuer ist den Verstorbenen dem Brauch nach in der Allerheiligenwoche vergönnt. In der Nacht zu Allerseelen kehren die Ahnen in unsere Welt zurück. Um ihnen den Aufenthalt auf Erden ein wenig zu versüßen, legte man in manchen Gegenden des Alpenraums Allerheiligenstriezel auf und neben die Gräber. Und damit sich die Urlis beim Umhertappen in der Finsternis nicht wehtaten, mussten alle Messer gesichert sowie die Rechen mit den Zähnen nach unten abgelegt werden. Später wurden die geflochtenen Brote lieber den Armen und Kindern gegeben, auf dass diese im Gegenzug für die Seelen der Ahnen beten mögen. 

Ihre Wurzeln haben diese Bräuche – wie so oft – in vorchristlichen Kulten. Zum Fest „Parentalia“ brachten die Römer ihren Toten kleine Opfergaben wie Kränze, Früchte oder Blumen dar. „Dies verwöhnt schon die Schatten“, dichtete Ovid in seinem Werk „Fasti“ kurz nach Christi Geburt im Versmaß elegischer Distichen. 

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Warum backen wie zu Allerheiligen ausgerechnet süße Zöpfe?

Der Zopf kommt in die verworrene Geschichte, weil sich Frauen in der Antike als Zeichen der Trauer das geflochtene Haar abschnitten. Verknüpft man all diese historischen Zutaten zu einem süßen Germteig, kommt der Allerheiligenstriezel heraus. Gelang dieser gut, zeigte das Glück und Erfolg fürs nächste Jahr an. Ging der Germ nicht ordentlich auf, standen harte Zeiten bevor.

In der Steiermark, so erzählt Peter Rosegger, begannen die Bäuerinnen im 19. Jahrhundert schon ein paar Tage vor Allerheiligen wie wild Striezel zu backen. Hunderte von Broten sollen dabei vorbereitet worden sein. Der große Volksdichter schreibt:

Am Vorabend des Allerheiligenfestes nun ziehen die Armen in ganzen Familien scharenweise von Haus zu Haus, von Ort zu Ort und jedes hat seinen Sack oder Korb.

Peter Rosegger
Christina Bauers vierfach geflochtener Osterstriezel. (Bild: Thomas Straub)
Auch zu Ostern flechten wir süßen Teig zu Zöpfen. Dieses schöne Stück ist von Back-Profi Christina Bauer. (Foto: Thomas Straub)

Die Striezelbettler wurden von den Bauern an diesem Tag schon mit größter Freude erwartet, denn je mehr Striezelsammler ans Hoftor klopften, umso gesegneter das kommende Jahr. Jedes Vergelt’s Gott, mit dem sich die Kinder nach dem Aufsagen ihres Sprüchleins für die süße Brotgabe bedankten, sei, so der Glaube, für das Gedeihen des Korns auf dem Felde mehr wert gewesen als jedweder mit Mühe aufgebrachter Dünger.

Auch im Mühlviertel gingen die Armen scharenweise um das Allerheiligen-Laibl betteln. Im Innviertel wurden rund um Allerseelen zweierlei Brote in Weckenform gebacken: größere und schmackhaftere aus feinem Mehl für die Patenkinder und Dienstboten, kleinere, gröbere aus dunklerem Mehl für die Bettler.

Im Weinviertel ließ man den Striezel vom Bäcker backen. Ein riesiges Stück Gebäck, um das die Herren der Schöpfung nach dem Kirchgang im Wirtshaus würfelten – Striezelpaschen nennt sich das Spiel, das bis heute in einzelnen Gemeinden mit Feuereifer und Heißhunger gepflegt wird.

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