Gemüseernte am Fensterbrett


Garten oder Balkon fehlen? Kein Problem. Mit diesen drei Pflanzen-Trios können Sie das ganze Jahr über Gemüse direkt vor dem Fenster anbauen.

Gemüseernte am Fensterbrett Paradeiser, Ackerbohnensprossen und Winterportulak sind ein gutes Trio für ein Fensterbank-Gemüsebeet.

Gemüseernte am Fensterbrett Rund 70 Kräuter- und Gemüsesorten hat Birgit Lehner am Fenster getestet. Jetzt gibt sie ihr Wissen in Büchern und Kursen weiter.

Nicht jeder kann mit einem Balkon oder Garten aufwarten. Oft stehen einem zum Garteln nur ein paar schmale Fensterbänke zur Verfügung. Aber auch da kann man mit der richtigen Pflanzen-Mischung ertragreiche Mini-Gemüsebeete erschaffen. Wichtig dabei: „Man muss auf die Fruchtfolge achten,“ erklärt Birgit Lahner, die als echte Expertin fürs „Bio-Gärtnern am Fensterbrett“ gilt. So lautet auch der Titel ihres Buchs, in dem sie ihre Erfahrungen mit dem Anbauen von Gemüse, Kräutern, Salate und Obst auf kleinstem Raum erläutert. „Ich habe genau beobachtet, wie lange Pflanzen im Detail brauchen, bis sie erntereif sind, und geschaut, wie sich verschiedene Arten entwickeln, wenn sie in derselben Erde nacheinander wachsen.“ Birgit Lahner hat für Servus drei Rund-ums-Jahr-Fensterkisterl zusammengestellt, die leicht zum Nachpflanzen sind. Dafür braucht man Fensterkisterl mit den Maßen 60 x 17 x 17 cm und hochwertige Biogemüse-Pflanzenerde.

Fensterkisterl 1: Rettich, Mangold und Salat

Bei milder Witterung kann die Salatmischung bereits im Februar angebaut werden. Dafür streut man die Samen breitwürfig auf die angefeuchtete Erde aus und lässt wenig Erde darüberrieseln. Rund vier Wochen später kann das erste Mal geerntet werden. Anfang März ist der ideale Aussaat-Zeitpunkt für den Rettich. Dafür erntet man einen Randstreifen des Kisterls komplett ab und sät eine einzelne Reihe mit je 5 cm Abstand. Nach der Keimung auf den doppelten Abstand ausdünnen und Mitte bis Ende April ernten. Vom übrigen Salatbestand anfangs nur die Außenblätter pflücken und erst später ganze Pflanzen mindestens 2 cm über der Erde schneiden. Dann sind mehrere Ernten über viele Wochen möglich. Gleichmäßig gießen!

Wenn die Salate in Blüte gehen, ersetzt man sie Mitte Mai durch zwei Mangold-Jungpflanzen und sät auf dem restlichen Platz ein paar Samen Sommerportulak als nussige Beigabe zu Salaten. Die äußeren Mangoldblätter erntet man, sobald sie ca. 15 cm hoch sind. Für zarte Blätter und Stiele den Mangold gleichmäßig mit Wasser versorgen. Sommerportulak steht lieber trockener. Er kann ab etwa einen Monat nach der Aussaat bis zur Blüte geerntet werden. Im September macht der Platz für den Vogerlsalat (Samen 1– 2 cm tief in die Erde drücken; sparsam düngen). Beginnen sich die Pflanzen zu berühren, zunächst nur die äußeren Blätter ernten, später ganze Pflanzen. Bei hartem Frost im Winter schützt eine Vliesabdeckung.


Fensterkisterl 2: Ackerbohnensprossen, Paradeiser und Winterportulak

Die frosttolerante Ackerbohne kann schon im Februar gesät werden. Will man aber einen fließenden Übergang mit den wärmeliebenden Folge-Arten Paradeiser und Basilikum, kann man auch erst Anfang April aussäen. Die Samen mit 5 cm Abstand 2 cm tief in die Erde drücken und gleichmäßig feucht halten. Nach etwa drei Wochen können die ersten Sprossen geschnitten werden. In Butter unter Rühren kurz gebraten, sind sie eine köstliche Gemüsebeilage oder Omelettefüllung.

Bodenverbessernde Ackerbohnen sind eine ideale Vorkultur für Paradeiser. Nach dem Abernten der Sprossen setzt man zwei Pflanzen gemeinsam mit dem Basilikum und stützt sie mit einem Stab. Paradeiser sind sonnen- und nährstoffhungrig: Erscheinen erste Früchte, kann man mit Regenwurmhumus oder Schafwollpellets nachdüngen. Gleichmäßig mit Wasser versorgen, Blätter und Früchte aber möglichst trocken halten. Das Ausbrechen von Seitentrieben (Ausgeizen) ist bei Zwergsorten nicht nötig. Ab Juli reifen laufend neue Früchte. Basilikum (für schönes, buschiges Wachstum nicht blattweise, sondern durch Abknipsen ganzer Triebspitzen beernten) ist die perfekte kulinarische Begleitung.

Im September sät man dann den Winterportulak, der enorm kältetolerant ist, was man seinen mild schmeckenden, zarten Blättern, die samt Stängeln geerntet und als Salat zubereitet werden, gar nicht ansieht. Die Samen breitwürfig ausstreuen und nur leicht mit Erde bedecken. Zu dichte Aussaaten später ausdünnen. Sogar bei sinkenden Herbsttemperaturen erscheinen rasch erste Blätter. Den Winterportulak gleichmäßig gießen und bei besonders strenger Witterung mit Vlies abdecken. Wird er bei der Ernte nicht zu tief geschnitten, wächst er mehrmals nach.


Fensterkisterl 3: Radieschen, Buschbohnen und Asia-Salate

Für diese Folgebepflanzung sät man die Radieschen am besten Anfang bis Mitte April aus und arbeitet vorher etwas nährstoffarme Aussaaterde in das Fensterkisterl-Substrat ein. Die Samenkörner kommen mit 6 cm Abstand in zwei etwa 1,5 cm tiefe Rillen und werden mit Erde bedeckt. Gleichmäßige Wasserversorgung sorgt für knackige Radieschen; die erste Ernte ist schon nach dreieinhalb Wochen möglich (immer nur jede zweite Knolle herausziehen).

Mitte Mai sät man die Bohnensamen in eine Reihe. Weil Buschbohnen an heißen Standorten oft nur wenige Hülsen ansetzen, eignen sich vor allem in der Stadt halbschattige Plätze besser. Im Abstand von 10–15 cm kommen die Bohnen 5 cm tief in die Erde. Gleichmäßig mit Wasser versorgen, ab und zu die Erde lockern. Erste Hülsen sind rund zwei Monate nach dem Anbau reif. Pflückt man sie laufend, setzen die Pflanzen rasch neue an. Die kleinen Mengen, die man beim Fensterbrett-Anbau erntet, kombiniert man beim Kochen am besten mit anderen Gemüsen.

Nach der Ernte der letzten Hülsen wird Platz für die Asia-Salate. Sie halten Temperaturen bis zu minus 10 °C stand. Wenn man bei der Aussaat 4–5 cm Abstand zwischen den Samenkörnern einhält, werden die Einzelpflanzen größer. 1,5 cm ist die optimale Saattiefe. Bei häufiger Ernte sollte man auf das Nachdüngen nicht vergessen und die Pflanzen gleichmäßig mit Wasser versorgen, sonst werden sie sehr scharf und gehen in Blüte. Wenige Wochen nach der Aussaat können die ersten Blätter geerntet werden: anfangs nur die äußeren, später werden ganze Pflanzen knapp über dem Herz geschnitten, dadurch treiben sie erneut aus. Junge Blätter schmecken ausgezeichnet im Salat, ältere dünstet man samt Knospen und Blüten kurz.


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