Holender über die Festspiele: „Die Vorstellungen sind Nebensache“


Warum ServusTV-kulTOUR Moderator Ioan Holender die Eintrittspreise der Festspiele kritisch sieht und die Kunst kein Geschäft sein darf.

Holender über die Festspiele: „Die Vorstellungen sind Nebensache“ Ioan Holender über die Salzburger Festspiele und hohe Kartenpreise.

Zwei Wände seines Büros in der Wiener Innenstadt, unweit der Staatsoper, sind tapeziert mit Fotos und Auszeichnungen: Ioan Holender mit Dirigent Riccardo Muti, Holender mit Opernsänger Placido Domingo, Urkunden von Opernhäusern aus aller Welt, dazu Ehrendoktorate und Verdienstzeichen. 19 Jahre leitete Ioan Holender die Geschicke der Wiener Staatsoper, er war der am längsten amtierende Chef des legendären Hauses an der Wiener Ringstraße. In seinem Büro lagern Insignien seiner rund 50-jährigen Karriere, komprimiert auf wenigen Quadratmetern. „Das kommt eben so mit dem Alter …“, winkt der rumänisch-österreichische Bariton, langjährige Künstleragent und ServusTV-kultTOUR Moderator lässig ab. Das Thema des Interviews? Salzburger Festspiele. Gut, dann los!

ServusTV: Lassen Sie uns über die Salzburger Festspiele sprechen. Was muss eine Kulturveranstaltung, die in dieser Liga spielt, können?

Ioan Holender: Viel. Nur so einfach ist die Frage gar nicht zu beantworten, denn Salzburg ist schon ein besonderer Fall. Dazu sollte man sich den Beginn der Festspiele vor Augen führen: Max Reinhardt, Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal – also ein Regisseur, ein Dirigent und ein Schriftsteller – boten mit der Gründung kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, etwas Außergewöhnliches, um die damaligen Probleme ein klein wenig vergessen zu machen. Die Idee: Höchstes künstlerisches Niveau an einem ausgesuchten Ort. Darum geht es: Qualität.

Und Salzburg wurde gewählt.

Bayreuth hat Wagner, Salzburg hat Mozart. Übrigens ist Salzburg nicht nur die Stadt, in der Mozart geboren wurde. Es ist auch die, aus der er verjagt wurde. Das darf man auch nicht vergessen.

Wird die Vision der Gründungsväter heute noch erfüllt?

In diesem Sommer auf jeden Fall, aber zuerst nochmals zurück. In den ersten Jahren der Festspiele stand das Schauspiel im Vordergrund und ein Erbe aus der Zeit ist der „Jedermann“, der offensichtlich jedes Jahr sein muss. Als Herbert von Karajan in den 1960er Jahren das Festival maßgeblich prägte, rückte die Musik in die erste Reihe. Er ist einfach ein Dirigent mit magischer Ausstrahlung gewesen und Salzburg wurde zu einem absoluten Anziehungspunkt. Alle hat er gekriegt, alle Sänger, die er sich nur wünschte.

Seit Karajans Zeiten hat sich einiges geändert. Sie sind also mit der Intendanz des derzeitigen Leiters, Markus Hinterhäuser einverstanden?

Sehr. Er hat ein ambitioniertes und mutiges Programm vorgelegt. Schon allein, weil er drei Opern des 20. Jahrhunderts auf den Spielplan setzt. (Anmerkung: „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch, „Wozzeck“ von Alban Berg und „Lear“ von Aribert Reimann)

Inwiefern unterscheidet sich die Erstellung eines Programms für ein Opernhaus von dem eines Festivals?

Es unterscheidet sich vollkommen, denn in einem fixen Haus gilt es das ganze Jahr einen Betrieb aufrechtzuerhalten: Ein Chor und ein Orchester müssen ganzjährig bezahlt werden.

„Es stört mich unglaublich, dass Theater, Oper und Konzert ein Geschäft sein müssen.“

Sowohl Festspiele als auch die Oper erhalten Subventionen...

Richtig, dennoch braucht es für beide zusätzlich Sponsoren. Salzburg muss einen sehr hohen Teil der Ausgaben selbst lukrieren, aber es existiert auch das Festspielgesetz aus den 1950er Jahren, nach dem die Republik für alle Ausgaben der Salzburger Festspiele geradesteht. Ideal abgesichert also. Sie könnten überziehen, wie sie wollen, machen es aber natürlich nicht.

Es gibt kritische Stimmen, die meinen, die Kartenpreise für Kunst und Kultur seien zu teuer angesichts dieser Subventionen.

Sind sie auch. Man muss sich einmal überlegen: Der Steuerzahler finanziert Oper und Theater, dann muss er aber trotzdem nochmals eine Eintrittskarte zahlen, obwohl er schon gezahlt hat. In Salzburg kommt noch dazu, dass ein sehr, sehr hoher Anteil des Publikums extra anreist und für Übernachtung, für Essen auch noch Geld ausgeben muss.

Letzteres kommt auch der Stadt und dem Tourismus zugute. Sie empfinden die Kartenpreise also als zu hoch?

Die Kartenpreise sind sehr hoch. Ich war vor wenigen Wochen in Perm, einer Stadt in Russland nahe dem Ural, wo Dirigent Teodor Currentzis derzeit arbeitet. Dort kosten die Eintritte zu Kulturinstitutionen wie in Sowjetzeiten nach wie vor ganz wenig. Aber ich will jetzt auch nicht ein Lenin-Zitat strapazieren: „Die Kunst gehört dem Volk.“ (lächelt verschmitzt)

In den USA ist der Anteil der Sponsorengelder im Kulturbetrieb sehr hoch, die staatlichen Subventionen sind niedrig. Wäre dies Ihrer Meinung auch ein Weg für hierzulande?

Nein. Das kann schnell dazu führen: Einer gibt Geld, plötzlich heißt ein Teil des Hauses nach ihm, als nächstes bestimmt er, wer singt. An der Metropolitan Opera zahlt der Staat nicht einmal 10 Prozent des Budgets. Das ist ein schlechter Weg, denn wer zahlt, schafft an. Das Volk schafft aber nicht an. In vielen Ländern Europas, insbesondere in Deutschland und Österreich, leben Kulturinstitutionen von dem Geld der Menschen, die dort leben. Dafür bekommen sie von diesen geistige Nahrung, denn man nimmt an, dass sie das brauchen.

Richtig Geschäft kann man mit Kunst also nicht machen?

Dazu zitiere ich den rumänischen Künstler und Redakteur der Zeitschrift „revista 22“ Dan Perjovschi: „Wenn jemand Kunst macht, um diese zu verkaufen, ist er ein Handwerker. Wenn er das tut, um etwas auszusagen, dann ist er ein Künstler.“ Weder Theater, noch Oper oder Konzert sind ein Geschäft, es heißt aber immer, es muss eines sein. Das stört mich unglaublich. Auch das ewige Gerede über die Auslastung bringt nichts. Auch Freikarten zählen zur Auslastung. Bei den Opernaufführungen „Lady Macbeth“, „Wozzeck“ und „Lear“ wird der Anteil der verkauften Karten bei weitem nicht so hoch sein wie bei Verdis „Aida“ (Anmerkung: Die Titelrolle singt Anna Netrebko, es dirigiert Riccardo Muti). Das sagt aber nichts über die Qualität aus. Wenn das Werk sekundär wird und nur die Ausführenden in der ersten Reihe stehen, dann läuft etwas falsch. Denn Namen sind doch nur Schall und Rauch, nur die Werke zählen.

Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, selbst Intendant in Salzburg zu werden?

Ich? Nein, auf keinen Fall. Ich war dort auch nie gerne gesehen, das gesellschaftliche Getue während der Festspiele ist mir sehr fern. In Salzburg ist oft das, was vor und nach der Vorstellung passiert, wichtiger als das, was in der Vorstellung geschieht.

Das Angebot an Festspielen ist europaweit riesig. Eine gute Entwicklung?

Es gibt mittlerweile sehr viele Festivals und alle wollen die besten Künstler bieten. Das ist ein großer Unterschied zu Karajans Zeiten. Er konnte deswegen die Besten nach Salzburg holen, weil die Konkurrenz an anderen Festivals überschaubar war. Prinzipiell kann man sagen: Open-Air-Aufführungen, und da werte ich jetzt gar nicht, locken viele Menschen an, die sonst nie eine Oper besuchen würden. Das ist schon was. Auch Vorstellungen von nicht so großer Qualität können dann wie ein Aphrodisiakum wirken. Warum auch eigentlich nicht: Im Gegensatz zu einem Besuch in der Staatsoper sind die Karten günstiger, es ist legerer und Brötchen und Wein sind billiger.

Interview: Susanne Dressler

TV-Tipp: Der ehemalige Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender präsentiert in der Sendung kulTOUR mit Holender bei ServusTV jeden zweiten Donnerstag die wichtigsten Ereignisse aus dem Kulturleben.

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