Was ist Heumilch? Woran erkenne ich sie? Ist Heumilch gesĂŒnder als normale Milch? Wir gehen den Fragen bei einer Reise ins Tiroler Alpbachtal auf den Grund und besuchen dort einen Heumilchbauern und die HeumilchkĂ€serei.

1. Was ist Heumilch?

Im Tiroler Alpbach weht einem hie und da der typische Heugeruch in die Nase. Wenn nicht von den Almen, dann aus den prall gefĂŒllten Scheunen – wie der des Heumilchbauern Michael Brunner. Er sorgt dafĂŒr, dass das Potpourri aus duftenden KrĂ€utern und GrĂ€sern in den MĂ€gen seiner 25 MilchkĂŒhe landet. Denn das gibt deren Milch den guten Geschmack.

HĂ€uslerhof in Alpbach(Bild: Servus)
Gerade eben lag die GlĂŒckskatze vom HĂ€uslerhof noch auf dem duftenden Heuhaufen in der Scheune.

Heumilch ist Milch von KĂŒhen, die nach alter Tradition den Sommer ĂŒber auf den Almen grasen und im Winter Heu zu fressen bekommen.

Michael Brunner ist einer von 8.000 Heumilchbauern in Österreich. Eine Seltenheit in Österreich: Nur 15 Prozent der im Land produzierten Milch ist Heumilch – der europĂ€ische Anteil liegt sogar bei nur drei Prozent.

Heumilchbauer Michael Brunner und sein Sohn (Bild: Servus)
„Jeder hat einen Vogel“, sagt Heumilchbauer Michael Brunner, „meiner sind Kuhglocken.“ An die 100 StĂŒck hat der vierfache Familienvater schon gesammelt.

Die 8.000 österreichischen Heumilchbauern sind in der Arbeitsgemeinschaft ARGE Heumilch vereinigt. Dazu gehören auch rund 60 Milchverarbeitungsbetriebe. Heumilch wird in erster Linie in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Steiermark hergestellt.

Die Heumilchbauern Brunner aus dem Tiroler Alpbach(Bild: ARGE Heumilch)
„Ich liebe es, wenn die KĂŒhe beim Almabtrieb geschmĂŒckt werden“, sagt Michael Brunner. „Dann weiß ich, warum ich schon immer Heumilchbauer werden wollte.“

2. Woran erkenne ich echte Heumilch?

Stolz hĂ€lt Michael Brunner sein Heu hoch: „Da riecht man auch im Winter den Sommer raus.“ Es hat seine frische grĂŒne Farbe behalten und man kann darin den getrockneten Klee, Spitzwegerich und Löwenzahn erkennen.

Heumilchbauer Michael Brunner zeigt sein Bio-Heu. (Bild: Servus)
Lustig: Alle drei Jahre finden Meisterschaften statt, bei denen das beste Heu Österreichs nach Kriterien wie NĂ€hrstoffgehalt, Farbe und Geruch ausgezeichnet wird.
Echte Heumilch ist durch das Heumilch-Logo gekennzeichnet (Bild: ARGE Heumilch)

Im Winter gibt’s fĂŒr die MilchkĂŒhe an Brunners HĂ€uslerhof ausschließlich Heu und mineralstoffreichen Getreideschrot zu fressen. Silage, also vergorenes Futter aus Gras oder Getreide, ist laut dem Heumilch-Regulativ strengstens verboten. An Letzteres mĂŒssen sich alle Heumilchbauern in ganz Europa halten.

Heumilch ist mit dem Heumilch-Logo ausgezeichnet, das Bestandteil des AMA-GĂŒtesiegels ist.

3. Ist Heumilch gesĂŒnder als normale Milch?

Hubert Rendl, GeschĂ€ftsfĂŒhrer in der naheliegenden HeumilchkĂ€serei Reith, bringt das „weiße Gold” von Michael Brunner und weiteren 70 Heumilchbauern tĂ€glich ins Tal. FĂŒr die Herstellung der zehn köstlichen KĂ€sesorten, die hier produziert werden, ist Heumilch unbedingt nötig: Denn sie enthĂ€lt viel weniger Keime, die die KĂ€sereifung stören.

Hubert Rendl, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KĂ€serei Reith (Bild: Servus)
„Eigentlich mĂŒsste es Milchtechnologie-Betrieb heißen”, sagt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hubert Rendl ĂŒber seine KĂ€serei. ”Seit der Beruf des KĂ€sers in ‚Milchtechnologe‘ umbenannt wurde, melden sich plötzlich wieder mehr Lehrlinge.”

Servus-Tipp: Hubert Rendls erstklassigen HeumilchkÀse kann man sich alle vier Wochen nach Hause liefern lassen. Alle Infos bei kÀsekiste.at.

VORTEILE DER HEUMILCH

  • Heumilch bleibt lĂ€nger frisch als Silomilch.
  • Heumilchprodukte haben eine rund doppelt so hohen Wert an Omega-3-FettsĂ€uren wie Silomilch. Diese bewirken eine Verbesserung der Cholesterinwerte, Reduktion des Körperfettanteils und fĂŒhren auch zu verbesserter Denkleistung und LernfĂ€higkeit.
  • Dank der hohen QualitĂ€t der streng regulierten Milch kann bei der Weiterverarbeitung – zum Beispiel zu HeumilchkĂ€sen – komplett auf Zusatzstoffe und Konservierungsmittel verzichtet werden.
  • Heumilchbauern pflegen ihre Almen und mĂ€hen seltener. Damit fördern sie den Weiterbestand von vielen seltenen Planzenarten und erhalten so den Lebensraum fĂŒr viele Tiere, wie der Biene, der Hummel oder des Niederwilds.

Fazit

Ob Glockensammler oder Milchtechnologe – eines haben die von uns besuchten Alpbacher gemein: Die Leidenschaft und den Stolz fĂŒr ihre Produkte. Und die schmeckt man auch heraus. Probieren Sie es aus!