Joseph Koó ist einer der letzten Färber in Europa, der nach alter Tradition Stoffe blau färbt. Seine Spezialität: der Doppeldruck. Plus: ✅ Online-Shop

Seit drei Generationen gibt es den kleinen Betrieb von Joseph Koó im burgenländischen Steinberg. Er ist einer der Letzten in Europa, bei denen Stoffe mit Indigo blau gefärbt werden. Wobei „Blaudruck“ als Bezeichnung eigentlich irreführend ist. Es wird nämlich nicht, wie beim herkömmlichen Stoffdruck, das Muster mit Modeln auf einen Stoff gedruckt. Es ist vielmehr eine Art Negativverfahren – in der Fachsprache Reservedruck genannt –, bei dem das Muster ausgespart und der ursprünglich weiße Stoff blau gefärbt wird.

Blaudrucker Joseph Koó bei der Arbeit (Bild: Stefan Knittel)
Joseph Koó mit seinen Stoffen

Die Koós sind mittlerweile auch die Einzigen, die dieses traditionelle Verfahren im Doppeldruck noch anwenden – also unterschiedliche Muster auf der Vorder- und Rückseite. Dafür muss der Stoff vor dem Muster mit Kartoffelstärke behandelt werden. Bleiben da auf den Stoffen Staub oder Blütenpollen beim Trocknen kleben, wird später die Farbe nicht gut aufgenommen.

Kleine Fehler sind charmant, größere schlecht.

Joseph Koó
Blaudruckerin Miriam Koó bei der Arbeit (Bild: Stefan Knittel)
Miriam Koó beim Modeldruck

Bei Koó wird fleißig blaugemacht

Im Volksmund hat das Blaumachen ja immer etwas mit Faulenzen zu tun. Das kommt davon, dass die Blaudrucker einst zwischen den verschiedenen Arbeitsschritten immer wieder Pausen einlegen mussten – bei anderen Handwerkern war das freilich nicht gern gesehen, und so gerieten die Färber mit den indigoblauen Händen rasch in Verruf.

Schaut man Joseph Koó über die Schulter, merkt man schnell, dass hier allen Vorurteilen zum Trotz fleißig gearbeitet wird. Mit etwa 20 Kilogramm Indigo bedruckt er jährlich geschätzte 1.500 Meter Stoff.

Echtes Handwerk: Blaudrucker Joseph Koó

Wie das mit dem Doppeldruck im Detail funktioniert wollen die Blaudrucker freilich genauso wenig verraten wie die Rezeptur der Färbemittel. Nur so viel sei verraten. Nach der Kartoffelstärke werden die noch weißen Stoffe mit sogenanntem Papp bedruckt. Dafür verwenden die Handwerker Model, die auch schon mal 200 Jahre auf dem Buckel haben. Der Papp muss schön dicht sein, denn von ihm hängt die Brillanz der späten weißen Muster ab.

Goldene Wasserhähne können wir uns keine verdienen. Aber es interessieren sich jetzt wieder mehr Menschen für die Stoffe.

Joseph Koó

So wird blau gefärbt. Zum Färben spannt man die vorher mit Modeln bemusterten Stoffbahnen in uralte Sternreifen und taucht sie in die Küpe mit der blauen Farbe. Beim Auftauchen verwandelt sich der Stoff dank Sauerstoff zunächst in Gelb, dann Grün und schließlich in sattes Blau. Nur das Muster zeichnet sich hell ab. Zehn Minuten bleibt der Stoff an der Luft, bevor er wieder in die Küpe kommt. Das Ganze wird bis zu zehnmal wiederholt.

Koós Werkstatt sieht übrigens noch immer so aus wie 1921. Damals erbaute Josephs Großvater die Werkstätte. Und so wird auch heute noch ohne Maschinenlärm und mit Muskelkraft blau gemacht.

Werkstatt Joseph Koó bei der Arbeit (Bild: Stefan Knittel)

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