Anna Felbermeir vom Bayerischen Trachtenverband und Viktoria Zäch vom Trachtenverein Ilmtaler Pfaffenhofen beantworten zehn Fragen rund um Dirndl und Lederhose.

1. Warum gab es früher keinen linken oder rechten Trachtenschuh?

Nicht etwa, weil die Madln dann und wann rechts und links verwechseln, wie Spötter sagen. Die Tatsache geht auf die grundsätzliche Entwicklung des Schuhwerks zurück. Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind Schuhe in der Passform dem Fuß angepasst. Zuvor verursachten identische Schuhe für links und rechts Fuß- und Rückenprobleme. Unterschiedliche rechte und linke Trachtenschuhe sind bis ins Jahr 1883 zurückzuverfolgen.

2. Welche Rolle spielt der Maßkrug bei der Dirndllänge?

Das ist sozusagen eine Maßangabe für die Länge unseres Festtags-Gwands. Die Rocklänge darf in manchen Regionen nicht kürzer als 25 Zentimeter vom Boden sein, die Höhe des Maßkruges ist 20 Zentimeter. Der Saum muss also den Maßkrug fast berühren. Auch beim Dirndl ist die Rocklänge aber nicht ganz unabhängig von der Mode. Und die wandelt sich, wie jeder weiß, doch sehr schnell.

3. Was hat es mit der Bezeichnung Kropfband auf sich?

Kropfkette (Bild: Maria Dorner)

Damit konnte man seinen „schönen“ Kropf zieren oder verstecken. Früher war der Kropf, bedingt durch Jodmangel, recht häufig. Ein Kropfband ist heute als Schmuckstück Teil der regionalen Tracht. Es zeichnet sich durch besondere Breite aus und wird eng am Hals anliegend getragen. Es kann aus Samt sein und mit Perlen und Stickereien verziert. Des Weiteren gibt es die Kropfkette. Sie besteht aus Silberketten, die mit Stegen verbunden und in der Mitte mit einer Brosche aus Edel- oder Halbedelstein besetzt sind.

4. Wo bindet man die Schleife der Schürze?

Dirndl-Schleife (Bild: Heidi Fröhlich)

Grundsätzlich heißt es: Ledige Frauen binden die Schleife links, verheiratete rechts. Hinten gebunden bedeutet: „Ich bin mir nicht ganz sicher.“ Oder man ist Kellnerin. Aber nix Gwiss woaß ma net. So viele Unterschiede wie es bei den Trachten in den Regionen gibt, so viele Möglichkeiten gibt es auch für die Position und Aussage der Schleife.

5. Wie viele verschiedene Dirndl braucht eine Trachtlerin?

Dirndl (Bild: Julia Rotter)

Die Frage muss eher lauten: Wie viele hat sie? Denn das sind meist mehr, als sie wirklich braucht. Grundsätzlich kommt man mit drei Dirndln durchs Jahr: das leichte, baumwollene für den Sommer. Das warme, langärmelige für den Winter. Und das elegante, seidene für festliche Anlässe und den Kirchenbesuch. Man wirkt im Dirndl immer korrekt gekleidet. Und es bringt zum Ausdruck, dass zur persönlichen Lebenseinstellung Tracht und Brauchtum gehören.

6. Warum behalten Trachtler im Wirtshaus den Hut auf?

Trachtenhut (Bild: Mirco Taliercio)

Damit man gleich erkennt, wenn ein anderer Trachtler das Wirtshaus betritt. Der Hut wird nur beim Essen selbst abgesetzt, aus Ehrfurcht vor der Speise. Eine Tradition aus der Zeit, als die Obrigkeit noch vorschrieb, wer welche Art von Kleidung tragen durfte. Nur der freie Mann durfte einen Hut tragen, je größer, desto mehr Macht hatte er. Deshalb sind Trachtler bis heute so stolz auf ihre Hüte.

7. Wird die Lederhose mit oder ohne Unterhose getragen?

Das kann jeder so halten, wie er will. Noch bis in die 1940-Jahre war es anders, da trug man die Lederhose grundsätzlich „unten ohne“. Heute entscheidet sich das Gros der Trachtler vor allem aus hygienischen Gründen für eine Unterhose. Auch wenn die Lederhose richtig knackig sitzen soll, ist immer noch ein bisschen Platz für eng anliegende Unterwäsche.

8. Trägt man immer ein Trachtenmesser?

Lederhose mit Feitl (Bild: Peter Podpera)

Grundsätzlich ja. Denn womit soll der Trachtler sonst die Brotzeit schneiden? Trachtenmesser, Feitl oder „Stilettl“ haben meist einen Hirschhorngriff und gehören zur traditionellen Tracht. Heute sind sie oft mehr Schmuckobjekt als Gebrauchsmesser. Nur bei Flugreisen und bei Veranstaltungen mit Personenkontrolle muss der Trachtler schweren Herzens sein Messer daheim lassen.

9. Wollstrümpfe oder Wadlwärmer?

Wadlwärmer (Bild: Bernhard Huber)

Wer schöne Wadln hat, darf sie gerne zur Schau stellen. Loferl sind Wadlwärmer und werden unter dem Knie auf dem stärksten Teil der Wade getragen. Sie schmücken die Wadln und setzen sie besonders in Szene. Man sagt auch Stutzen oder Beinhösl dazu. Die Loferl sind im Alpen- und Voralpengebiet verbreitet. Ihren Ursprung haben sie in einer Zeit, in der sich nicht jeder Schuhe leisten konnte. Wer damals Stutzen trug, konnte wenigstens seine Beine vor Kälte schützen.

10. Wie viele Lederhosen hat ein Trachtler?

Lederhosen (Bild: Cathrine Stukhard)

Die Robusten ziehen im Sommer wie im Winter die kurze Lederhose an. Manche haben allerdings für die ganz kalten Tage eine Bundlederhose. Im altbayerischen Teil gibt es oft nur eine Stiefelhose mit Faltenstiefeln fürs ganze Jahr. Denn dort heißt es: Was für die Kälte gut ist, ist auch gegen die Hitze gut! In der Volkstracht verwendet wird auch die Kniebundhose, eine halblange Lederhose. Als traditionelle Bundhose gleicht sie der höfischen Bekleidung des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Länge entspricht dabei der einer Knickerbocker, aber die Passform ist enger und sie hat knapp unter dem Knie einen Bund.