Das Gadertal in Südtirol ist das Herz des Lebensraumes der Dolomiten-Ladiner. Hier pflegt man noch uralte Lebensweisen, Kulturen und vor allem die eigene Sprache.

Das Gadertal/Val Badia liegt zwischen den beiden Naturparks Puez-Geisler und Fanes-Sennes-Prags.

Als die Römer zu den abgeschiedenen Berglern vordrangen, errichteten sie bäuerliche Siedlungen nach römischer Art, die Viles. Sie sind ringförmig angelegt, mit Wegen verbunden, und die umliegenden Felder sind so aufgeteilt, dass jede Familie davon leben kann. Das ist noch heute so. Die historischen Höfe in den Viles sind aus Holz mit einem Fundament aus Stein und beherbergen Stall, Heuschober und Wohnräume.

Gadertal: Viles (Bild: Bernhard Huber)
Historische Höfe in den Viles

Die Dolomiten-Ladiner gehören zu den ältesten Völkern der Alpen. In der abgeschiedenen Bergwelt haben sich ihre Kultur und Bräuche erhalten. Vor allem hat mit dem Ladinischen eine Form von Vulgärlatein überlebt, das einst die römischen Legionäre einführten.

Sehen & Gehen

1. Für Pilger und Wanderer

Gadertal: Erwin Irsara (Bild: Bernhard Huber)
Glockner Erwin Irsara vor der Wallfahrtskirche Heiligkreuz

Direkt unter den steilen Felsen des Heiligkreuzkofels liegt auf 2.045 Metern die Wallfahrtskirche Heiligkreuz. Von hier hat man einen wunderschönen Blick über das Gadertal, auf die spitzen Gipfel der Puez-Geisler-Gruppe und bis zur Marmolata. Die angeschlossene Berghütte wird von Erwin Irsara betrieben, der auch fürs Läuten der drei Kirchenglocken zuständig ist. In der Küche steht Tochter Karin, ihre Spezialität: Kaiserschmarren.

2. Ursus ladinicus

Gadertal: Willy Costamoling (Bild: Bernhard Huber)
Bergsteiger Willy Costamoling

Willy Costamoling, 75, ist eine lebende Legende im Gadertal. Zum einen hat der Bergsteiger, Bergretter und Drachenflieger auf 2.000 Metern – auf der Hochebene Pralongiá – eine Hütte. Zu erreichen ist die Punta Trieste mit bestem Blick auf den Sassongher (2.665 m) per pedes oder mit dem Sessellift. Zum anderen hat er vor über dreißig Jahren auf 2.800 Metern eine Höhle mit 50.000 Jahre alten Bärenknochen entdeckt. Der Ursus ladinicus beschäftigt seither die Wissenschaft und ist im Museum Ladin zu besichtigen.

Museum Ladin
Strada Micurá de Rü 26
39036 St. Kassian/San Cassiano

www.museumladin.it

3. Schönes im Blick

Auf dem beschaulichen Künstlerweg zwischen St. Kassian/San Cassiano und Stern/La Villa kann man nicht nur die felsige Schönheit der Dolomiten, sondern auch Skulpturen zeitgenössischer ladinischer Künstler bewundern.

Handwerk & Kunst

4. Feines Gewebe

Seit 1857 gibt es die Kunstweberei Nagler, in der feine Heimtextilien mit alten und modernen Mustern gewebt werden. In einer Ecke steht noch ein hundert Jahre alter Webstuhl, es wird aber auch hier schon elektronisch gearbeitet.

Kunstweberei Nagler
Zona Artigianale 13,
39030 Wengen/La Val

Tel.: +39/0471/84 31 88
www.tessituranagler.com

5. Vater und Tochter Rottonara

Gadertal: Suzy Rottonara (Bild: Bernhard Huber)
Sopranistin Suzy Rottonara

Lois Rottonara, kurz Rott genannt, ist einer der angesehensten ladinischen Künstler. Für seine farbkräftigen Bilder, ausdrucksstarken Bronzestatuen, Holzskulpturen und Keramiken ist er in ganz Italien bekannt. Seine Tochter Susy Rottonara ist ausgebildete Sopranistin mit einem Faible für die ladinische Sagenwelt. In ihrem multimedialen Projekt „Der Traum von Dolasila“ verknüpft sie klassische Musik mit bildender Kunst und ladinischer Sprache.

Atelier Lois Rottonara
Via Planmurin 10
39036 Stern/La Villa

Tel.: +39/3470/17 37 30
www.rott.it

Wohnen & Essen

6. Panoramablick

Es begann mit vier Fremdenzimmern in den 1930er-Jahren, heute hat sich das La Majun zu einem stattlichen Hotel mit gepflegtem Ambiente gemausert. Es wird in dritter Generation von Natalie geführt, deren Mutter Roberta Rinna nach wie vor als guter Geist überall mithilft. Von der Terrasse, den meisten Zimmern und der Sauna aus genießt man den direkten Blick auf die Heiligkreuzkofelgruppe.

La Majun
Via Colz 59
39030 Stern/La Villa Alta Badia

Tel.: +39/0471/84 70 30
www.lamajun.it

7. Der Geschmack der Berge

Gadertal: Norbert Niederkofler (Bild: Bernhard Huber)
St. Hubertus-Koch Norbert Niederkofler

Norbert Niederkofler zählt zu den besten Köchen Südtirols, obwohl sein Restaurant St. Hubertus im Luxushotel Rosa Alpina nicht gerade auf dem Weg nach wo auch immer liegt. Vor acht Jahren änderte er sein Konzept radikal, um das kulinarische Erbe der Alpen zu retten. Seither kommen in seine Küche nur Zutaten aus der näheren Umgebung, und zwar dann, wenn sie reif sind. Es wird wie früher fermentiert und milchsäurevergoren, sogar die Speisekarten werden auf verrottbarem Apfelpapier geschrieben.

Gadertal: Hotel Rosa Alpina (Bild: Bernhard Huber)
Hotel Rosa Alpina

St. Hubertus im Hotel Rosa Alpina
Strada Micurá de Rü 20
39036 St. Kassian/San Cassiano

Tel.: +39/0471/84 95 00
www.rosalpina.it

8. Ladinische Küche

Gadertal: Rosa Piccolruaz (Bild: Bernhard Huber)
Köchin Rosa Piccolruaz

Im ältesten Hof im Tal aus dem Jahr 1200 mit kleinem Bauernmuseum kocht Rosa Piccolruaz typische ladinische Gerichte nach Rezepten ihrer Vorfahren. Zum Beispiel Gerstensuppe mit Turtres (gefüllten Teigtaschen), Strauben oder Gulasch. Nur gegen Vorbestellung und für Gruppen mit max. 20 Personen.

Maso Alfarëi
Alfarëi 7
39036 Abtei/Badia

Tel.: +39/0471/83 98 25

Gadertal, Südtirol (Bild: Bernhard Huber)