Zu Besuch beim letzten Handwerker, der in seinem Ort noch Messer, Gabel und Fuhrwerksahle herstellt. Plus: ✅ Online-Shop

„Neun Kreuz’ und neun Mun (Monde) greifen alle Teufel un“. So lautet ein Sprichwort aus dem Südtiroler Sarntal, wo die Klingen der traditionellen Messer bis heute die magischen neun Kreuze und neun Halbmonde tragen: Sie sollen alles Böse und jede Hexerei abwehren. Nicht nur auf dem Feld und gegen die Wetterhexen wurden die in Weihwasser getauchten Messer eingesetzt. Zum Schutz steckte man sie auch in Stalltüren, in Fuhrwerke, ja man hängte sie bisweilen sogar in Kinderkrippen.

DER LETZTE TRACHTENBESTECKMACHER

Peter Ainhauser aus Südtirol und eines seiner Messer.

„Es gehört genauso zu unserer Tracht wie die gewalkte Lodenhose, wie unser federkielbestickter Ledergürtel und die blaue Schürze“, sagt Peter Ainhauser. Er ist der Letzte im Südtiroler Sarntal, der noch das traditionelle Trachtenbesteck herstellt. Abgesehen von dem Messer stecken in dem Etui auch noch eine Gabel mit zwei Zinken und eine Fuhrwerksahle. „Mit der hat man früher die Lederriemen der Fuhrwerke gerichtet.“

Peter Ainhauser fertigt sämtliche Teile seiner Messer und Bestecke in Eigenregie – von den Griffen aus Horn bis zu den ledernen, handgenähten Scheiden und den Klingen. Die Motive auf den Griffen – vom Wildschwein bis zum Enzian – sind den Hobbys und Berufen der Träger angepasst. „So kann sich der Kunde aussuchen, was er will“, sagt der ehemalige Bauer und Holzarbeiter.

Messergriffe aus Horn. Für die Messergriffe muss das Horn stundenlang kochen, damit es weich wird. Danach wird es in Form gepresst und abgekühlt. Weil heutzutage viele Bauern ihre Kühe ohne Hörner halten, ist das Material rar geworden. Und: Horn ist nicht gleich Horn. Verwenden kann man nur jenes vom Grauvieh, die Hörner vom Braunvieh sind zu weich und zu hell.

Kontakt

Peter Ainhauser
Nordheim 67
I-39058 Sarnthein
Tel.: +39/471/62 33 07