Warum wurde früher nie am Wochenende geheiratet? Was bringt es, Schüsseln zu zerbrechen? Fast vergessene Hochzeitsbräuche aus Österreich.

Wussten Sie, dass früher – und das ist wirklich schon sehr lange her –  eine verheiratete Frau in Österreich ihre Haare unter einer Haube verstecken musste? Das galt als Zeichen der Anständigkeit und ging in Süd-Kärnten sogar so weit, dass die Ehe erst gültig war, wenn die Mutter der Tochter die Brauthaube aufgesetzt hatte. Davon rührt übrigens auch die Redewendung „unter die Haube kommen“ her. Wir zeigen kuriose, alte Hochzeitsbräuche, die heute kaum mehr praktiziert werden, aber absolut wissenswert sind. 

Wann wurde früher geheiratet?

In bäuerlichen Kreisen wurde nicht im Wonnemonat Mai oder im Sommer zur Hochzeit geladen, sondern im Herbst und in den kargen Wintermonaten. Denn erst, wenn die Ernte eingebracht und die Feldarbeit getan war, hatten die Bauersleute genug Muße, um das Fest auszurichten. Schauen die Hochzeiter heutzutage eher darauf, dass das Fest auf einen Freitag oder Samstag fällt, trat man früher unter der Woche vor den Altar. Die Gründe: Der Freitag war unter Gläubigen kein Tag zum Heiraten, denn an diesem Tag hatte sich schließlich der Judas erhängt. Auch an einem Samstag zu heiraten wurde einst tunlichst vermieden. Denn der Pfarrer hätte keine rechte Freude daran gehabt, am darauffolgenden Tag des Herrn vor einer halbleeren Kirche seine Predigt abzuhalten, weil sich die Hochzeitsgäste noch vom rauschenden Fest erholten. 

Um die Braut & Bräutigam werben

Lange bevor es ans Aussuchen des Brautkleides ging, musste um die Braut entsprechend geworben werden. In der Steiermark wurden sogenannte Biedlleute ausgeschickt, die beim Mädel vorzusprechen hatten. Ein Kuppelpelz war die Belohnung einer erfolgreichen Vermittlung. Doch auch die Frauen durften es wagen, den ersten Schritt zu tun. „Wirst ihm ein Oapackl geben?“, hieß es dann im oberösterreichischen Salzkammergut. Denn zu Ostern überreichte das Mädel seinem Auserwählten ein liebevoll zusammengestelltes Paket, das er entweder annehmen oder ablehnen konnte. Beim Brautvater um die Hand der Tochter anzuhalten war Aufgabe eines wortgewandten und gewitzten Brautwerbers. Dabei ging es zwar in manchen Gegenden wie dem kärntnerischen Gailtal oder in der Oststeiermark recht poetisch zu. Lange wurde in blumiger Wechselrede zwischen dem Brautwerber und dem Hausvater um das eigentliche Thema herumgeredet. Die Antwort blieb bis zum Schluss spannend und wurde dann nicht etwa in Worten, sondern in Speisen dargelegt. Würstel, Speck oder Schnaps galten etwa in Kärnten als Ja, gestockte Milch oder Sauerkraut hingegen als Nein. 

Der Hochzeitslader

Zur Hochzeit eingeladen wurde früher mehr oder weniger das ganze Dorf. Ein Hochzeitslader oder Prograder zog mit einem bunt geschmückten Ladsteckn von Tür zu Tür und lud mit einem Sprüchlein zum bevorstehenden Feste ein. Auch heute kommt dem Hochzeitslader
in ländlichen Gegenden noch immer eine wichtige Funktion zu. Denn als erfahrener Zeremonienmeister, dessen Ladsteckn bestenfalls schon einige Schleifen mit den Namen von Brautpaaren zieren, hat er die wichtige Aufgabe, den Hochzeitszug richtig aufzustellen und später durch das Fest zu führen. Noch heute gibt es den Brauch des Hochzeitsladers.

Lader-Spruch: „Grüß euch Gott mit Herz und Mund! Ihr seid wohl alle frisch und g’sund? Auch ich bin froh und guter Ding’, weil ich euch eine Botschaft bring, einen lieben Gruß in Gottes Nam’ von der Jungfrau Braut und dem Bräutigam. Sie haben mir geboten, ich soll gehen auf Reisen, euch alle zur Hochzeit laden und heißen!“

Vom Schießen und der richtigen Reihenfolge beim Umzug

Der Hochzeitsmorgen beginnt auch heute meist noch zeitig. So manches Brautpaar wird durch Gewehrsalven oder mit lauter Musik aus dem Bett geholt. Traditionell gibt es dann zum Frühstück eine kräftige Hochzeitssuppe, die alle Beteiligten bis zur Trauung durchhalten lässt. Mit besonderer Neugier wurde früher von der Dorfgemeinschaft der Brautwagen erwartet, auf dem die Mitgift der Braut aufgeladen war. Der Wohlstand der Brautfamilie musste zur Schau gestellt oder zur Not vorgegaukelt werden. Da türmten sich Hochzeitstruhe, Spinnrad, Bett, Wiege, Kasten und sogar so manches Sofa.

Steht der Weg zur Kirche oder zum Standesamt bevor, hat der Hochzeitslader alle Hände voll zu tun, den Hochzeitszug aufzustellen. Je nach Region gibt es genaue Anordnungen, wer neben und hinter wem zu gehen hat. Doch überall führt die Musik den Zug an, begleitet von Gejuchze, Geschieße und Geschnalze. So bewegt sich die Hochzeitsgesellschaft schließlich langsam in Richtung Trauungsort, oft noch aufgehalten durch Wegsperren.

Spiele nach der Kirche

Auch nach der Kirche warten meist noch ein paar lustige Überraschungen und Hochzeitsbräuche auf die Frischvermählten. Besonders beliebt ist das gemeinsame Zersägen eines Holzstammes mit einer Zugsäge. Unter lautem Anfeuern der Hochzeitsgesellschaft muss das Paar erstmals in der Ehe eine gemeinsame Aufgabe – einer schiebt, einer zieht am Werkzeug – möglichst harmonisch vollbringen. Dem Bräutigam kann es dann passieren, dass er unter großem Gelächter eine Babypuppe wickeln muss. In Kärnten müssen Bräute oft noch kurz in der Küche vorbeischauen, um symbolisch das Kraut oder die Suppe zu salzen und sich beim Küchenpersonal mit einem kleinen Trinkgeld zu bedanken. 

Einer der bekanntesten, wenn auch nicht beliebtesten Bräuche ist das Brautstehlen. Dabei gehen die Entführer, Freunde und Verwandte des Bräutigams, mit der Braut von dannen, um meist in einem Wirtshaus in der Nähe kräftig zu zechen. Mit dabei immer der Brautstrauß denn ohne den gilt’s nicht. Gesucht und ausgelöst wird die geraubte Braut dann vom Bräutigam, der nun hoffentlich gelernt hat, besser auf seine Angetraute aufzupassen. Bemerkt er nicht gleich, dass seine bessere Hälfte fehlt, kann es sein, dass er mit einem Besen tanzen muss. 

Der Brauttanz gegen Ende der Hochzeit, bei dem alle Männer mit der Braut tanzten und dafür bezahlen mussten, diente dazu, einen Teil zu den Musikkosten beizusteuern. Eine Abwandlung ist der Schleiertanz, bei dem der Schleier der Braut zerrissen und unter die Hochzeitsgäste geworfen wird. Je größer das Schleierstück ist, das ein Mädchen erwischt, desto besser stehen auch die Heiratschancen. 

Das Schüssel-Orakel für die Familienplanung

Nach der Hochzeit werden im Burgenland und in Kärnten gerne Schüsseln durch die Gegend geworfen. Je mehr Scherben, desto mehr Kinder – so heißt es. In Oberösterreich kommen in einigen Regionen eine Woche nach der Hochzeit die Verwandtschaft und der engste Freundeskreis zur Glückssuppn zusammen. Wird beim fröhlichen Feiern etwas ausgeschüttet, heißt’s, das gibt bald Kindersegen und eine Taufe.