Ein Koch, der ohne Olivenöl auskommt. Eine Kräuterfrau, die aus der bitteren Schafgarbe einen süßen Sirup zaubert. Ein Ehepaar, das in einem Haus ohne Straße wohnt. Von diesen kreativen Menschen lassen wir uns gerne inspirieren.

1. Blaudruckerin Johanna Henkenjohann

Johanna Henkenjohann (Bild: Stefan Pfeiffer)

Ein Besuch in der Blaudruckerei von Johanna Henkenjohann im bayerischen Bad Aibling ist wie eine Zeitreise. Aber nicht etwa, weil die 85-Jährige nur von der guten alten Zeit spräche, sondern weil das Handwerk, das sie ausübt, heutzutage ebenso selten geworden ist wie Johannas respektvoller und leidenschaftlicher Zugang zu ihrer Arbeit.

Die Blaudruckerin nimmt das Wort „original“, das sie ihrer Tätigkeit voranstellt sehr ernst. Hier wird nur mit altem Bauernleinen gearbeitet, gefärbt wird nur mit natürlichem Indigo, einem tiefblauen Farbstoff, der aus einer Pflanze gewonnen wird, und es werden traditionelle Handwerkstechniken angewendet, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.

In ihrer Werkstatt entsteht so ziemlich alles, was man aus Stoff machen kann: Servietten, Tischsets, Kissenbezüge, Kleidung, Decken, Vorhänge, Taschen, Gewürzbeutel – alles natürlich im klassischen Blau-Weiß und alles unverwechselbar. Denn zum einen ist durch die Arbeit mit dem alten Bauernleinen jedes Stück Stoff anders. Und zum anderen weiß man auch nie, wie sich die Farbe beim Trocknen entwickelt.

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2. Wirtinnen Angela und Carina Kases

Angela und Carina Kases (Bild: Mirco Taliercio)

Im Gasthaus Kases im oberösterreichischen Gaflenz sorgen die Schwestern Angela und Carina für Schwung im elterlichen Betrieb.

Hier servieren sie unter anderem einen Wiener Mehlspeisenklassiker mit Wachauer Marillen, die „Wiener Wäschemädeln“, und erobern damit die kulinarischen Herzen all jener, die dieses Wirtshausjuwel gefunden haben.

3. Kräuterfrau Elke Piff

Kräuterfrau Elke Piff (Bild: Lupi Spuma)

Was einst den antiken Helden Achilles stärkte und jungen Mädchen süße Träume bescherte, hat es auch Elke Piff im burgenländischen Willersdorf angetan: die Schafgabe, die gleichzeitig heilt und die Sinne belebt.

Rund um Elkes Bauernhof sind die leuchtend weißen Doldenblüten überall zu sehen. Der Duft der zierlichen Pflanzen – die nicht nur im Juni, sondern meist auch noch ein zweites Mal im Jahr blühen – steigt einem angenehm in die Nase.

Aus der Heilpflanze, die als Frauenkraut gilt, weil sie krampflösende Wirkung hat und Menstruationsbeschwerden lindert, stellt die gebürtige Tirolerin einen süßen Sirup her. Denn sosehr Elke heute von der Schafgarbe auch begeistert ist, Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Bitteres mag die Kräuterexpertin nämlich gar nicht, das Heilkraut schmeckt aber nun einmal so.

Also tat Elke, was sie mit vielen ihrer Kräuter gerne tut: Sie begann zu experimentieren und kreierte einen Sirup, der wirkt und schmeckt.

4. Hotelier Franz Frischmuth

Franz Frischmuth (Bild: Raphael Gabauer)

Der Hotelchef des Hotel am See in Altaussee Franz Frischmuth betrachtet die Tradition des Hauses und die Leidenschaft für das historische Detail als Lebenswerk.

Mit nur 12 Jahren erbte er das ehrwürdige Haus – das ab 1880 seine Hochblüte als Sommerfrische-Ziel für die wohlhabende Gesellschaft rund um die Hocharistokratie und für zahlreiche Dichter galt – von seinem zu früh verstorbenen Vater. Damals (1980) musste er erstmal den existentiellen Überlebenskampf seiner Mutter mitverfolgen, denn es folgten Jahre von Missgunst, Intrigen und Nachlass-Streitigkeiten, weil das Hotel im Ort zum Objekt der Begierde wurde.

Siebeneinhalb Jahre blieb das Hotel am See zu, nur der Notbetrieb einer Gaststube sicherte die Existenz der Familie. 1991 eröffnete Franz II., den heute alle den „Seewiascht-Franz“ rufen, nach intensiver Aufbauarbeit mit den älteren Schwestern das Haus neu.

Das Hotel am See entspricht längst den Ansprüchen unserer Zeit. Franz Frischmuth hat den abgewohnten Trakt durch ein neues Gebäude ersetzt, das alte Schwimmbad und „schweren Herzens“ den unwirtschaftlichen Ballsaal entfernt, derweil Sauna und Dachgeschoß ausgebaut. 60 Zimmer waren es damals, 6 Zimmer und 13 Suiten mit insgesamt 56 Betten sind es heute.

5. Einsiedler Doris und Gottfried Laherstorfer

Doris und Gottfried Laherstorfer (Bild: Robert Maybach)

Das Anwesen von Doris und Gottfried Laherstorfer im oberösterreichischen Traunkirchen ist ein kleines Paradies. Ihm fehlt nur eine Selbstverständlichkeit: die Straße vorm Haus.

Hier lebt es sich wie auf einer Berghütte: Alles, was nicht schon da ist, muss raufgetragen werden. So schafft es nichts gedankenlos in die gute Stube. Drei Fragen kommen vorher: Brauchst du es wirklich? Wie groß ist es? Und wie schwer? Immerhin müssen stets 258 Stufen bis zu ihrem Haus überwunden werden.

Kühlschrank? „Ja, den haben wir in einer Dreiviertelstunde zu zweit mit der Sackrodel heraufgebracht.“ Waschmaschine? Nein. Eine Musikbox, Marke Wurlitzer? Doch, „die hat sich die Doris eingebildet“, meint Gottfried schmunzelnd und erzählt, wie vier starke Burschen sie heraufgehievt haben.

Seit 1970 gab es immer wieder Bestrebungen, eine Straße oder zumindest einen Forstweg zu bauen, um das entlegene Haus am Juchhe von Traunkirchen endlich ans Verkehrsnetz anzuschließen. Aber vergeblich: Entweder es scheiterte am Geld oder am Naturschutz.

Doch trotz all der Mühsal sind Doris und Gottfried Laherstorfer glücklich, dass sie das Familienerbe erhalten und hier ihr Zuhause geschaffen haben.

6. Wirtsfamilie Maier

Ulli Maier, die Chefin der Pretzhof-Alm, einem Gasthaus und Bauernhof samt Fleischerei und Käserei im Pfitschertal bei Sterzing in Südtirol, ist auch die unumschränkte Herrin der Küche. Sie zaubert die wunderbarsten Gerichte auf den Tisch.

Schon seit 1695 gehört der Hof der Familie Mair. Derzeit führt Vater Karl die Geschäfte, Mutter Ulli kocht, Sohn Arthur ist Fleischer und somit zuständig für die Verwertung dessen, was sich auf der Alm tummelt. In den vergangenen Jahren hat sich die Metzgerei auch dank ihm den Ruf erworben, das beste Fleisch und den besten Speck der Gegend anzubieten.

Ihre Spezialität: Molkeschweine. Die sind für ihr besonders wohlschmeckendes Fleisch berühmt. Wer das Fleisch kosten will, muss sich aber früh anmelden: Denn bereits im Spätsommer, bevor die Tiere wieder zurück herunter ins Tal steigen, ist alles, was die Mairs nicht selbst verkochen, vorreserviert und ausverkauft.

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7. Koch Norbert Niederkofler

Norbert Niederkofler (Bild: Bernhard Huber)

Norbert Niederkofler zählt zu den besten Köchen Südtirols, obwohl sein Restaurant St. Hubertus im Luxushotel Rosa Alpina im Südtiroler Gadertal nicht gerade leicht erreichbar ist.

Vor acht Jahren hat er seine Küche radikal umgestellt, um das kulinarische Erbe der Alpen zu retten. Bei ihm gibt es nur das, was in nächster Nähe wächst. Selbst Zitronen und Olivenöl sind verpönt.

Die nötige Säure in seiner preisgekrönten Küche holt er sich durch Fermentation und Milchsäurevergärung, so wie man es seit Jahrhunderten auch zum Haltbarmachen in der Gegend praktiziert. „Ich kenne alle Bauern persönlich“, sagt Norbert Niederkofler, dem die Begeisterung ins Gesicht geschrieben steht, dass er dauernd etwas Neues dazulernt. „Gemeinsam wird altes Wissen ausgegraben, die Tiere werden mit Respekt behandelt, und alles, was wächst, wird nur dann verarbeitet, wenn es reif ist.“

Seitdem pilgert man aus der ganzen Welt zu ihm in den hintersten Winkel Südtirols.

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