Luscinia megarhynchos · Fam.: Schnäpperverwandte (Muscicapidae)

MERKMALE

Trotz ihrer herausragenden Stellung in der Welt der Singvögel ist die knapp 17 cm lange Nachtigall ein eher unscheinbares Tier. Männchen und Weibchen haben einen hellbrauen Kopf und einen etwas dunkleren, rostbraunen Rücken. Kehle und Brust sind schmutzig weiß bis hellgraubraun, der Schwanz ist kastanienbraun.

Nest: am Boden oder bodennah in dichten Krautschichten an Buschrändern Eier: 4 bis 6 Stück, ca. 2 cm lang, gelblich bis braun, mit braunen Schattierungen Brutverhalten: 1 Brut im Jahr; Brutdauer 13 bis 14 Tage; Weibchen baut Nest und brütet, beide füttern; Saisonehe

LEBENSWEISE 

Ab September brechen die Langstreckenzieher in ihre afrikanischen Winterquartiere, die sich südlich der Sahara bis nach Tansania erstrecken, auf. Ab April sind sie wieder in heimischen Gefilden.

Das Vorkommen der Nachtigall ist bei uns auf den pannonischen Osten beschränkt. Sie brütet in unterholzreichen, lockeren Wäldern, Heckenlandschaften und Windschutzstreifen vom Weinviertel bis zum Nordburgenland.

Mit wippenden Schwanzbewegungen sucht sie am Boden nach Insekten und Würmern; später im Jahr bereichern Beerenfrüchte den Speiseplan.

GESANG

Der berühmte Nachtgesang, oft schon vor Mitternacht, kommt vor allem von Junggesellen. Bisher dachte man, sie würden damit Weibchen anlocken. Neuere Forschungen legen aber nahe, dass die Weibchen nachts aktiv auf Partnersuche gehen und die Männchen nur antworten.

Frühmorgendlicher Gesang stammt eher von bereits gebundenen Männchen, die so ihre Revieransprüche untermauern. Bis zu 260 wohlklingende Strophen beherrschen die Vögel.

Auf Tonaufnahmen aus Ghana sind jedoch auffallend dilettantische Gesänge zu hören. Forscher schließen daraus, dass junge Männchen in ihrem ersten afrikanischen Winter fleißig üben, um im Frühjahr ein Weibchen erobern zu können.

VOLKSTÜMLICHE NAMEN

Ein althochdeutsches Wort für Gesang lautet gal. Die Nachtigall ist also schlicht der Nachtsänger. In Brutgebieten wird sie auch Auvogel genannt.

WISSENSWERTES 

Wer kennt nicht das Zitat aus Shakespeares Romeo und Julia? „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche …“ Es ist nur eines von vielen hunderten. Kein anderer Vogel ist wegen seiner Lieder so präsent in Literatur und Musik.

Seit Jahrhunderten ist sie, in den Gedichten von Walther von der Vogelweide ebenso wie im persischen Volksglauben, der Vogel des Frühlings und der Liebe. Ihr Gesang – und damit ist eigentlich schon alles gesagt – bringt Genesung und lässt Rosen erblühen.