Oriolus oriolus · Familie: Pirole (Oriolidae)

MERKMALE

Pirole sind mit 24 cm Länge etwa so groß wie Amseln; sie werden auch Goldamseln genannt. Die Geschlechter unterscheiden sich deutlich. Das Männchen ist leuchtend gelb grundiert und besitzt schwarze Flügel sowie schwarz-gelbe Schwanzfedern. Das Weibchen ist olivfarben mit gelbem Einschlag, seine Flügel sind graublau. Ältere Weibchen ähneln den Männchen zusehends.

Nest: in Astgabeln von Laubbäumen, Geflecht aus Bast und Halmen Eier: 2 bis 5 Stück, ca. 3 cm lang, weiß bis rosa mit grauen Flecken Brutverhalten: 1 Brut; Brutdauer 15 bis 18 Tage; Nestbau Weibchen; Männchen brütet und füttert mit; Paarbildung nur für Brut und Aufzucht

LEBENSWEISE 

In Europa lebt der Pirol in Laub- und Auwäldern in niedrigen Lagen. Die häufigsten Nachweise in Österreich erfolgen im Osten entlang der Donau, im Burgenland und in der Steiermark.

Pirole sind Langstreckenzieher und überwintern in Afrika um den Äquator und weiter südlich. Erst im Mai kehren die Vögel zurück.

Die Nahrung besteht aus Insekten (vorzugsweise Schmetterlinge und deren Raupen); später im Jahr kommen auch Kirschen, Beeren und Weintrauben dazu.

GESANG

Das charakteristisch geflötete „didlioh“ oder „duliolüh“ steht lautmalerisch in Zusammenhang mit dem Wort Pirol. In Brehms Thierleben wird der Gesang als „piripiriol“ übertragen. Pirol-Strophen baute auch Richard Wagner in seine Oper Siegfried („Waldweben“) ein. Die Warn- und Erregungsrufe klingen ähnlich wie „chrääh“, „jickjick“ oder „gick-gick-gick“.

VOLKSTÜMLICHE NAMEN

Der Pirol ist seit Jahrhunderten der Wappenvogel des Adelsgeschlechts von Bülow und wird deshalb auch Vogel Bülow genannt. Der deutsche Humorist Vicco von Bülow wählte das französische Wort für den Pirol als Künstlernamen: Loriot.

Wegen seiner späten Rückkehr im Mai wird er auch Pfingstvogel genannt. In Oberösterreich und Salzburg Gugler und Kirschvogel, in der Steiermark gelber Kirschvogel und Gugler, in Ostösterreich Guglfahraus oder Vogel Vierhaus.

WISSENSWERTES 

Mit dem Menschen verbindet den Pirol eine lange, für den Vogel aber auch leidvolle Geschichte. Wegen seines außergewöhnlichen Gefieders war er ein sehr beliebter Volierenvogel, obwohl er dazu in Wahrheit sehr schlecht geeignet ist.

Man sagte auch, Pirole würden in Käfigen nur so lange überleben, wie man sie mit Kirschen füttert. Die Höhepunkte seiner Gesangsaktivitäten galten als Regenboten; das laute Verlangen der Jungen nach Futter wurde als Gewitterwarnung gedeutet.