Das knackig-würzige Radieschen schenkt uns büschelweise
Überraschungen. Zum Beispiel: Es ist nicht immer rot. Es steckt voller Heilkräfte. Und die Blätter ähneln ein bisschen dem Spinat.

Man traut es ihm nicht zu, aber auch das kleine Radieschen hat so seine Geheimnisse. Über seine genaue Herkunft etwa herrscht bis heute botanisches Rätselraten. Und das, obwohl schon die alten Ägypter und Babylonier in die würzigen Rundknollen gebissen haben dürften.

Familie:Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).
Anbau: Dank Folientunnel oder Wärmebeet kann man in Regionen mit frühem Frühlingsbeginn schon ab Februar, sonst ab März mit der Freilandaussaat von Radieschen beginnen. Die Samen kommen etwa einen Zentimeter tief in die Erde. Bei einem Reihenabstand von etwa 15 Zentimetern und einem Pflanzenabstand von rund 4 Zentimetern können sich die unterirdischen Knollen gut entwickeln. Wer den ganzen Sommer über ernten will, sät alle zwei Wochen nach. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Radieschensorten für die Frühkultur und sogenannten Sommerradieschen. 
Pflege: Radieschen sind anspruchslos. Wenn die Erde allerdings zu nährstoffarm ist, entwickeln sich die Knollen weniger üppig als in guter, humoser Erde. In jedem Fall brauchen sie regelmäßig Wasser, weil sie sonst pelzig oder manchmal auch allzu scharf werden.
Ernte: 
Drei bis fünf Wochen nach der Aussaat sind die Radieschen erntereif. Sie sollten nicht zu lange darüber hinaus im Boden bleiben, weil überreife Radieschen leicht verholzen oder hohl werden.

Wie die Radieschen zu uns kamen

Auf europäische Teller schaffte es das Radieschen erst im 16. Jahrhundert – und zwar auf Umwegen über Frankreich, wo es genau wie im deutschsprachigen Raum eine gängige Redewendung gibt, die dem unschuldigen Knollengemüse einen leicht morbiden Anstrich verleiht: Wer „die Radieschen von unten anschaut“ oder – französisch – „von der Wurzel her isst“, („manger les pissenlits par la racine“), hat sein Leben auf Erden hinter sich.

die Radieschen von unten betrachten

Redewendung

Dass sich ausgerechnet das Radieschen in diesen düsteren Sprachzusammenhang verirrt hat, ist ungerecht, weil es im Gegenteil eher lebensverlängernd wirkt. Denn das, was ihm seine würzige Schärfe verleiht, macht es zugleich zu einer gesunden Kost: Senföle, die sich unter der Schale befinden und beim Anbeißen oder Anschneiden frei werden.

Die Heilkraft von Radieschen

Diese ätherischen Öle wirken nicht nur antibakteriell, sie sorgen auch für freie Atemwege. Wer bei Husten und Schnupfen also zu einem Bund Radieschen greift, ist mit dieser pikanten Schonkost auf dem richtigen Weg. Den Rest erledigt die kräftige Portion Vitamin C, die in Radieschen zu finden ist.

Radieschen (Bild: Pixabay)
Die ätherischen Öle von Radieschen wirken nicht nur antibakteriell, sie sorgen auch für freie Atemwege.

Die Volksmedizin kennt sie zudem als unterstützendes Heilmittel bei Rheuma, bei Leber- und Gallensteinleiden.

GUT ZU WISSEN

  • Als Faustregel gilt: Radieschen, die unter freiem Himmel gezogen werden, schmecken meist schärfer als Radieschen aus dem Glashaus. Das liegt daran, dass sie draußen eine höhere Konzentration an ätherischen Ölen entwickeln, die für ihre Schärfe zuständig sind. 
  • Je größer und reifer ein Radieschen, desto größer ist auch die Gefahr, dass es innen holzig oder pelzig ist. Ein Test gibt darüber Aufschluss: Radieschenknolle zwischen zwei Fingern zusammendrücken. Gibt sie nach, ist sie schon pelzig. 
  • Am besten bewahrt man Radieschen in ein feuchtes Tuch eingeschlagen auf. Dann sind sie im Kühlschrank zwei bis drei Tage haltbar. Die Blätter dreht man vorher ab. 

So gesund ist es, Radieschen zu essen

Ohnehin gibt es kaum etwas Köstlicheres als ein mit Radieschenscheiben belegtes Butterbrot. Wobei wir gleich bei einer ganz zentralen Einsicht wären: Radieschen isst man am besten roh – als Ganzes zur Jause, aufgeschnitten in Salaten, aufs Brot oder geraspelt und mit etwas Essig und Öl mariniert.

Man kann sie auch im Ganzen und mitsamt den Blättern frittieren und als ungewöhnliche Gemüsebeilage servieren, aber eigentlich hieße das, gegen die Natur eines Radieschens vorzugehen. Kurzum: Die Radieschenbraterei hat vielleicht nur begrenzten Mehrwert, ist aber in jedem Fall ein kulinarisches Experiment wert. Das Tolle am Radieschen ist nämlich das Reinbeißen in sein knackiges, frisches Fleisch.

Hier geht‘s zu einem Rezept aus dem Servus-Magazin für Radieschensuppe.

Radieschen sind nicht immer rot

Das Innere des Radieschens ist so gut wie immer weiß. Sein Äußeres variiert: Die bekannten Klassiker sind rosarotschalige Sorten. Es gibt aber auch gelbe, graue, scharlachrote, weiße, violette, schwarze und sogar zweifärbige Radieschen. Manche sind klein, rund und kaum größer als eine kleine Murmel, andere oval und länglich, wieder andere sehen aus wie kleine Eiszapfen.

Dieses Radieschen mag der Wiener

Ein Gigant unter den Radieschen und eine echte Rarität ist der rote, butterzarte „Riese von Aspern“, eine vermutlich über hundert Jahre alte Sorte aus dem Wiener und ostösterreichischen Raum. Er misst beträchtliche sechs Zentimeter im Durchmesser, ist besonders schnellwüchsig und wie alle wirklich großknolligen Radieschen, die früher für Wien und Umgebung so typisch waren, ein ziemlich seltener Anblick geworden.

Der Unterschied zwischen Radieschen und Rettich

Der größte Unterschied zwischen den so engen Verwandten Radieschen und Rettich ist jener, dass Radieschen eine deutlich kürzere Reifeperiode haben. Schon drei bis fünf Wochen nach der Aussaat kann man die ersten Knollen aus dem Boden ziehen.

Radieschen (Bild: Pixabay)

So ähnlich sind Radieschen dem Spinat

Viel zu wenig bekannt ist, dass auch Radieschenkeimlinge und ganz frische Radieschenblätter beste Verwendung in der Küche finden können. Wie Kresse aufs Butterbrot oder über Salate gestreut, sorgen die Keimlinge für milde Würze, während sich die frischen grünen Blätter wie Blattspinat zubereiten lassen – Letzteres kommt natürlich nur für Menschen mit unbeschränktem Zugang zu großen Mengen von erntefrischen Radieschen infrage.