Erithacus rubecula · Familie: Schnäpperverwandte (Muscicapidae)

MERKMALE

Mit etwa 14 cm Länge ist das Rotkehlchen ein eher kleiner Geselle. Geschlechtsunterschiede im Gefieder existieren nicht. Eine markante orangerote Färbung zieht sich von der Stirn zur Brust. Der Rücken ist grau bis olivfarben, der Bauch cremig weiß.

Nest: häufig in Bodenlöchern unter Wurzeln oder Büschen, selten auch in Baumhöhlen, Nischen und Nistkästen
Eier: 4 bis 6 Stück, ca. 2 cm lang, gelblich mit Rostflecken Brutverhalten: 2 Bruten; Brutdauer 12 bis 15 Tage; das Weibchen baut und brütet, Männchen füttert mit; Saisonehe

LEBENSWEISE 

In unseren Breiten sind Rotkehlchen überwiegend Zugvögel, wobei im Winter auch Gäste aus dem Norden bei uns zu finden sind. Noch im 19. Jahrhundert waren sie Vögel des Waldes.

Dort sind sie heute noch anzutreffen, wenn sie den Spuren von Wildschweinen folgen und in der aufgewühlten Erde nach Würmern und Insekten suchen. Vor allem in Westeuropa sind sie heute auch Kulturfolger, wobei der gärtnernde Mensch die Rolle des Wildschweins übernimmt.

Rotkehlchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten, das auch an Futterhäuschen bemerkbar wird; Kämpfe unter männlichen Rivalen können sogar tödlich enden.

Obwohl sie sehr beherzt und dem Menschen gegenüber recht zutraulich sind, ist an ihnen ein ungewöhnliches Phänomen zu beobachten: Sie neigen zur Schreckmauser und stoßen bei Gefahr Steuerfedern ab.

GESANG

Schnickern und Tixen nennt man die Erregungsrufe des Rotkehlchens. Des Weiteren ist es ein begabter Sänger; bei einzelnen Tieren sind bis zu 275 Motive nachzuweisen. Gerne werden auch andere Vögel imitiert. Rotkehlchen singen selbst in der Nacht – besonders bei Vollmond.

VOLKSTÜMLICHE NAMEN

Ein altes alemannisches Wort für das Rotkehlchen lautet Rötele. Darüber hinaus gibt es für den stark mit mythischer Bedeutung versehenen Vogel vor allem einen regional übergreifenden Ausdruck: Rotkröpfel.

WISSENSWERTES 

Seit der Antike ist das Rotkehlchen eng mit den Vorstellungswelten des Menschen verbunden. Es war ein Symbol für Sonne, Feuer und Blitz. In England wurde es sogar zum heimlichen Nationalvogel und mit Weihnachten in Verbindung gebracht.

Einer christlichen Legende zufolge linderte es Jesu Schmerzen am Kreuz durch seinen Gesang. Dabei soll ein Tropfen vom Blut Christi auf seine Brust gefallen sein.

In der Wissenschaft wurde an Rotkehlchen die Plausibilität des umstrittenen Magnetsinns erforscht, weil es sich auch unter völlig isolierten Laborbedingungen gut orientieren kann.