Ob Meise, Amsel, Rotkehlchen oder Zaunkönig – in der kalten Jahreszeit brauchen unsere gefiederten Freunde UnterstĂŒtzung, um zu ĂŒberleben.

Soll man Vögel im Winter fĂŒttern? Viele sind der Meinung, dass unsere gefiederten Freunde auch in der kalten Jahreszeit genug Futter finden, sofern die Schneedecke nicht geschlossen ist. Doch das stimmt nicht. Zumindest stimmt es nicht mehr.

Richtig Vögel fĂŒttern: Haussperling (Bild: Mauritius Images)
Haussperling

Durch intensive landwirtschaftliche Nutzung, manikĂŒrte GĂ€rten und immer weniger naturbelassene FlĂ€chen fehlen Wildvögeln natĂŒrliche Nahrungsquellen und NistplĂ€tze. ZufĂŒtterung ist daher lĂ€ngst keine Glaubensfrage mehr, sondern ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt und Wiederaufbau der Artenvielfalt. Ganz abgesehen davon ist das Beobachten des Treibens rund ums VogelhĂ€uschen der beste Naturkundeunterricht.

1. Vom richtigen Zeitpunkt

Richtig Vögel fĂŒttern: Vogelhaus (Bild: Brigitte Baldrian)

Ein meisengroßer Vogel verliert in nur einer Winternacht rund zehn Prozent seines Körpergewichts. Er verbrennt Energie, um Stoffwechsel und Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Will er ĂŒberleben, muss dieser Verlust binnen Stunden ausgeglichen werden. Und das schafft der Vogel nur, wenn er schon frĂŒhmorgens hochwertige Nahrung findet.

Kennt er jedoch keine Futterstelle in der NĂ€he oder hat er das Vertrauen in sie verloren, weil dort nicht tĂ€glich Körner warten, verbringt er lange Zeit mit energieraubendem Suchen. Am besten gewöhnt man die Vögel deshalb schon im SpĂ€tsommer an das FutterhĂ€uschen. Wer das versĂ€umt hat, kann aber auch jetzt noch mit dem FĂŒttern anfangen.

Nur eines darf man keinesfalls tun: mit der FĂŒtterung aussetzen, weil etwa Tauwetter herrscht oder man auf Urlaub geht. Das bringt die Tiere in Lebensgefahr.

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2. Die Futterstelle

Richtig Vögel fĂŒttern: Vogelhaus mit Kohlmeisen (Bild: Mauritius Images)
Kohlmeisen

Optimal ist eine Kombination aus Vogelhaus, sĂ€ulenartigen Futtersilos und Erdnussspendern mit Außengitter sowie Fettknödeln. Außerdem sollte man – sofern ausreichend Platz vorhanden ist – auch BodenfĂŒtterung anbieten, weil viele Vogelarten, wie etwa Lerchen, ihre Nahrung nur am Grund aufnehmen.

3. Das braucht ein (mÀusefreies) Vogelhaus

Richtig Vögel fĂŒttern: Vogelhaus und Meisenknödel (Bild: Mauritius Images)

Beim Kauf oder beim Zimmern eines VogelhĂ€uschens gilt es folgende Punkte zu beachten: Damit die Vögel sich nicht in die Quere kommen, sollte die GrundflĂ€che mindestens einen Viertelquadratmeter messen. Um die Körner vor Schnee und Regen und damit Schimmelbildung zu schĂŒtzen, muss das Dach ausreichend weit ĂŒberstehen. Im zentralen Bereich ist ein Abstand von mehr als 30 Zentimetern zwischen Dach und Futterbrett ideal, dann trauen sich auch zögerliche Vögel hinein.

Frei stehende HĂ€uschen bringt man ca. eineinhalb Meter ĂŒber dem Boden an, am besten auf einem glatten Metallrohr, damit MĂ€use nicht hinaufklettern können.

4. FĂŒr jeden Geschmack etwas anbieten

Richtig Vögel fĂŒttern: Vogelhaus (Bild: Mauritius Images)

Selbst wenn zur Futterstelle nur GrĂŒnling, Amsel, Rotkehlchen, Kohl- und Blaumeise kommen – jede Vogelart hat andere NahrungsbedĂŒrfnisse. Daher setzt man fĂŒr die Körnerfresser am besten auf Streufutter mit einem hohen Anteil an Sonnenblumenkernen, ErdnĂŒssen, Hanf und Getreide. Weiters sollten Sie Fettfutter mit Hafer- und Weizenflocken anbieten und Meisenknödel fĂŒr die Weichfutterfresser. ApfelstĂŒcke sind ein gutes Zusatzfutter. Tabu sind Essensreste.

5. Vogelfutter selbst herstellen

Richtig Vögel fĂŒttern: Blaumeise mit Futterring (Bild: Mauritius Images)
Blaumeise

Fettfutter kann man leicht selbst herstellen: DafĂŒr lĂ€sst man Rindertalg vom Fleischhauer in einem Topf flĂŒssig werden und rĂŒhrt dieselbe Gewichtsmenge Weizenkleie sowie ein paar Sonnenblumenkerne, Haferflocken, gehackte NĂŒsse, Rosinen und Hanf dazu. Etwas Sonnenblumenöl verhindert, dass das Futter bei Frost zu hart wird.

Die Masse kann man in die HohlrĂ€ume zwischen den Schuppen von trockenen Kiefern- oder Fichtenzapfen geben oder in KokosnusshĂ€lften und Blumentöpfe fĂŒllen und diese kopfĂŒber an die Zweige hĂ€ngen. Oder aber man streicht sie in die Baumrinde – so haben etwa Spechte leichten Zugang.

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6. Auf die Hygiene achten

Richtig Vögel fĂŒttern: Vogelvilla (Bild: Angelika Jakob)

Halten Sie die Futterstelle durch regelmĂ€ĂŸiges Wechseln des Einlegepapiers sauber. Ansonsten genĂŒgt es, das HĂ€uschen einmal pro Woche auszukratzen und mit kochendem Wasser auszuwaschen. Ein Desinfektionsmittel braucht es nicht, es verunreinigt nur das Futter. Um sich beim Putzen vor Salmonellen zu schĂŒtzen, sollte man Gummihandschuhe tragen.

7. FĂŒtter-Ausnahme: Wasservögel

Enten, BlesshĂŒhner und SchwĂ€ne sollte man nicht fĂŒttern. Sie finden auch im Winter genĂŒgend Nahrung. Entstehen dennoch EngpĂ€sse, ziehen die schnellen Flieger einfach um. Allein wenn GewĂ€sser ganz zufrieren – was nur in Jahrhundertwintern vorkommt –, brauchen sie menschliche Hilfe.

8. Nicht aufhören, wenn es taut

Richtig Vögel fĂŒttern: VogelhĂ€user (Bild: Bernhard Huber)

Das Nahrungsangebot fĂŒr Vögel ist durch die moderne Landwirtschaft auch im Sommer enorm geschrumpft: Der RĂŒckgang an Heuschrecken liegt bei 90 Prozent, bei Pflanzensamen mancherorts sogar bei fast 100 Prozent. Viele Experten sprechen sich daher fĂŒr eine GanzjahresfĂŒtterung aus. Die Vögel brĂŒten dann frĂŒher, legen mehr Eier, bringen mehr Junge durch.

Laut Studien haben sich die Bedenken, sie könnten „bequem“ werden, keine SchĂ€dlinge mehr fangen oder ihren Nachwuchs mit falschem Futter vom Vogelhaus versorgen, als unbegrĂŒndet erwiesen.

9. Der vogelfreundliche Garten

Ein naturnaher Garten kann das ZufĂŒttern nicht ersetzen – selbst 500 ökologisch mustergĂŒltige Quadratmeter bringen kaum den Samen-Jahresbedarf von drei GrĂŒnlingen hervor. Eine GrĂŒnoase mit NistkĂ€sten, (Obst-)BĂ€umen, (Beeren-)StrĂ€uchern, Stauden und KrĂ€utern, in der Samentragendes bis ins FrĂŒhjahr stehen bleiben darf, bietet aber mehr Vogelarten und -individuen eine Heimat

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Peter Berthold