Elisabeth und Peter Wainig fertigen in Kritzendorf nach alten Techniken handbemalte Lampenschirme. Plus: ✅ Online-Shop

Die Werkstatt stammt aus dem 14. Jahrhundert und liegt im niederösterreichischen Kritzendorf inmitten denkmalgeschützter Häuser. Ein großzügiger Park grenzt an das Doppelgiebelhaus. Hier lässt es sich leben. Und gut arbeiten. Wir sind bei Elisabeth und Peter Wainig in ihrer Lampenschirm-Manufaktur.

Kunstvolle Lampenschirme

Seit mehr als 25 Jahren fertigt der studierte Betriebswirt gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Lampenschirme. Oft aus Rinderblasen, weil diese das Licht nicht bloß durchscheinen lassen, sondern durch die kreuz und quer verlaufenden Gewebeadern auch angenehm brechen. Bis zu zwölf Rinderblasen werden für einen einzigen Lampenschirm verarbeitet.

Im Innenhof hängen dafür an einer Schnur Dutzende Rinderblasen, zum Trocknen aufgeblasen wie Ballons. „Eigenhändig im Schlachthof ausgesucht, ausgelöst und vom Fett gereinigt“, betont Peter Wainig stolz.

Peter Wainig und seine Rinderblasen (Bild: Petra Kamenar)
Peter Wainig und seine Rinderblasen

So werden aus Rinderblasen Lampenschirme. Vor der Verarbeitung liegen die Rinderblasen tagelang in einem Wasserbad. Sie werden zum Trocken aufgehängt und dann aufgespannt. Hochwertige Rinderblasen stammen ausschließlich von Weidekühen, den Unterschied zu Stallkühen erkennt man sofort an der Faserstärke. Die Blasen von Stieren oder Ochsen sind weniger geeignet, sie sind viel kleiner.

Traditionelle Malkunst

Neben der Rinderblase werden vor allem Seide, Leinen oder Baumwolle, aber auch hitzebeständiges Naturpapier verarbeitet und bemalt.

Die Kunst besteht darin, die Leim- oder Aquarellfarben immer transparent und leuchtend aussehen zu lassen, egal, ob die Lampe brennt oder nicht.

Elisabeth Wainig

Hasen und Fasan lachen ebenso von den Lampenschirmen wie bunte Wappen und detailgetreue Städteansichten. Beim Bemalen der Lampenschirme kommen alte Handwerkstechniken zum Einsatz. „All diese Techniken sind uns über die Jahre regelrecht zugetragen worden. Meist von alten Handwerksbetrieben ohne Nachfolger, die ihr Wissen nicht sterben lassen wollten“, erzählt die Firmenchefin. Ein besonderes Erbstück ist ein alter, handgemalter Katalog aus der Zeit um 1900, der bis heute Vorlagen für Neuanfertigungen und Restaurationen und Reparaturen bietet.

Lampenschirme Wainig (Bild: Petra Kamenar)

Wenn ich einmal einen schlechten Tag erwische, lege ich das Werkstück auch einmal länger zur Seite.

Elisabeth Wainig

Bis zu 20 Arbeitsstunden werden in der Kritzendorfer Werkstatt an einem Lampenschirm gearbeitet. Halbherzige Arbeiten gehen nicht aus dem Haus. Deswegen lässt Elisabeth Wainig auch schon mal die Pinsel liegen, wenn das Malen nicht gut läuft. Das ist auch kein Problem. Schließlich gibt es genügend andere Arbeitsschritte zu tun.