Troglodytes troglodytes · Familie: Zaunkönige (Troglodytidae)

MERKMALE

Der Zaunkönig ist nach dem Goldhähnchen der kleinste Singvogel Europas und misst nur 9 bis 10 cm. Es gibt keine Geschlechtsunterschiede. Arttypisch ist der kurze hochgestellte Schwanz. Das Gefieder ist zur Tarnung unscheinbar braun, wobei die Unterseite heller ist und wellenförmige Maserungen zeigt. Der Schnabel ist lang, dünn und minimal nach unten gebogen.

Nest: gut versteckt in Baumwurzeln, Hecken, Nischen oder dichten Büschen; kugelförmig
Eier: 5 bis 7 Stück, ca. 1,5 cm lang, weiß mit kleinen Rostflecken Brutverhalten: 2 Bruten im Jahr; Brutdauer 13 bis 16 Tage; Männchen baut Wahlnester im Rohbau; beide füttern; Brutehe

LEBENSWEISE 

Die kleinen Singvögel sind zwar Teilzieher, doch harren die meisten in unseren Breiten auch im Winter aus. Wetterextreme können jedoch zu deutlichen Populationsverlusten führen, die sich Jahre später wieder ausgleichen.

Im Winter übernachten Zaunkönige gruppenweise (bis zu 20 Tiere) in Aushöhlungen – oft menschennah in Mauernischen oder Ställen. Ihre bevorzugten Orte sind dichtes Buschwerk und faunareiche Böden, auf denen sie nach wirbellosen Tieren (Insekten, Spinnen, Asseln, Ohrwürmer) suchen; sie lieben auch die Nähe von Gewässern. Samen nehmen sie nur ausnahmsweise.

GESANG

Oft ist man überrascht, wenn man die Quelle eines ungewöhnlich lauten Vogelgesangs geortet hat: Ausgerechnet der kleine Zaunkönig schmettert mit bis zu 90 Dezibel seine vielfältig strukturierten Lieder.

Offenbar tut er das, damit er auch außerhalb dichten Buschwerks zu hören ist. In früheren Jahrhunderten wurde aus seinem Gesang wahrgesagt; er war ein beliebter Käfigvogel.

VOLKSTÜMLICHE NAMEN

Ein König war der Vogel schon in alten Fabeln. Dass er zwischen Zäunen herumschlüpft, wird erst in den Märchen der Brüder Grimm erwähnt. Die meisten regionalen Bezeichnungen nehmen auf sein Biotop Bezug: Zaunschloiferl, Zaunschlupferl, Zaunschliefer, aber auch Kinicherl oder Kinigl.

WISSENSWERTES 

In mehreren Legenden und Sagen wird der Zaunkönig als eine Art trickreicher, frecher Spatz dargestellt – etwa wenn er sich im Gefieder des Adlers versteckt, der gen Himmel steigt, und erst dort oben noch ein Stück höher fliegt als der Raubvogel es vermag, um sich zum König der Vögel zu küren.

In der Literatur spielt er in mehreren Dramen Shakespeares eine Rolle. Und seit der Antike, später auch durch Hildegard von Bingen, wurden ihm Heilkräfte zugesprochen – eingesalzen oder als Asche verschiedenen Wunderkräutern beigemengt.