Warum die Birne hier vielen Menschen zur Inspiration wurde, wo Pfeifen geschnitzt werden und wo man im Troadkasten nächtigen kann – Sehenswürdigkeiten im Mostviertel.

Als riesiger Garten lässt sich der westliche Teil des Mostviertels in Niederösterreich beschreiben. Während andernorts noch Schnee auf Wipfeln und Gipfeln liegt, verwandelt die Blüte von rund 300.000 Birnbäumen Ende April, Anfang Mai das größte geschlossene Obstbaumgebiet Europas in einen weißen Traum. Der Dank dafür gebührt zum einen dem milden Klima, zum anderen den Menschen, die sich zwischen Donau und Ötscher (wieder) dem vergorenen Birnensaft verschrieben haben. Ein einzigartiges Unterfangen, denn in allen anderen Mostregionen dominiert der Apfel. Besonders schön erkunden lässt sich die Region, die als die „Wiege“ des heutigen Österreich gilt, wenn man der 200 Kilometer langen Moststraße folgt, die sich durch das sanfte Hügelland schlängelt – vorbei an ehrwürdigen Baumzeilen, malerischen Dörfern, prächtigen Vierkantbauernhöfen, imposanten Stiften und zahlreichen Genuss-Stationen.

1. Wo der Birnen-Dessertwein Mostello erfunden wurde

Bild: Philip Platzer
Der Dessertwein Mostello wird nach der Portwein-Methode ausgebaut. Erfunden hat ihn Mostbaron Josef Farthofer – im Bild mit seiner Frau Doris, der Mostsommelière. (Bild: Philip Platzer)

Doris Farthofer, ihres Zeichens Mostsommelière, führt gern in die Geheimnisse der Mostverkostung ein. In der Mostelleria, einem historischen Kellerhaus in Oed-Öhling, offeriert sie gemeinsam mit ihrem Mann Josef – Mostbaron und Erfinder des Birnen-Dessertweins Mostello – mehr als 30 verschiedene Sorten an biologischen Schnäpsen und Likören sowie andere Mostviertler Spezialitäten. Farthofers Wodka wurde übrigens bei der International Wine & Spirit Competition zum besten Wodka der Welt gekürt.

Mostelleria
Öhling 35
3362 Öhling

Tel.: +43/7475/536 74
www.mostelleria.at

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2. Der Mann, der dem Mostviertel einen Whiskey entlockte

Bild: Philip Platzer
Georg Hiebl ist vielfach ausgezeichneter Edelbrenner und bringt fast jedes Naturprodukt, das sich zum Brennen eignet, ins Glas. (Bild: Philip Platzer)

Mehr als 100 verschiedene Edelbrände und Liköre hat Georg Hiebl aus der Stadt Haag im Sortiment. Immer wieder überrascht er mit Ausgefallenem wie Bränden aus Südfrüchten, Paradeisern, roten Rüben oder mit Neuigkeiten wie dem Steinpilzgeist, dem Schoko-Chili-Likör und dem Kokos-Ananas-Likör. Aus seiner Brennerei stammen außerdem der erste Mostviertler Whiskey, Rum und Wodka.

Destillerie Georg Hiebl
Reichhub 44
3350 Haag

Tel.: +43/7434/421 14
www.die-schnapsidee.at

3. Mostviertler Köstlichkeiten genießen

Bild: Philip Platzer
Leopold Reikersdorfer lässt auf seinem Hof in Greinöd das alte Handwerk des Dörrens wieder aufleben. (Bild: Philip Platzer)

Die Familie Reikersdorfer betreibt nicht nur einen wunderschön gelegenen Mostheurigen, Hausherr Leopold hat sich auch auf die Veredelung von Birnen, Äpfeln und Zwetschken spezialisiert. So findet man im Hofladen ein großes Sortiment an Mostviertler Köstlichkeiten: von Dörrobst über Essig und Brände bis hin zu Birnenriegeln mit Schokolade.

Reikersdorfer
Greinöd 1
3364 Neuhofen an der Ybbs

Tel.: +43/7475/564 81
www.mosti.at

4. Pfeifen aus Birnenholz

Bild: Philip Platzer
Wo gehobelt wird, da fallen Späne. So auch bei Christoph Stiegler aus Öhling. Gut 80 Arbeitsstunden braucht der Pfeifenmacher für ein Exemplar. (Bild: Philip Platzer)

Christoph Stiegler fertigt Pfeifen im Einklang mit der Natur und macht sie unter anderem aus Mostviertler Birnenholz, das dem Tabak eine süßlich-mostige Note verleiht. Passionierte Pfeifenraucher können bei ihm auch in ein- oder zweitägigen Kursen ihr eigenes Modell herstellen.

Werkstatt Christoph Stiegler
Graben 29
3362 Öhling

Tel.: +43/664/307 33 60
www.c-stiegler.at

5. Besuch im Mostviertler Bauernmuseum

Bild: Philip Platzer
Mostpionier Anton Distelberger hat in seinem Museum über 18.000 Exponate bäuerlichen Alltagslebens zusammengetragen – unter anderem eine ganze Greißlerei. (Bild: Philip Platzer)

Toni Distelberger senior hat im Laufe seines Lebens 18.000 Exponate rund um die Mostviertler Kultur-, Arbeits- und Wohnwelt gesammelt. So ist die größte volkskundliche Privatsammlung Österreichs entstanden. Gleich nebenan kann man im Mostheurigen von Distelberger junior einkehren.

Genussbauernhof
Mostviertler Bauernmuseum
Gigerreith 39
3300 Amstetten

Tel.: +43/7479/73 34-1
www.distelberger.at

6. Übernachten im jahrhundertealten Troadkasten

Auf einer Wiese, zwischen Nussbäumen und Blütensträuchern, steht am Nussbaumerhof von Familie Streißlberger ein im Jahre 1746 erbauter Troadkasten. Einige Jahrhunderte hindurch diente er zur Lagerung des hofeigenen Getreides. Seit 2010 lädt er zum Übernachten ein.

Nussbaumerhof
St. Michael – Urltal 67
3352 St. Peter/Au

Tel.: +43/676/575 36-01
www.nussbaumerhof.net

7. Ein Geschenk als erstes Zeugnis Österreichs

Das Mostviertel gilt als die Wiege des heutigen Österreich. Im Jahr 996 schenkte Kaiser Otto III. dem Bischof von Freising 30 Königshufen (etwa 1.000 Hektar Land) in der Gegend von Neuhofen an der Ybbs. In der Schenkungsurkunde scheint erstmals der Name „Ostarrichi“ für diesen Landstrich auf. Ein Faksimile der Geburtsurkunde Österreichs ist im Ostarrichi-Kulturhof in Neuhofen zu sehen.

Ostarrichi Kulturhof
Millenniumsplatz 1
3364 Neuhofen an der Ybbs

Tel.: +43/7475/527 00-40
www.ostarrichi-kulturhof.at

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