Aleix Espargaro und Andrea Iannone kämpften in Spielberg einmal mehr mit stumpfen Waffen. Aprilia von Woche zu Woche weiter weg von den Gegnern.

Für Aprilia ist es in dieser MotoGP-Saison generell nicht leicht, in die Top 10 vorzudringen. Doch so weit weg wie in Spielberg war man bis dato selten. Im Qualifying kamen Aleix Espargaro und Andrea Iannone nicht über die Startplätze 18 und 19 hinaus. Am Rennsonntag reichte es dann auch nur für Espargaro zu einem Punkte-Rang. Er wurde Vierzehnter.

„Es war ein Albtraum, ein Wochenende zum Vergessen“, bekundet der Spanier nach dem Großen Preis von Österreich. „Wir hatten nie den Speed. Das Schlimmste war, wie weit weg wir von den Top-Leuten waren. Ich hatte das ganze Wochenende über zu kämpfen, nur zu kämpfen. Im Rennen habe ich alles versucht, um keine Fehler zu machen und ans Limit des Motorrads zu gehen. Kurve für Kurve, Runde für Runde.“

Am Ende war Platz 14 trotz aller Bemühungen das Maximum. Dafür gab es mehrere Gründe. „Ich hatte einen guten Start, in Kurve 3 kam es dann aber zum Kontakt. Trotzdem lag in den Top 12, nachdem ein paar Fahrer kollidiert waren. Dann steckte ich aber auf einmal im zweiten Gang fest und hatte fast keine Leistung. Da habe ich viel verloren“, erklärt Espargaro.

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Aprilia: Konkurrenz hat viel mehr Traktion

„Aber wie auch immer, ich denke nicht, dass sich viel geändert hat. Uns fehlte schlichtweg die Pace. Die einzigen Fahrer, die ich überholen konnte, waren (Stefan) Bradl, Iannone und Karel (Abraham; Anm. d. R.). Ich hatte zwei, drei Sekunden Rückstand auf sie, konnte aber aufschließen und vorbeigehen. Doch an (Johann) Zarco, (Takaaki) Nakagami und den Rest kam ich nicht heran.“

Im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz hält der Spanier fest: „Auf der Bremse war ich viel stärker als Stefan. Viel konkurrenzfähiger. Aber er hatte mehr Traktion. Der Unterschied zwischen uns und der Honda ist riesig, wenn es um die Traktion geht. Das war schon frustrierend. Denn ich kämpfte in jeder Kurve auf der Bremse, war absolut am Limit. Aber es reichte nicht.“

Dabei fühlte sich Espargaro mit seiner Reifenwahl deutlich besser als noch zuletzt in Brünn. „Ich habe versucht, viel auf der Bremse gutzumachen, und mich vorne für den harten Reifen entschieden. Das war richtig“, erklärt er. „Der (weiche) Hinterreifen funktionierte bis fünf Runden vor Schluss gut, dann bekam ich Spinning-Probleme. In Brünn war es aber ein Fehler, den Medium-Reifen zu nehmen.“

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Aprilia: Lücke zu Gegner „wird immer größer“

„Damals habe habe ich zu viel über die zweite Rennhälfte nachgedacht. Hier konnte ich mit dem weichen Reifen die maximale Pace mit unserem Motorrad auf dieser Strecke halten. Es war die richtige Entscheidung.“ Dennoch gibt die RS-GP aktuell eben nicht mehr her. Und Espargaro hat nicht die Hoffnung, dass sich das in naher Zukunft ändern wird.

„Wir haben im Moment nichts, um das Motorrad zu verbessern, nichts Neues. Und es sieht so aus, dass sich unsere Gegner im Vergleich merklich gesteigert haben. Deshalb scheint die Lücke immer größer zu werden. Zudem lag uns diese Strecke hier nicht so sehr. Ich hoffe, dass wir in Silverstone etwas näher kommen können. Ich werde wie immer mein Bestes geben und ans Limit gehen, um die schnellste Aprilia zu sein.“

Als größtes Problem des Motorrads macht der 30-Jährige die Kurven aus. „Wir haben extrem viel Chattering“, sagt er. Traktion und Beschleunigung seien ein Albtraum: „Wenn wir anderen folgen, sind deren Kurvenspeed und Beschleunigung auf einem ganz anderen Niveau. Das ist wirklich frustrierend.“ Aus dem Fakt, auf seiner Maschine der Schnellste zu sein, kann er nur bedingt Trost ziehen.

Revolution 2020? Für Espargaro ist sie bitternötig

„Ein anderer in meiner Position wäre vielleicht zufrieden, weil er sagen kann, er ist der schnellste Aprilia-Fahrer auf der Strecke. Und mein Teamkollege ist ein guter Fahrer. Damit muss ich zufrieden sein. Aber für mich spielt das keine Rolle. Ich kämpfe nicht gegen die zweite Aprilia, ich kämpfe gegen die anderen 20 Fahrer und bin hier fast Letzter geworden. Das kann mich nicht glücklich machen“, betont Espargaro.

Angesprochen auf die von Romano Albesiano für 2020 angekündigte Revolution sagt er: „Revolution heißt, dass es viele Veränderungen geben wird. Er hat Recht, wenn er sagt, dass wir eine Revolution brauchen. Denn wir verlieren immer mehr den Anschluss zu unseren Gegnern. Bei den Rundenzeiten sind wir jedes Mal weiter weg. Die Revolution betrifft viele Teile am Motorrad und ich hoffe, sie kommt bald.“

Defekt bei Iannone verhindert Fahrt in die Punkte

Espargaros Teamkollege Iannone wurde am Sonntag in Spielberg einmal mehr Letzter. Er musste sich auf der Schlussrunde sogar vom Spitzenduo überrunden lassen. Grund dafür war aber ein technischer Defekt. Denn die Benzinpumpe streikte, sodass Iannone in der Schlussphase nur noch versuchte, überhaupt ins Ziel zu kommen.

„Ich hätte ein paar Punkte sammeln können, denn ich kämpfte mit Aleix und Bradl. Das Potenzial, vor den beiden ins Ziel zu kommen, war da“, ist er überzeugt. Insofern ist der Aprilia-Pilot mit seiner Leistung insgesamt zufrieden: „Während des Wochenendes bin ich gut gefahren. Auch wenn mir klar ist, dass das Endergebnis zu wünschen übrig lässt. Für mich ist es wichtig, mein Bestes zu geben. Und das habe ich getan.“

„Am Ende konnten wir das Wochenende zwar nicht so abschließen, wie wir uns das erhofft hatten. Aber wir sind wieder um eine Erfahrung reicher. Ich denke, es wird deutlich, dass Aprilia noch mehr tun muss mit Blick auf die Zukunft“, sagt Iannone weiter. Der Italiener wünscht sich mehr Drehmoment und generell „viel mehr Leistung“.

An beidem fehlte es 2016, als Iannone in Spielberg mit Ducati zum Sieg fuhr, freilich nicht. „Und meine schnellste Runde war damals nicht weit weg von Marcs Runde am Samstag“, zieht er den Vergleich. „Klar ist das hart. Aber die Situation ist, wie sie ist. Und ich arbeite jeden Tag daran, mich zu verbessern. Aber ich bin auch glücklich, weil ich spüre, dass meine Fahrt auf der Aprilia besser ist als noch am Anfang.“