Die Freitags-Bilanz von Marc Marquez in Aragon wurde nur durch seinen Sturz im zweiten Freien Training getrübt – und selbst der diente einem höheren Zweck.

Im ersten Freien Training von Aragon haushoch überlegen, war Honda-Pilot Marc Marquez auch am Nachmittag drauf und dran, der MotoGP-Konkurrenz davon zu fahren. Bis ihn ein Crash stoppte. „Die Strategie, die wir hatten, war bis zum Sturz perfekt. Ich erreichte früh das Limit, weil ich mich gut fühlte“, bekundete der Spanier.

Diesem Gefühl ließ Marquez Taten folgen und distanzierte den Rest des Feldes in der Morgen-Session gleich mal um 1,6 Sekunden. „Wir kamen von zwei komplizierten Rennstrecken wie Silverstone und Misano. Aber hier geht alles ziemlich einfach“, kommentiert der WM-Leader seine starke Form auf einer seiner spanischen Heimstrecken.

„Hier fahren wir linksrum und das Layout liegt mir. Ich ging raus und fand sofort die richtigen Linien, die richtigen Bremspunkte. Im dritten Run gelang mir dann eine gute Zeitattacke. Abgesehen davon weiß ich nicht, warum ich hier so schnell bin, aber es gefällt mir. Und wenn man sich schon am Morgen bereit fühlt, warum dann warten.“

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Marquez versichert: Es geht noch schneller

So entschied sich Marquez anders als sonst bereits im ersten Training für einen Angriff auf weichen Reifen: „Es war eine sehr gute Runde. Und das, obwohl es so früh am Wochenende oft schwer ist, die Bremspunkte zu verstehen. Ich glaube daher, es geht noch besser. Ich konnte auch etwas von Oliveiras Windschatten profitieren.“

Am Nachmittag konzentrierte sich der 26-Jährige auf verschiedene Reifenkombinationen und evaluierte unter anderem den harten Vorderreifen, den er oft im Rennen einsetzt. Mit ihm passierte schließlich auch der Sturz in Kurve 8. Es war ein harmloser Vorderrad-Rutscher, der Marquez genau das aufzeigte, was er suchte: Das Limit.

„Das Team und ich wussten, dass ich am Nachmittag eine sehr große Chance haben würde, zu stürzen. Warum? Weil ich den harten Vorderreifen ausprobierte“, bestätigt der Honda-Pilot. „Es sieht so aus, als ob die Bedingungen am Sonntag ähnlich wie am Freitag sein werden. Also wollte ich das Risiko lieber Freitag Nachmittag eingehen.“

Kalkuliertes Sturz-Risiko im Training von Aragon

Wie es zum Sturz kam, analysiert Marquez so: „Mit dem harten Vorderreifen hast du etwas weniger Grip auf der Flanke. Und dann berührte ich ein wenig die weiße Linie. Da klappte mir das Vorderrad ein. Aber genau das hatte ich mit dem Team besprochen: Ich ziehe es vor, solche Warnungen im Training statt im Rennen zu bekommen.“

Nach dem Crash ging der WM-Leader mit seinem Zweitbike zwar noch einmal auf die Strecke, konnte sich aber nicht mehr steigern und beendete das zweite Training schließlich als Vierter. Seine Bestzeit vom Morgen blieb von der Konkurrenz unangetastet. Yamaha-Pilot Maverick Vinales, Schnellster am Nachmittag, fehlten 1,145 Sekunden.

Und auch Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha), in Misano noch ärgster Rivale von Marquez, konnte dessen Tempo diesmal nicht mitgehen. Trotzdem bleibt der Spanier zurückhaltend: „Ich habe die Erfahrung von Austin, wo es am Donnerstag so schien, als hätte ich das Rennen schon gewonnen, und ich am Sonntag allein gestürzt bin.“