Dass Augusto Fernandez in Misano straffrei davonkam, kann MotoGP-Pilot Marc Marquez nicht nachvollziehen – und fordert von der Rennleitung in Zukunft mehr Klarheit.

Auch beim Aragon-Grand-Prix schlägt der Moto2-Rennsieg von Augusto Fernandez beim Großen Preis von San Marino am vergangenen Sonntag noch hohe Wellen. Wir erinnern uns: Der Kalex-Pilot hatte sich auf der letzten Runde mit einem aggressiven Manöver an Fabio Di Giannantonio (Speed-up) vorbei gepresst. Dem ging eine Verletzung der Track-Limits voraus.

Der Vorfall war daraufhin von der Rennleitung untersucht, aber ohne Strafe ad acta gelegt worden. Bei der MotoGP-Pressekonferenz am Donnerstag darauf angesprochen, stellte Marc Marquez (Honda) klar, dass er sich ein strengeres Urteil der Regelhüter gewünscht und eine Bestrafung von Fernandez befürwortet hätte.

„Am Ende ist es die Entscheidung der Rennkommissare. Aber ich denke wir werden in der Sicherheitskommission darüber sprechen“, sagt der Honda-Pilot. „Der grüne Bereich liegt außerhalb der Strecke. Und wie ihn Fernandez in diesem Fall genutzt hat, ist nicht fair. Das gilt für ihn genauso wie für jeden anderen Fahrer.“

Marquez sieht unfairen Vorteil bei Fernandez

Und weiter: „Schon bei noch zwei zu fahrenden Runden hat er ausgangs von Kurve 6 das Grün genutzt und dadurch etwas an Boden gewonnen. Wenn man sich diese ‚Joker‘ für das Ende des Rennens aufbewahrt, ist das nicht fair. Das entscheidende Überholmanöver in Kurve 14 hat schon in Kurve 11 begonnen“, analysiert Marquez.

Genau dort, in Kurve 11, war Fernandez deutlich außerhalb der Track-Limits und gewann so womöglich den entscheidenden Schwung für die darauffolgende Attacke. Ein Szenario, dass offenbar auch Marquez für sein Rennen gedanklich durchspielte, nach Rücksprache mit seinem Teammanager und Crew-Chief aber wieder verwarf.

So verrät der Spanier: „Ich habe während des Rennens mit Alberto (Puig) und Santi (Hernandez, Anm. d. Red.) gesprochen und dachte mir schon, dass es ein Kampf mit Vinales oder Quartararo werden würde. Ich sagte: ‚Sie sind sehr schnell in Kurve 11, was wird passieren, wenn ich das Grün berühre und am letzten Bremspunkt attackiere?'“

Piloten fordern eine Klarstellung der Regeln

„Sie antworteten, dass das nicht fair wäre und ich eine Strafe bekommen würde. Dann passierte es in der Moto2 und niemand wurde bestraft. Ich denke, wenn man diese Tür offen lässt, bedeutet das für die Zukunft nichts Gutes. Wir müssen solche Aktionen bestrafen, weil es in der letzten Runde einfach nicht fair ist“, lautet Marquez‘ klares Urteil.

Sein jüngerer Bruder Alex, der in Misano den dritten Platz einfuhr, schließt sich dem an. Und ergänzt: „Wenn sie jetzt allerdings eine neue Regel für die letzte Runde einführen würden, wäre das nicht fair. Ein Fahrer hat es getan. Dann sollten bis zum Ende der Saison auch alle anderen dieses Recht haben. Es ist eine schwierige Situation.“

„Wir haben gesehen, dass einige Fahrer wie Dalla Porta bestraft wurden. Das war sicherlich etwas anderes. Trotzdem müssen sie uns erklären, wie die Regel genau zu verstehen ist“, fordert der Moto2-Pilot die Rennleitung zur Klarstellung auf. Und spricht damit die Drei-Sekunden-Strafe für WM-Leader Lorenzo Dalla Porta in der Moto3 an.

Team von Di Giannantonio legt Berufung ein

Der Spanier hatte die Track-Limits im Verlauf des Rennens mehrfach überschritten, erst eine Warnung und schließlich die Strafe erhalten. Das warf ihn im Klassement auf Platz acht zurück. Auch in der Moto2 schritt die Rennleitung bei einigen Piloten ein, verhängte Verwarnungen und Strafen wie etwa die „Long Lap Penalty“.

Fernandez aber blieb verschont. Er selbst erklärte damals: „Ich habe das Grün berührt. Aber das lag daran, dass ich in Kurve 11 ganz nah an seinem Hinterreifen war, wo es wirklich schnell ist. Ich dachte daran, nach innen oder außen zu gehen, aber innen war es wegen der Schräglage unmöglich. Also ging ich nach außen und berührte das Grün.“

„Wir dürfen drei Mal auf das Grün, bevor es eine Warnung gibt. Das war bei mir nicht der Fall. Insofern ist es aus meiner Sicht o.k.“, argumentierte der Rennsieger. Di Giannantonio sah das naturgemäß etwas anders. „Wenn sich jemand einen Vorteil verschafft, indem er neben die Strecke fährt, ist das nicht in Ordnung.“

Ob es an der betreffenden Stelle Track-Limits gebe oder nicht, sei dabei zweitrangig. „Wenn es außerhalb der Strecke ist, entspricht das aus meiner Sicht nicht den Regeln“, so Di Giannantonio. Wie am Donnerstag von der Rennleitung bestätigt wurde, legte sein Team gegen das Urteil in Misano Berufung ein. Der Fall geht also weiter.

Update vom Donnerstag Abend: Die Berufung wurde abgewiesen. Das Renn-Ergebnis aus Misano mit Fernandez als Sieger und Di Giannantonio als Zweiplatziertem ist damit offiziell. „Nach Anhörung haben die Kommissare entschieden, keine weiteren Maßnahmen zu ergreifen“, heißt es seitens der Dorna. Dass das Thema am Aragon-Wochenende überhaupt noch einmal aufgerollt werden konnte, erklärt man mit „einer Panne bei der Kommunikation in Misano“.