Andrea Dovizioso traut sich aus Startreihe zwei in Jerez einiges zu, weiß aber um die Stärke von Marc Marquez – Danilo Petrucci ärgert sich über späten Quali-Sturz

Mit Startplatz vier befindet sich WM-Leader Andrea Dovizioso beim Großen Preis von Spanien in direkter Schlagdistanz zu Honda-Konkurrent Marc Marquez. Im Jerez-Qualifying am Samstag trennten die beiden nur knapp fünf Hundertstelsekunden. Auf die Pole-Zeit von Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha) waren es 0,138 Sekunden.

War der enge Kurs in Jerez bis dato eine eher schwierige Strecke für Ducati, scheint man in diesem Jahr auch hier Fortschritte gemacht zu haben. Dovizioso erklärt: „Sicherlich hat sich unser Motorrad beim Einlenken verbessert, zumindest etwas. Es ist noch immer unsere Schwäche, aber wir haben uns dort ein wenig verbessert.“

Auch seine Stärken – Beschleunigung, Bremsen, Elektronik – habe Ducati weiter optimieren können. „Ich denke, in den letzten drei Jahren haben die Ingenieure sehr gut gearbeitet“, lobt Dovizioso. „Unser Tempo ist jetzt wirklich, wirklich gut und auch auf dieser Strecke sind wir schnell.“ Ob es allerdings für ganz vorn reicht, weiß er nicht.

Dovizioso erwartet „seltsames Rennen“

„Marc ist wirklich, wirklich stark. Es sieht so aus, als hätten wir ein ähnliches Tempo, aber ich glaube, für ihn ist es etwas einfacher, diese Rundenzeit zu fahren. Der Grip des neuen Asphalts ist gut, vielleicht auch für uns. Wir können in den schnellen Kurven ein hohes Tempo halten. Auch beim Bremsen in den langsamen Kurven sind wir stark.“

Dovizioso gibt zu, dass er erwartet hatte, in Jerez schnell zu sein, aber es sogar noch ein bisschen besser sei. Allerdings ist sich der Ducati-Pilot darüber im Klaren, dass nicht nur Marquez eine starke Rennpace gezeigt hat. Auch ist die Verfolgergruppe nicht weit weg und liegt zudem extrem eng beieinander, wie ein Blick in das Klassement zeigt.

„Wir sind in der ersten Gruppe mit dem Tempo, aber die zweite Gruppe ist um zwei oder drei Zehntel langsamer, sodass der Abstand sehr klein ist. Normalerweise ist Jerez ein seltsames Rennen, es ist heißer und wenn man anderen Fahrern folgt, ist das kritisch für die Temperatur der Reifen“, erklärt Dovizioso die Schwierigkeit.

Später Qualifying-Sturz für Petrucci

Umso wichtiger sei es, dass Rennen in den ersten beiden Reihen zu beginnen. Sein Ducati-Teamkollege Danilo Petrucci hat dieses Ziel verfehlt. Der Italiener fuhr im Qualifying auf Startplatz sieben. Sein Rückstand auf die Spitze betrug 0,329 Sekunden. Seinen Rundenrekord vom Freitag konnte er nicht wiederholen.

„Ich bin zufrieden mit der Pace, aber natürlich nicht mit dem Qualifying-Ergebnis“, hält Petrucci fest, der sich nach den starken Trainings mehr erhofft hatte: „Vielleicht hätte ich ein paar Plätze weiter vorn starten können. Dafür werde ich morgen umso aggressiver starten, um Plätze gutzumachen und um das Podium zu kämpfen.“

Die Quali beendete Petrucci zu allem Übel auch noch mit einem Sturz, und das ausgerechnet nach der Zielflagge. „In dem Moment, als ich die Ziellinie überquerte, lief die Zeit ab. Das war mir aber nicht bewusst, ich griff weiter an und bin gestürzt. Der Sturz war ein schlimmer Fehler“, sagt er, sieht die Schuld aber nicht nur bei sich selbst.

Hoher Reifenverschleiß ein Problem?

„Ich bin mir nicht sicher, was das Problem war. Aber ich hatte recht starke Vibrationen auf meiner letzten fliegenden Runde. In Kurve 10 kam ich noch mit einem kleinen Vorteil an, aber in Kurve 12 wurden die Vibrationen schlimmer. Das Vorderrad blockierte. Das war ein beängstigender Moment“, schildert Petrucci die Situation.

Dass seine Ausgangsposition für das Rennen nicht die beste ist, weiß der Ducati-Pilot. Zumal die erste Kurve 1 in Jerez schnell kommt. „In der dritten Reihe muss man immer einen guten Start machen“, sagt er, „aber eine klare Strategie kann es nicht geben. Man muss sich vorn um mindestens sechs andere Fahrer und auch die dahinter kümmern.“

Hinzu kommt mit Blick auf die Renndistanz die Reifenfrage. „Ich bin mir nicht sicher, ob jeder weiß, wie die Reifen nach 15 Runden aussehen werden. Marquez weiß es. Er ist im vierten Freien Training einen sehr, sehr starken Run mit gebrauchten Reifen gefahren“, analysiert Petrucci ähnlich wie Dovizioso das Kräfteverhältnis.

Den Verschleiß der Reifen schätzt Petrucci als verhältnismäßig hoch ein. Deshalb komme es darauf an, die Pneus in der ersten Rennhälfte so gut wie möglich zu schonen. Der Italiener glaubt, dass die Mehrheit auf hard/hard setzen wird. „Das hängt aber auch von der Temperatur ab. Sie kann vor allem die Wahl des Hinterreifens beeinflussen.“

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