Takeo Yokoyama zieht ein Zwischenfazit von Hondas bisheriger MotoGP-Saison, und gewährt Einblicke in die Entwicklungsarbeit – der Titel mit Marc Marquez hat absolut Vorrang.

Nach zwölf Saison-Rennen steuert Honda-Star Marc Marquez mit großen Schritten auf seinen sechsten MotoGP-Titel zu. Die Gesamtwertung führt der Spanier mit stolzen 78 Punkten vor Ducati-Konkurrent Andrea Dovizioso an. Gegenüber den Italienern hat Honda auch in der Hersteller-Wertung die Nase vorn.

Angesprochen auf ein Zwischenfazit der bisherigen Saison gibt Takeo Yokoyama jedoch zu: „Wir haben gemischte Gefühle.“ Der MotoGP-Projektleiter der Honda Racing Corporation attestiert Marquez „fantastische Arbeit“, kann die Enttäuschung über die Fortschritte von Teamkollege Jorge Lorenzo aber nicht verbergen.

„Auf der anderen Seite der Garage hatte Jorge aufgrund seiner Verletzungen, mit denen er schon in die Winterpause gestartet ist, nicht genug Zeit, um sich mit dem Motorrad vertraut zu machen“, weiß Yokoyama. „Gerade als er begann, sich wohler zu fühlen, passierten leider weitere Stürze und Verletzungen.“

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Yokoyama erkennt „Negativ-Spirale“ bei Lorenzo

Insofern treffe es zu, „dass seine Anpassung länger dauert als erwartet“, sagt der Japaner. Und übt sich in Optimismus: „Ich bin sicher, dass er zurückkehren und schnell sein wird.“ Zuletzt hatte Lorenzo nach seinem Sturz in Assen noch immer Schmerzen, beim Comeback-Rennen in Silverstone wurde er 14.

„Mit Blick auf seinen Fahrstil haben wir damit gerechnet, dass es für ihn nicht einfach werden würde. Hinzu kamen die Verletzungen. Wie schon gesagt: Immer dann, wenn er sich besser fühlte, hatte er Pech. So entsteht eine Negativ-Spirale. Aber wenn man die übersteht, kann es nur besser werden“, hofft Yokoyama.

Was die beiden Kundenfahrer bei LCR-Honda, Cal Crutchlow und Takaaki Nakagami, betrifft, zeigt sich der Projektleiter zufrieden. „Cal stand zwei Mal auf dem Podium. Bei Nakagami kann man sehen, dass er sich jedes Mal verbessert. Er kämpft konstant in den Top 10. Damit sind wir alles in allem glücklich.“

Zu starker Fokus auf Marquez?

Zugpferd und Erfolgsgarant ist und bleibt aber Marquez. Kann das auch ein Nachteil sein? „Wenn man einen Fahrer hat wie Marc, kann es jedem Hersteller passieren, dass die Schwächen des Motorrads nicht so offensichtlich zu Tage treten“, sagt Yokoyama. „Umso wichtiger ist es für uns, mit Marc zu arbeiten.“

„Er hat ein gutes Verständnis für das Motorrad, denn er kennt das Bike seit vielen Jahren und kann bei der Entwicklung eine große Hilfe sein. Er weiß genau, was notwendig ist, um noch schneller zu sein. Das hilft uns, die richtige Richtung einzuschlagen.“ Den Einwand, sich zu sehr auf Marquez zu konzentrieren, lehnt er ab.

So versichert Yokoyama: „Natürlich versuchen wir, das Motorrad auch für Cal zu verbessern. Das Gleiche gilt für Jorge. Wir arbeiten für jeden von ihnen, Marc, Jorge und Cal. Aber tatsächlich passiert es nicht allzu oft, dass sie in ihrem Feedback komplett unterschiedliche Dinge sagen oder verlangen.“

Sollte das der Fall sein, liege die Priorität auf Marquez, räumt der MotoGP-Projektleiter ein. „Denn mit ihm den Titel zu gewinnen hat Vorrang.“ Dafür hat Honda vor allem am Topspeed gearbeitet. „Aber natürlich mit dem Ziel, deshalb nicht an anderer Stelle einzubüßen. Ich glaube, dass uns das gut gelungen ist.“