Weil er die Schwächen des Bikes „umfahren“ kann, ist bei Honda derzeit nur Marc Marquez siegfähig. Um das zu ändern, wird schon am Prototyp für 2020 gefeilt.

Marc Marquez präsentiert sich in dieser MotoGP-Saison in bestechender Form. Nachdem er es mit Ausnahme von Austin bei allen Rennen aufs Podium schaffte, kann er den WM-Titel schon an diesem Wochenende beim Thailand-Grand-Prix perfekt machen. Und betrachtet man, wo seine Honda-Markenkollegen liegen, ringt einem diese Leistung umso mehr Respekt ab.

Denn aktuell ist nur Marquez in der Lage, mit der Honda RC213V zu siegen. Dahinter kommt lange nichts. Cal Crutchlow, im Kundenteam LCR ebenfalls mit dem aktuellen Werks-Bike unterwegs, schaffte es bisher nur zwei Mal aufs Podest. Und Marquez‘ Teamkollege Jorge Lorenzo schafft es seit seiner Verletzung kaum mehr in die Top 15.

Um das zu ändern, wird bereits an der Entwicklung des Prototypen für 2020 gearbeitet. Marquez und Crutchlow testeten schon eine erste Version. Doch der Weltmeister sagt: „Der Prototyp für 2020 war noch zu neu, um darüber zu sprechen. Aber ich vertraue auf Honda. Wir gehen in eine gute Richtung, um das Motorrad für alle fahrbarer zu machen. Und damit auch noch konstanter.“

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Honda-Piloten laut Marquez zu oft im Kiesbett

Auf Schwächen angesprochen, die es auszumerzen gilt, verrät Marquez: „Wir müssen verstehen, warum wir immer noch so viele Probleme mit dem Vorderreifen haben. Wir haben uns in dieser Saison zwar verbessert, aber nicht genug. Schaut man sich die Sturz-Statistik an, bin ich zwar seltener gestürzt als im vergangenen Jahr. Trotzdem sind aber alle Hondas weit vorne. Das müssen wir verbessern.“

Unter den vier Honda-Piloten liegt Crutchlow mit neun Stürzen gleichauf mit Marquez. In der Gesamt-Statistik sind bisher nur fünf Fahrer häufiger gestürzt: Johann Zarco (KTM/13), Jack Miller (Pramac-Ducati/13), Joan Mir (Suzuki/11), Francesco Bagnaia (Pramac-Ducati/10) und Karel Abraham (Avintia-Ducati/10). Takaaki Nakagami kommt auf sieben, Lorenzo auf sechs Stürze.

Darüber hinaus räumt Marquez ein: „Es stimmt, dass das Motorrad körperlich sehr anspruchsvoll ist. Auf eine Runde schnell zu sein, ist nicht das Schwierigste. Über die Renn-Distanz konstant schnell zu sein, ist dagegen ungleich schwieriger. Daran arbeiten wir.“ Die Physis ist auch ein Punkt, den seine Markenkollegen immer wieder ansprechen.

Crutchlow: Marquez in der Entwicklung folgen, aber…

Doch Crutchlow ist zuversichtlich, dass Honda für 2020 daran arbeiten wird. „Ich denke, sie sind sich der Situation voll bewusst. Denn ich bin sicher, dass es das Ziel von Honda ist, jemanden auf den ersten drei Plätzen im Rennen und in der Meisterschaft zu haben. Aber das war im Laufe der Jahre sehr schwierig. Besonders in den letzten Jahren“, weiß der Brite, der seit 2015 in Diensten von Honda steht.

Zwar verstehe er, dass man als Hersteller der Richtung des schnellsten Fahrers – in dem Fall Marquez – folgen müsse. „Aber wenn sie mehr Leute in der Meisterschaft wollen, müssen sie an etwas anderes denken“, mahnt Crutchlow. „Einen anderen Fahrer zu holen, wird nicht helfen. Wenn sie denken, dass es die Fahrer sind, dann liegen sie falsch.“

„Jorge ist fünfmaliger Weltmeister, ich hatte einige gute Rennen, Podeste, ich kann mit dem Motorrad konkurrieren. Dani (Pedrosa, bis 2018 bei Honda, Anm. d. Red.) wurde in der Meisterschaft oft Zweiter. Und in den letzten Jahren hatte er viel mehr zu kämpfen. Ich denke, sie tun das Richtige, indem sie Marc folgen. Unser Feedback ist normalerweise ähnlich. Nur weiß er, wie das Motorrad aktuell zu fahren ist.“

Noch kein großer Unterschied zu 2020er-Prototyp

Trotzdem sei es auch in Marquez‘ Interesse, die RC213V weiterzuentwickeln. „Er ist ein Rennfahrer, kennt die Stärken und Schwächen unseres Bikes und wird versuchen, die Schwachstellen zu verbessern“, betont Crutchlow. Einen großen Unterschied zwischen dem aktuellen und dem 2020er-Bike erkenne er zwar noch nicht. „Aber es sind nur die ersten Schritte“.

Der LCR-Honda-Pilot ist sicher: „Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, wird sich im Winter noch einiges tun. Jetzt fahren wir jede Woche ein Rennen und haben nur ein Wochenende frei. Das macht es viel schwieriger. Aber ich freue mich schon jetzt darauf, was sie gegen Ende der Saison und in Malaysia Anfang nächsten Jahres bringen werden.“