Kenny Roberts jun. blickt auf den letzten WM-Titel von Suzuki zurück: 2000 waren die Voraussetzungen komplett anders – die Japaner hatten mit dem Erfolg nur wenig zu tun.

Suzuki spielt im Spitzenfeld wieder eine Rolle. Der Sieg von Alex Rins in Austin war aber erst der dritte in der MotoGP-Ära. Davor gewann Maverick Vinales in Silverstone 2016 und davor Chris Vermeulen 2007 in Le Mans. Auf WM-Titel müssen die Suzuki-Fans schon sehr lange warten. Nach der Ära von Barry Sheene Mitte der 1970er gewannen Marco Luccinelli und Franco Uncini Anfang der 1980er-Jahre je einen WM-Titel. Dann dauerte es bis 1993, als Kevin Schwantz seine einzige Weltmeisterschaft eroberte.

Am Ende der 500er-Zweitakära gab es die letzten Glanzzeiten. Kenny Roberts jun. wurde 1999 Vizeweltmeister und 2000 Weltmeister. Zum ersten und bisher einzigen Mal trat ein Sohn in die Fußstapfen seines Vater und wurde auch Motorradweltmeister. „Wenn dein Vater ein dreimaliger Weltmeister war, dann ist das dein einziges Ziel“, sagt Roberts jun. bei ‚MotoGP.com‘. „Ob es ein, drei oder fünf WM-Titel sind, ist egal. Man will einfach nur Weltmeister werden.“

Austin: Die Experten-Analyse

Roberts jun. begann seine Karriere im Team seines Vaters. Mit den Dreizylindermotoren der Modenas blieben Spitzenplätze aber aus. Trotzdem verpflichtete Suzuki den US-Amerikaner für die Saison 1999. Es stellte sich sofort als richtiger Schachzug heraus, denn gleich im ersten Rennen in Sepang besiegte Roberts jun. den amtierenden Weltmeister Mick Doohan. Und auch im zweiten Saisonrennen in Suzuka setzte sich Roberts jun. gegen Doohan durch und holte den Sieg.

Chassis und Motor nicht von Suzuki getunt

„Als ich 1999 zu Suzuki kam, machten wir das Motorrad fahrbarer“, blickt Roberts jun. zurück. 1998 hatte Suzuki die Marken-WM ohne Podestplatz auf Platz drei beendet. Der Aufschwung hatte technische Hintergründe. Zu Suzuki wechselte damals auch Warren Willing, ein Techniker vom Team Roberts. Die Suzuki RGV500, mit der Roberts jun. 2000 Weltmeister wurde, hatte nicht viel mit Suzuki zu tun.

Das Chassis wurde damals vom Team Roberts gebaut, während der Motor von Bud Aksland in den USA getunt wurde. Aksland war ein guter Freund und früher Förderer von Kenny Roberts gewesen. Er unterstützte „King Kenny“ in dessen Anfangsjahren in der US-Meisterschaft, bevor er in die Weltmeisterschaft kam. Suzukis Anteil an den Erfolgen um die Jahrtausendwende war somit verhältnismäßig gering. Aktuell betreibt Suzuki ein vollwertiges MotoGP-Engagement.

Zurück zu Kenny Roberts jun. Nach seinen Siegen in den ersten beiden Rennen gewann er 1999 nur noch zwei weitere Male. Es wurde hinter Honda-Star Alex Criville die Vizeweltmeisterschaft. „Für 2000 habe ich mir den WM-Titel erwartet, wenn ich keine Fehler mache und normale Rennergebnisse habe. 2000 habe ich mir von Anfang an gedacht, dass das meine Weltmeisterschaft ist. Ich habe der Presse gesagt, dass es klappen wird, wenn ich meinen Job mache.“

Youngster Rossi entwickelt sich als hartnäckiger Verfolger

Roberts jun. wusste, dass es seine große Chance war, denn Mick Doohan hatte seine Karriere beendet und Valentino Rossi fuhr erst seine erste 500er-Saison. Gleichzeitig hatte Titelverteidiger Criville ein schwieriges Jahr und Max Biaggi erlebte mit der Yamaha auch keine einfache Zeit. Roberts jun. zeigte eine konstante Saison. Er gewann drei der ersten sieben Rennen. Dann folgte in Assen sein einziger Ausfall.

Weitere Siege bleiben aus, doch Roberts jun. stand konstant auf dem Podest und erhöhte seinen Punktestand kontinuierlich. „Im Laufe der Saison wurde es dann immer schwieriger und schwieriger, konkurrenzfähig zu sein. Gleichzeitig hatte ich den Druck, dass das meine einzige Chance sein würde, falls Suzuki nicht über den nächsten Winter etwas Großartiges machen würde.“ Im neunten Saisonrennen eroberte Rossi seinen ersten Sieg. Bei wechselhaftem Wetter in Donington setzte sich der Italiener gegen Jeremy McWilliams und Roberts jun. durch.

Rossi entwickelte sich zum schärfsten Verfolger. Trotzdem reichte Roberts jun. beim drittletzten Rennen in Rio de Janeiro ein sechster Platz für den WM-Titel. „In Brasilien war das gesamte Wochenende frustrierend“, erinnert er sich zurück. „Im Training löste sich auf der Geraden der komplette Zylinderkopf vom Motor. Ich hörte diesen ganzen Krach. Das war alles nicht gut. Ich musste nur Sechster werden, aber im Training passierte immer etwas mit dem Motorrad.“

Vorzeitige WM-Entscheidung in Brasilien

„Vor dem Rennen kam Warren Willing im Warm-up zu mir und sagte, dass das Chassis gebrochen ist. Mit dem zweiten Motorrad konnte ich nicht fahren, weil das Set-up komplett anders war. Ich musste mich also entscheiden, ob wir den Riss im Chassis schweißen, oder ein Loch bohren, damit der Riss nicht größer wurde. Ich entschied mich für das Loch, denn im Zuge der Schweißarbeiten hätte es dann vielleicht ein Problem mit der Elektronik gegeben.“

Roberts jun. startete das entscheidende Rennen vom siebten Startplatz in der zweiten Reihe (damals standen noch vier Fahrer in einer Reihe). Lange drehte er dann an neunter Stelle seine Runden, während sich Rossi bei Rennhalbzeit an die Spitze setzte. Somit wäre die Titelentscheidung verschoben gewesen. Roberts jun. kämpfte aber verbissen weiter und konnte Regis Laconi und Sete Gibernau überholen und bis zum Schluss in Schach halten.

Er kreuzte als Sechster die Ziellinie und war somit Weltmeister des Jahres 2000. Eine Woche nach Brasilien gewann Kenny Roberts jun. den Pazifik-Grand-Prix in Motegi. Es sollte der letzte Sieg seiner Karriere sein. In den folgenden Jahren folgten nur noch fünf Podestplätze. Roberts lag mit seinem Gefühl richtig, denn es ergab sich nach 2000 keine einzige Chance mehr auf einen WM-Titel. Sein jüngerer Bruder Kurtis Roberts fuhr auch einige Rennen erfolglos in der Königsklasse.

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