Intact-Pilot Tom Lüthi glaubt trotz Durststrecke noch an seine WM-Chance: Wie der Schweizer Routinier die Probleme bewertet – und wie er die restliche Moto2-Saison 2019 anlegt.

Seit dem Moto2-Rennen in Barcelona – also seit Mitte Juni – wartet Tom Lüthi auf einen Podestplatz. Seither folgten Rang vier in Assen, Rang fünf auf dem Sachsenring, ein Ausfall in Brünn, Rang sechs in Spielberg und Rang acht in Silverstone. Alex Marquez hat im gleichen Zeitraum zwei Rennen gewonnen und einen zweiten Platz erobert. Dazu kamen zwei Ausfälle.

In der Weltmeisterschaft führt Marquez nach zwölf Rennen 35 Zähler vor Augusto Fernandez, Tom Lüthi und Jorge Navarro, die punktgleich sind. „Klar haben wir eine Chance“, sagt Lüthi im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. „Das ist eine einfache Rechenaufgabe. Es werden noch viele Punkte vergeben, aber in kurzer Zeit. Das ist mir bewusst.“

Inklusive dem Rennen in Misano an diesem Wochenende sind noch sieben Grands Prix zu fahren. Die Schlussphase der Weltmeisterschaft wird nun eingeleitet, denn schon am nächsten Wochenende geht es nach Aragon und anschließend beginnt die Phase mit den vier Übersee-Rennen. „Es ist mir schon sehr wichtig, auf einem hohen Niveau zu starten“, nimmt sich der Schweizer vor.

Tracklap: Onboard mit Alex Hofmann

In Misano durchstarten und Schwung für Übersee mitnehmen

Seine Taktik lautet: „Ich möchte hier in Misano möglichst rankommen und vorne um das Podium mitspielen. Und das dann durchziehen durch die restliche Saison.“ Lüthi will Momentum aufnehmen und diesen Schwung dann zu den weiteren Rennen mitnehmen. „Richtig. Es war jetzt eine kleine Pause, fast wie eine zweite Sommerpause.“

„Und jetzt geht es richtig los in die Endphase, Schlag auf Schlag. Diesen Schwung mitnehmen, ist jetzt sehr wichtig. Wenn uns das gelingt, dann ist alles möglich.“ Denn mit Motegi, Phillip Island und Sepang folgen Strecken, auf denen Lüthi schon gewonnen hat. „Klar, die Strecken mag ich. Aber es ist auch die ganze Übersee-Serie. Wir sind weit weg, es ist alles viel ruhiger und der Fokus liegt voll auf dem Fahren. Das brauchen wir jetzt.“

Um wirklich noch eine Chance auf den WM-Titel zu haben, gilt es, die Probleme der vergangenen Monate zu lösen und wieder an die Form vom Saisonbeginn anzuknüpfen. Viel fehlte Lüthi oft nicht, aber es reichte zuletzt eben nicht, um auf dem Podium zu stehen. „Wenn die zwei Zehntel nicht da sind, dann bist du Sechster oder Achter. Das ist eben die Moto2-Klasse. Sie ist brutal ehrlich und hart.“

Warum sind Probleme noch immer nicht gelöst?

Die Umstellung auf den größeren Dunlop-Hinterreifen in Jerez stellte das Intact-Team vor Schwierigkeiten. Aber das war Anfang Mai. Warum hat man das optimale Set-up im Laufe der Monate immer noch nicht gefunden? „Das ist die Frage“, antwortet Lüthi. „Wenn ich die Lösung wüsste, hätten wir es gemacht. Es ist bei der Abstimmung immer ein Kompromiss.“

„Wir versuchen Schritt für Schritt heranzukommen. Es gab Rennwochenenden, wo wir weiter weg waren. Manchmal sind wir näher dran. Wir finden den Weg, aber wir konnten leider nicht eine Schraube verdrehen und plötzlich ist man wieder da. Aber dieser Mix aus der Abstimmung und dem Feeling, um das Motorrad frei fahren zu lassen, ist ein sehr schmaler Grat.“

„Wenn das Feeling zum Vorderreifen nicht ganz da ist, dann kommen Rutscher und vielleicht auch mal ein Sturz. Und dann fehlt das Vertrauen. Dann ist der Fahrer auf dem Motorrad weniger locker. Das verschlimmert die ganze Situation noch. Man wird verkrampfter und versucht es mit Gewalt um die Kurve zu kriegen, aber das funktioniert dann überhaupt nicht. Da entsteht ein Teufelskreis.“

Laut Lüthi ist es das optimale Zusammenspiel zwischen Motorrad und Fahrer: „Man kann es nicht auf eines schieben. Es ist ein Gesamtpaket und wir wissen, dass wir als Gesamtpaket – als Team – funktionieren. Wir haben in diesem Jahr ein Rennen gewonnen und waren mehrmals auf dem Podium. Das zeigt natürlich ganz klar, das wir stark sind. Und das ist gut für uns alle, denn wir wissen, dass wir wieder dorthin kommen können.“

Lüthi kontert: Nicht zu sehr auf Marquez fokussiert

Eine Kritik von Intact-Teamchef Jürgen Lingg war, dass sich Lüthi zu sehr auf Marquez konzentriert hat. „Das würde ich verneinen. Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass es in der Saison noch viel zu früh war, um sich auf einen Gegner zu konzentrieren“, kontert der Schweizer. „Klar, er hat ein Rennen ums andere gewonnen. Das hat schon gezeigt, dass er jetzt einer ist, den man schlagen muss.“

„Aber egal ob einer gewinnt oder verschiedene. Wenn ich nicht dabei bin und weiß, dass wir es schaffen können zusammen, dann werde ich logisch etwas nervös, weil ich wieder vorne hinkommen will. Es ist schlussendlich schwierig, diesen Mittelweg zu finden. Das ganze locker angehen und locker nehmen. Es ist natürlich Druck da, auch persönlicher.“

„Man will halt schon viel erreichen und will es ab und zu erzwingen. Das ist eben schwierig. Es gibt Situationen, wo man es erzwingen muss. Aber auch viele, wo das eigentlich falsch ist. Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass das Problem ein Fokus auf Marquez war“, meint Lüthi. Sieben Rennen hat er noch Zeit, um den Rückstand auf den Spanier wettzumachen und zum zweiten Mal in seiner Karriere Weltmeister zu werden.