Testfahrer Mika Kallio kann sich bei KTM für eine volle Rennsaison 2020 empfehlen. So planen die Österreicher das Test-Team und die langfristige Entwicklung.

Für die Weiterentwicklung des Projekts hat sich KTM dazu entschieden, dass Testfahrer Mika Kallio statt Johann Zarco die Saison 2019 ab Aragon zu Ende fährt. „Mika ist seit dem Projekt-Start 2016 dabei“, hält Teammanager Mike Leitner fest. „Wir wissen, dass er zu 100 Prozent hinter dem Projekt steht.“ Da ohnehin klar war, dass Johann Zarco das Team mit Saisonende verlassen wird, hätte der Franzose im Herbst keine neuen Entwicklungen mehr erhalten.

Abgesehen von der Arbeit für das nächste Jahr gibt es noch einen weiteren Aspekt, warum Kallio eine gute Option ist: „Mika ist einer der Kandidaten für eine volle Saison 2020“, verrät Leitner. Da man nur für das nächste Jahr einen Stammfahrer sucht und es nicht viele Möglichkeiten gibt, könnte KTM den eigenen Testfahrer einsetzen. Denn schließlich wird auch die nächste Saison ein Entwicklungsjahr werden.

Leitner: „Werden sehen wie Kallio performt“

„Für Mika ist es natürlich nicht einfach, wieder auf das Motorrad zu springen und gegen die anderen Jungs anzutreten. Wir brauchen Geduld und müssen ihm die Zeit geben, damit er wieder den Rennspeed findet“, so Leitner. „Wir werden auch sehen, wie er performen wird. Das hilft uns bei der Entscheidung für die Zukunft.“ Bei seinem ersten Grand Prix seit eineinhalb Jahren kam der Finne als 17. außerhalb der WM-Punkteränge ins Ziel.

„Wir müssen abwarten“, sagt KTM-Motorsportchef Pit Beirer, „wie die nächsten Rennen für ihn laufen und auf welchem Level er ist. Ob er der Fahrer für das nächste Jahr sein kann, oder ob wir eine andere Lösung finden müssen. Die Antwort gibt es momentan noch nicht. Wir wissen, dass wir noch viele Hausaufgaben erledigen müssen. Das Motorrad muss besser werden. Wir arbeiten daran, aber Fahrer Nummer 4 ist momentan noch nicht klar.“

Mit Pol Espargaro, Bradley Smith, Johann Zarco und Hafizh Syahrin waren bei KTM nun einige Fahrer unter Vertrag, die zuvor nur Yamaha gefahren sind. Nach den Erfahrungen mit Zarco sagt Beirer lachend: „Heute würde ich bestimmt keinen Yamaha-Fahrer engagieren.“ Mit Testfahrer Dani Pedrosa hat man einen erfahrenen Mann im Stall, der die Honda-V4-Maschine in- und auswendig kennt und keinen Yamaha-Fahrstil hat.

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Dani Pedrosa hat Renneinsätze bisher abgelehnt

Am Dienstag und Mittwoch nach dem Aragon-Rennen testete Pedrosa erneut privat für KTM. Viele Fans hätten sich gewünscht, dass der dreimalige MotoGP-Vizeweltmeister den freien Platz übernimmt und wieder Rennen fährt. Aber seit Pedrosa bei KTM unter Vertrag steht, ist Kallio als Ersatzfahrer nominiert. Pedrosa würde nicht einspringen. Auch Wildcards sind mit ihm keine geplant.

„Als Dani den Vertrag bei uns unterschrieben hat, haben wir ihn auch gefragt, ob er sich Wildcards wünscht“, erinnert sich Beirer zurück. „Dani hat klar nein gesagt. Er meinte, er hat aus bestimmten Gründen mit dem Rennfahren aufgehört. Er konzentriert sich auf die Testfahrten. Seine Rundenzeiten sind mittlerweile sehr gut geworden und wir haben gesehen, dass er wieder mehr auf die Rennen schaut.“

„Also haben wir ihn noch einmal gefragt, aber er hat abgelehnt. Für uns ist diese Entscheidung in Ordnung“, hält der Motorsport-Chef fest. Das Testprogramm läuft mit Pedrosa auf Hochtouren. Er hat auch einen Anteil an den guten Leistungen von Espargaro. „Wir brauchen ihn definitiv. Was er für uns als Testfahrer macht, ist viel besser, als ich gedacht oder gehofft habe. Er ist eine Schlüssel-Person in unserem Projekt für die Zukunft.“

Gleicher Entwicklungs-Rhythmus wie die Konkurrenz

Dass Kallio nun Rennfahrer ist, ändert auch die Organisation des Testteams. Denn KTM betreibt im Hintergrund einen sehr großen Aufwand. „Man braucht fast zwei Testfahrer, um ein volles Programm absolvieren zu können. Einer konzentriert sich auf die Dämpfung und der andere auf andere Dinge“, so Beirer. „Die WM soll künftig länger werden und wir müssen uns organisieren. Das Test-Team ist wichtiger denn je. Für uns ist es fantastisch, jemanden wie Dani zu haben, der auf einem hohen Level mit unserem Testteam arbeiten kann.“

Große technische Änderungen sind im Laufe der Übersee-Rennen bis zum Saisonfinale in Valencia nicht mehr zu erwarten. „Natürlich haben wir schon vor einer gewissen Zeit angefangen, am neuen Motorrad zu arbeiten“, sagt Beirer über das neue Motorrad, das für den Valencia-Test geplant ist. „Diesen Luxus hatten wir bisher nicht. Wir haben praktisch immer Feuerwehr gespielt, wenn sich ein Problem aufgetan hat.“

„Ganz langsam kommen wir in eine Situation, wo das Rennmotorrad eigentlich sehr gut funktioniert. Und wir können schon an einem Projekt arbeiten, das wir erst in Valencia brauchen. Aber wir werden dann trotzdem noch ein ganzes Jahr brauchen, um in den Rhythmus der Top-Teams zu kommen. Denn der Rhythmus ist, dass man das neue Motorrad nicht im November in Valencia bringt, sondern schon im Sommer in Brünn.“

Und darauf arbeitet KTM langfristig hin: „Es ist momentan alles so ausgelegt, dass wir im nächsten Jahr in diesen Rhythmus kommen. Und dann sind wir eigentlich erst richtig messbar, weil dann steht das Satellitenteam. Dann sind wir im gleichen Rhythmus wie die anderen Werke und haben ein Test-Team, das sich auf normale Arbeit konzentrieren kann. Deshalb wird das Projekt weiterhin Geduld und viel Arbeit brauchen.“

Das Rennen der MotoGP: Gran Premio de Aragón