Teammanager Mike Leitner bemüht sich um Aufklärung, wann, warum und wie entschieden wurde, Johann Zarco nicht mehr für KTM starten zu lassen.

Von der Entscheidung seitens KTM, Johann Zarco in dieser Saison kein Rennen mehr fahren zu lassen, zeigte sich der Franzose am Donnerstag im Motorland Aragon noch immer geschockt.

Auf Zarcos Wunsch wurde der ursprüngliche Zweijahres-Vertrag zwischen ihm und KTM im Anschluss an das Österreich-Wochenende im August auf ein Jahr verkürzt. Die Entscheidung vom Dienstag dieser Woche aber, wonach Mika Kallio statt Zarco die Saison 2019 zu Ende fährt, wurde von den KTM-Bossen Stefan Pierer (Geschäftsführer), Pit Beirer (Motorsportchef) und Mike Leitner (Teammanager) getroffen. Und diese Entscheidung missfällt Zarco.

KTM-Teammanager Leitner ist deshalb um Aufklärung bemüht. Auf die Frage, wann man zum Entschluss gekommen ist, Zarco nicht mehr auf die RC16 zu setzen, antwortet Leitner in einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Aragon-Donnerstag: „Die Entscheidung wurde sehr rasch im Anschluss an Misano getroffen.“

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„Vom ersten Moment an auf unserem Bike kein gutes Gefühl“

Eben jenes Misano-Wochenende war vor weniger als einer Woche das bislang beste KTM-Wochenende für Zarco im Trockenen gewesen. Im Qualifying zog er über Q1 ins Q2 ein und war dort Achtschnellster. Aufgrund seiner Silverstone-Kollision mit Tech-3-KTM-Pilot Miguel Oliveira musste Zarco aber von P11 starten. Auf dieser Postion kam er dann auch ins Ziel. Zwei Tage später erfuhren er und die Welt, dass seine Zusammenarbeit mit KTM zu Ende ist.

„Wir begannen nach dem Valenica-Rennen des vergangenen Jahres mit Johann zu arbeiten“, erinnert sich Leitner. „Aber vom ersten Moment an konnte er auf unserem Bike kein richtig gutes Gefühl entwickeln“.

Der KTM-Teammanager weiter: „Wir haben von unserer Seite viele Dinge probiert, um ihm ein besseres Gefühl zu verschaffen. Wir haben uns ins Zeug gelegt und es gab ein paar Highlights. Dann aber lief es wieder nicht so gut. Gleichzeitig wurde Pol (Zarcos Teamkollege Pol Espargaro, Anm. d. Red.) stärker und stärker.“

KTM-Bosse sahen sich in einer Sackgasse

„Somit arbeiteten wir zweigleisig. Als Dani (Testfahrer Dani Pedrosa, Anm. d. Red.) mit seiner Arbeit begann, wollten wir verstehen, was genau Johann fehlt. Um fair zu sein, muss ich sagen, dass Johann versucht hat, sich zu steigern. Gleichzeitig haben wir versucht, ihm zu helfen“, so Leitner.

Letzten Endes sah sich KTM mit dem Zarco-Weg aber in einer Sackgasse. Dies erkannte auch der Franzose selbst, weshalb er am Rande des Österreich-Grand-Prix um die Verkürzung seines Vertrags bat.

„In Spielberg kam Johann am Samstagabend zu Pit und mir und bat um ein Gespräch“, erinnert sich Leitner mit Verweis auf KTM-Motorsportchef Pit Beirer. „Da gab er uns klar zu verstehen: ‚Ich werde nicht zwei Jahre für euch fahren, weil ich einfach kein Gefühl habe. Ich kann meinen Stil nicht fahren.'“

KTM „kein Unternehmen, das seinen Fahrer zwingt“

„Wenn ein Fahrer zu Dir als Hersteller kommt und sagt, dass er Dein Motorrad nicht fahren will, dann kommt der Punkt, an dem man auch an die Sicherheit des Fahrers denken muss“, so Leitner. Und weiter: „Immerhin riskieren die Fahrer eine Menge. Und KTM ist ganz sicher kein Unternehmen, das seinen Fahrer zwingt, auf einem Motorrad Dinge zu tun, die er nicht will.“

Das erste Renn-Wochenende nach dem Spielberg-Treffen war Silverstone. Dort leistete sich Zarco im Rennen die unglückliche Kollision mit KTM-Markenkollege Oliveira. Als nächstes folgte Misano, wo er seine Silverstone-Strafe in Form der Rückversetzung um drei Startplätze verdauen musste. Aber es gab noch einen anderen entscheidenden Vorfall.

„Wir hatten die Rennen in Silverstone und Misano. Und nach Misano haben sich Herr Pierer, Pit und ich zusammengesetzt, um über die generelle Zukunft des Projekts zu sprechen. Wir hatten einen Fahrer, der nicht zu 100 Prozent happy ist. Und von dem wir wussten, dass er nicht über Ende des Jahres hinaus für uns fahren wird“, so Leitner. „Dann hatte er im Warm-Up in Misano einen heftigen Sturz, bei dem er sich mit viel Glück nicht verletzt hat.“

„Da fragt man sich natürlich, ob es der richtige Weg ist, ihn weitere sechs Rennen das Limit ausloten zu lassen. Obwohl wir ja ohnehin schon entschieden, das Projekt [früher als im ursprünglichen Vertrag geplant] zu stoppen“, so der KTM-Teammanager.

Entscheidung pro Kallio im Sinne des Projekts

„Deshalb haben wir für das Projekt entschieden und den Entschluss gefasst, dass es für die Zukunft besser ist, Mika auf das Motorrad zu setzen“, spricht Leitner auf Zarcos 2019er-Nachfolger Mika Kallio an. „Er ist als unser Ersatzfahrer ohnehin in des Projekt involviert. Also lassen wir ihn die Saison zu Ende fahren.“

Auf Nachfrage, welche Bereiche es konkret waren, in denen sich Zarco mit der RC16 schwergetan hat, antwortet Leitner: „Ich glaube, überall ein bisschen.“ Und so mutmaßt der KTM-Teammanager: „Vielleicht waren seine Erwartungen deutlich höher.“

„Wenn man dann ständig in der Presse hören und lesen muss, dass das Bike schlecht sei und er dann sogar soweit geht, den Vertrag in Spielberg zu verkürzen, weil er nicht happy ist, wie soll es dann noch weitergehen?“, fragt Leitner. Und sieht sich in der von den KTM-Bossen gemeinsam getroffenen Entscheidung bestärkt.

„Diese Entscheidung wurde seitens KTM getroffen“, bestätigt Leitner. Doch der Teammanager verweist noch einmal darauf, dass der erste Schritt auf dem Weg zu dieser von Zarco selbst kam. „Die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit Johann zum Ende des Jahres zu beenden, kam von Johanns Seite.“