Interview mit KTM-Teammanager Mike Leitner vor dem Grand Prix von Österreich über Fortschritte, Erwartungen, Zarcos Probleme und Testfahrer Pedrosa.

Michael „Mike“ Leitner (56) war früher GP-Pilot in der 125er-Klasse und danach Chefmechaniker und Fahrwerks-Techniker in diversen Teams der Motorrad-WM. Elf Jahre lang und bis 2014 war der Oberösterreicher als Chef-Mechaniker des Spaniers Daniel Pedrosa höchst erfolgreich. Danach dockte er bei KTM an und ist Teammanager der aktuellen MotoGP-Aktivitäten.

APA: KTM-Chef Stefan Pierer hat 2019 möglichst viele einstellige Ergebnisse gefordert. Ist man im Plan?

Leitner: „Wir sind im dritten Jahr unseres MotoGP-Projektes. Unser Ziel ist ganz klar, so oft wie möglich in den Top Ten zu sein. Wir haben schon einige Male bestätigt, dass es drin ist. Jetzt steht der nächste Schritt an. Nämlich stabil unter den ersten zehn drinzubleiben.“

Wie schwierig ist das?

„Die Klasse ist brutal hart. Wir haben sechs Hersteller, von denen jeder zwei Werksmotorräder einsetzt. Da sind wir gleich bei zwölf. Dazu kommen Satellitenteams, die teilweise stärker sind als die Werksteams. Da ist eine einstellige Zahl ein ganz schöner Brocken.“

Trotzdem macht KTM gute Fortschritte, oder?

„Wir haben uns auch heuer wieder gesteigert, sind der Spitze wieder näher gekommen. Die hat sich zwei, drei Zehntel verbessert, wir bis zu einer halben Sekunde. Aber jetzt kommt man in eine Liga, wo man gegen große Namen antritt und es echt hart wird. Wir reden von Herstellern, die seit 17 Jahren MotoGP-Bikes bauen. Wir sind zweieinhalb Jahre dabei. Ich glaube nicht, dass wir uns verstecken müssen.“

Von Neo-Pilot Johann Zarco gab es im Frühjahr aber kritische Kommentare zum Motorrad. Wie geht man bei KTM damit um?

„Johann ist von einem sehr ausgereiften Motorrad gekommen und fährt jetzt mit einem, das noch nicht so ausgereift ist. Während Pol Espargaro die Challenge annimmt, hat Zarco ein wenig mit der Situation gehadert. Aber solche Leute, die Probleme aufzeigen, helfen, damit wir an Schwachstellen noch härter arbeiten.“

Womit genau tut sich Zarco schwer?

„Damit, ein gutes Feeling aufzubauen. Er hat ja einen eigenen Fahrstil und unser V4-Motor ist generell mit mehr Körpereinsatz zu fahren, das Motorrad etwas nervöser. Wir gehen die Situation von beiden Seiten an. Am Ende wollen wir ja ein Produkt, mit dem mehrere Fahrer gut umgehen können.“

Warum setzt KTM auf einen V4?

„Reihen-Vierzylinder wie bei Yamaha und Suzuki sind sicher ein bissl kommoder, gutmütiger. Nur geht halt das letzte Ding ab, um zu gewinnen. Deshalb haben wir uns für einen V4 wie Honda, Ducati und Aprilia entschieden. Wir glauben, dass die Chance größer ist, dabei zu sein, wenn es am Ende um ganz vorne geht.“

Testspilot Dani Pedrosa ist endlich voll einsetzbar. Was weiß man schon?

„Pedrosa ist nach seiner Verletzung spät und erst Ende Mai eingestiegen. Seitdem ist er voll im Testprogramm. Er hilft uns enorm. Aber das merkt man erst mit mehreren Monaten Verzögerung. Zuerst müssen wir schauen, wo er ansetzt, dann produzieren, dann testen. Man ist immer sechs Monate hinter dem, was man im Kopf hat.“

Wie lauten ihre Erwartungen für das Rennen in Österreich?

„Wir haben am Montag noch in Brünn getestet, vielleicht können wir davon noch was für Spielberg einsetzen. Wir pushen auf jeden Fall auf Maximum. Es ist ein Heimrennen, von den Emotionen her muss man es aber nehmen wie jedes andere Rennen und kühlen Kopf bewahren. Natürlich gibt es den positiven Effekt der vielen Fans. Sie sind ja auch Fans, weil sie hinter unserem Projekt stehen. Dass wir einen österreichischen Hersteller und einen Heim-Grand-Prix haben, ist eine tolle Sache.“

Sind die Top Ten drin?

„Das wäre ein Traum. Aber unser Ziel ist immer, so weit vorne wie möglich zu sein. In Brünn standen wir in den ersten zwei Startreihen. Im Nassen sind wir schon ganz schön konkurrenzfähig.“

(Das Interview führte Hans Gödel/APA)

MotoGP 2019 am Red Bull Ring in Spielberg:
Hol dir deine Tickets!
   - WERBUNG -