In seinem 200. GP-Rennen lässt Marquez die MotoGP-Konkurrenz einmal mehr alt aussehen – und hat nach seinem achten Saisonsieg schon eine Hand am WM-Pokal.

Für Marc Marquez war das MotoGP-Wochenende in Aragon ein glatter Durchmarsch. Seit dem ersten Training der Konkurrenz weit voraus, sicherte sich der Honda-Pilot am Samstag erst die Pole-Position und am Sonntag schließlich den souveränen Rennsieg. Seine WM-Führung baute der Spanier auf 98 Punkte aus.

„Es war das perfekte Wochenende“, resümiert Marquez. „Es lief von Anfang an gut, deshalb sind wir im Rennen auch mit dem Set-Up gefahren, das wir schon im ersten Freien Training hatten. Das war das erste Mal in diesem Jahr der Fall.“ Seine FP1-Bestzeit von 1:46,869 Minuten blieb das gesamte Wochenende über ungeschlagen.

Auch im Rennen demonstrierte der 26-Jährige seine Dominanz und kam mit fast fünf Sekunden Vorsprung ins Ziel. „Ich habe in den ersten drei, vier Runden richtig Gas gegeben und dann versucht, den Vorsprung zu kontrollieren. Mit den 25 Punkten sind wir sehr glücklich. Aber der Kerl hier rechts von mir gibt niemals auf.“

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Marquez erklärt seine Reifenwahl

Damit deutete Marquez in der Top-3-Pressekonferenz nach dem Rennen auf den neben ihm sitzenden Andrea Dovizioso hin. Der Ducati-Pilot hatte von Startplatz zehn eine starke Aufholjagd gezeigt und wurde Zweiter vor Markenkollege Jack Miller auf Platz drei. In den Kampf um den Sieg konnten beide aber nicht eingreifen.

„Es ging das ganze Rennen über vor allem darum, die Konzentration zu behalten, geduldig zu bleiben und nicht zu viel zu pushen“, rekapituliert Marquez seine einsame Fahrt in Front. „Ich versuchte, sowohl den Hinter- als auch den Vorderreifen zu schonen, denn mit der Medium-Mischung hatte ich auf der linken Flanke ein paar Probleme.“

Bei den Reifen hatte sich der Honda-Pilot anders als im Vorjahr (hard-soft) für die Kombination medium-soft entschieden. „Für uns war die Wahl klar. Wenn die Temperatur über 26 Grad Luft und 35 Grad Asphalt liegt, nehmen wir den harten Reifen. Wenn nicht, wird es der Medium“, erklärt Marquez seine Entscheidung für diese Mischung.

Sturz in Austin ständig im Hinterkopf

„Es wäre möglich gewesen, mit dem harten Vorderreifen zu fahren“, sagt er weiter, „aber auch ein zu großes Risiko. Ich habe in diesem Jahr schon in anderen Rennen gezeigt, dass ich mit dem Medium fahren kann. Wir haben an der Balance gearbeitet, der Motor hat mehr Leistung und ich bin in der Lage, meinen Fahrstil anzupassen.“

Dennoch schwirrte Marquez in Aragon die Erfahrung aus Austin im Kopf herum. Dort führte er das Rennen nach einem überlegenen Wochenende ebenfalls mit großem Vorsprung an, stürzte aber letzten Endes. „Das war natürlich in meinem Kopf. Aber ich konzentrierte ich mich darauf, über die Distanz zu kommen“, sagt der Spanier.

„Ich habe in Austin gelernt, dass es nicht darauf ankommt, ob man mit vier Sekunden, zwölf Sekunden oder einer Sekunde Vorsprung gewinnt. Das Wichtigste sind die 25 Punkte und die haben wir erreicht.“ Im WM-Kampf kann er den Sack bereits beim nächsten Grand Prix in Thailand zumachen und vorzeitig den Titel holen.

Das Rennen der MotoGP: Gran Premio de Aragón

Prognose für Thailand: Duell mit Dovizioso?

„In Thailand habe ich den ersten Matchball“, weiß Marquez. „Wir werden versuchen, so stark zu sein wie hier, was schwierig ist. Aber wir werden vor allem umso fokussierter sein.“ Im Vorjahr kämpfte er auf dem Chang International Circuit gegen Dovizioso bis zur letzten Kurve und gewann. „Das kann diesmal auch wieder passieren.“

„Aber der Unterschied ist: Unser Motor ist in diesem Jahr besser, das wird auf der langen Geraden in Thailand helfen. Im wendigen Teil dürfte es schwerer sein. Wir werden versuchen, wieder um den Sieg zu kämpfen. Aber wie ich schon am Donnerstag sagte, ist mein Hauptziel, alle verbleibenden Rennen auf dem Podium zu beenden.“

Das gelang Marquez in dieser Saison mit Ausnahme von Austin bisher in jedem Rennen. Daher ist sein WM-Vorsprung auch deutlich größer als zur gleichen Zeit im Vorjahr. „Schon damals waren wir sehr konstant unterwegs, aber es sieht so aus, als hätten wir uns in diesem Jahr dahingehend weiter verbessert“, urteilt der Spanier.

200. Grand Prix: Was war Marquez‘ Highlight?

Und wie ist das gelungen? „Ich denke, der Hauptgrund ist der Motor. In den ersten Rennen hatten wir ein paar Probleme mit dem neuen Motor, denn er war aufgrund der höheren Leistung schwieriger abzustimmen. Jetzt verstehen besser, wo unsere Stärke und Schwächen liegen und das hilft uns, gut in die Wochenenden zu starten.“

Sein Heimrennen in Aragon war für Marquez zugleich der 200. GP-Start, den er mit seinem 78. Sieg krönte. „Ich konnte das erst gar nicht glauben. Für mich fühlt es sich so an, als wäre erst vor zwei Jahren losgegangen“, sagt er. „Wir versuchen, den Moment zu genießen. Bisher verlief meine Karriere sehr erfolgreich. So kann’s weitergehen.“

Auf sein bisheriges Highlight in all den Rennen angesprochen, tut sich der 26-Jährige schwer: „Da gibt es viele. Das beste Gefühl hatte ich aber wahrscheinlich 2014 in Valencia, als ich das Rennen gewann. Ich war bereits Champion, aber kurz zuvor holte sich auch mein Bruder (Alex) den Titel (in der Moto3, Anm. d. Red.). Das war das Größte.“