Die erhoffte Podest-Chance rückte für Valentino Rossi im Silverstone-Rennen der MotoGP früh in weite Ferne. Stattdessen ergatterte Maverick Vinales Platz drei.

Für Valentino Rossi reichte es beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone am Sonntag nur für den undankbaren vierten Platz. Der Yamaha-Pilot kam knapp 11,5 Sekunden hinter Rennsieger Alex Rins (Suzuki) ins Ziel, der hauchdünn vor WM-Leader Marc Marquez (Honda) gewann. Dritter wurde Rossis Teamkollege Maverick Vinales.

Selbst auf ihn fehlten dem Italiener im Ziel 10,8 Sekunden. Dabei war Valentino Rossi von Startplatz zwei deutlich vor Vinales ins Rennen gegangen und bis zur sechsten Runde auf Podest-Kurs. Doch dann musste sich der 40-Jährige dem eigenen Teamkollegen geschlagen geben. In der Folge büßte er immer weiter an Boden ein.

Zwar hielt sich Rossi auf dem vierten Platz, die Pace der Top 3 konnte er jedoch nicht mitgehen. Eine Überraschung für den Yamaha-Piloten: „Wir sind nicht glücklich, sondern etwas enttäuscht, denn ich und mein Team hatten erwartet, stärker zu sein und um das Podium kämpfen zu können. Nicht nur, weil ich in der ersten Startreihe stand, sondern in den Trainings immer eine gute Pace hatte.“

Das Rennen der MotoGP: GoPro British Grand Prix

Valentino Rossi kämpft mit stumpfen Waffen

„Ich wusste, dass Marquez etwas schneller war“, erklärt Valentino Rossi weiter, „rechnete aber nicht mit Rins. Ich wollte ein Rennen wie Maverick machen. In den Trainings war unsere Pace sehr ähnlich. Leider hatte ich heute mehr Probleme mit dem Hinterreifen und dem Hinterrad-Grip. Von Anfang an war meine Pace nicht fantastisch.“

In der zweiten Hälfte des 20-Runden-Rennens war der Italiener dann vor allem damit beschäftigt, sich ins Ziel zu retten, „weil der Reifen zerstört war“, wie er berichtet. Damit blieb Valentino Rossi nicht der einzige: “ Mein Hinterreifen war ähnlich wie bei Cal (Crutchlow) und Jack (Miller) am Ende stark beschädigt. Ich glaube, auch Franco (Morbidelli, Anm. d. R.) hatte Schwierigkeiten damit.“

Reifenhersteller Michelin macht er deshalb aber keinen Vorwurf. „Ich denke, das liegt in erster Linie an uns“, gibt der Yamaha-Pilot zu. „Denn im Vergleich zu Maverick und (Fabio) Quartararo habe ich immer etwas mehr zu kämpfen, was den Hinterrad-Grip angeht. Mit den heißen Temperaturen war das heute wieder so“, sagt Valentino Rossi.

Valentino Rossi: „Habe Yamaha oft nach Carbonschwinge gefragt“

Valentino Rossi erklärt den Unterschied am Beispiel des Teamkollegen: „Maverick ist gestern viele Runden mit diesem Reifen gefahren und seine Pace war dieselbe wie heute. Ich war gestern ähnlich gut wie Maverick unterwegs, hatte heute aber deutlich mehr Probleme als er. Wir müssen also verstehen, wie wir den Hinterreifen besser schonen können beziehungsweise weniger darunter leiden.“

Eine Carbonschwinge, wie sie die Konkurrenz nutzt, könnte Abhilfe schaffen. Doch noch ist Yamaha damit nicht am Start. „Ich habe schon sehr oft danach gefragt. Denn ich denke und hoffe, dass die Carbonschwinge uns helfen kann“, sagt Rossi. „Daher hoffe ich, dass Yamaha sie sobald wie möglich bereitstellt. Vielleicht sogar in Kürze.“

Ob das schon beim anstehenden Misano-Test (29.-30. August) der Fall sein könnte, ließ sich der Yamaha-Pilot nicht entlocken. Er betonte aber: „Es ist ein wichtiger Test. Wir haben zwei Tage, die uns die Gelegenheit geben, die Entwicklung des Motorrads für 2020 voranzutreiben, aber auch ein paar Verbesserungen für dieses Jahr vorzunehmen.“

Vinales beklagt Top-Speed, sieht aber Fortschritte

Die größten Baustellen bleiben Beschleunigung und Top-Speed, wie Vinales in Silverstone bestätigt. „Diese Strecke ist eine der schlimmsten für unseren Motor“, hält der Drittplatzierte fest. „Daran müssen wir weiter arbeiten. Wir haben sehr starke und sehr schwache Punkte an unserem Bike. Letztere gilt es zu beheben.“ Allerdings ist die Motoren-Entwicklung für diese Saison eingefroren.

Mit dem Topspeed-Nachteil wird man bei Yamaha also vorerst weiter leben müssen. Der machte sich auch an diesem Rennwochenende bemerkbar. „Auf der Geraden verlieren wir sehr viel. Im Vergleich beläuft sich der Verlust auf 0,3-0,4 Sekunden pro Runde“, analysiert Vinales. „Man muss das Motorrad am Limit bewegen.“

„Aber wir haben Fortschritte gemacht, insbesondere beim Grip“, räumt der Spanier ein. „Wenn wir weiter am Chassis arbeiten, glaube ich, dass wir in allen Rennen mitkämpfen können. Der Misano-Test wird wichtig sein. Wir haben einige neue Teile, die meinem Fahrstil entgegen kommen sollten.“ Mit seinem Rennen war er gemessen an den Voraussetzungen zufrieden.

Späte Aufholjagd zur Spitze zahlt sich nicht aus

„Ich bin mein Rennen großteils allein gefahren und habe Runde für Runde mit mir selbst gekämpft. Gerade auf dieser Strecke ist es schwierig, den Rhythmus und die Konzentration zu halten, wenn man allein ist. Aber ich konnte das Maximum aus dem Motorrad herausholen und bin zuversichtlich, dass wir uns beim nächsten Rennen noch steigern können.“

Gegen Ende der 20 Runden konnte Vinales zwar zum Spitzenduo Marquez-Rins aufschließen, für eine Attacke reichte es aber nicht. „Ich holte auf, als sie sich gerade zu duellieren begannen. Sonst wäre es schwieriger gewesen, weil wir auf einem ähnlichen Level gefahren sind. Da ich allein war, konnte ich auch von keinem Windschatten profitieren“, erklärt der Yamaha-Pilot.

„Aber ich denke, wir haben das Bestmögliche herausgeholt, wenn nicht sogar ein bisschen mehr. Denn wenn wir uns die Rundenzeiten anschauen, waren wir wirklich nah dran.“ Für Vinales war es der fünfte Podestplatz dieser Saison. In der Gesamtwertung liegt er mit 118 Punkten auf dem fünften Platz, direkt vor Teamkollege Rossi, der auf 116 Zähler kommt.