Danilo Petrucci greift Teamkollege Andrea Dovizioso in Assen nicht an, und spricht von einer schwierigen Situation – seine Vertragsverlängerung bei Ducati verzögert sich weiterhin.

Nach seinem triumphalen Erfolg beim Heimrennen in Mugello kündigte Danilo Petrucci an, dass er fortan seinen Ducati-Teamkollegen Andrea Dovizioso im WM-Kampf gegen Marc Marquez (Honda) unterstützen wird. Das setzte Petrucci in beim Holland-GP Assen auch um. In der Schlussphase drehte er direkt hinter „Dovi“ seine Runden und griff nicht an. Doch das führte dazu, dass er in der letzten Runde noch von Franco Morbidelli ausgebremst wurde.

Somit kamen Dovizioso und Petrucci als Vierter und Sechster ins Ziel. Die größten Sorgen im Ducati-Lager bereitete der große Rückstand von 14 Sekunden auf die Spitze. „Es ist nicht neu, dass wir darunter leiden, wenn es wenig Grip gibt“, sagt „Petrux“. Das chronische Untersteuern der Desmosedici wird dadurch verstärkt. „Wenn man den Speed nicht in die Kurve mitnehmen kann, dann bekommt man auch auf der Bremse und bei der Beschleunigung Probleme.“

In der zweiten Rennhälfte fuhr das Ducati-Duo bis zu einer Sekunde langsamer als die Spitze. Aber das war nach dem Rennen nicht das größte Thema für Petrucci, denn er musste praktisch das gesamte Rennen mit angezogener Handbremse hinter Dovizioso herfahren. Es gab zwar Überholmanöver, aber am Ende steckte „Petrux“ zurück, denn er hält sich an die Teamabmachung.

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Nur acht WM-Punkte weniger als Dovizioso

„Das Duell mit ‚Dovi‘ war sehr schwierig, denn ich muss mit ihm sehr aufpassen“, sagt Petrucci. „Wenn ich riskant überholen muss, vermeide ich das. In der letzten Runde habe ich ihn nicht attackiert. Dann hat mich Morbidelli in der letzten Kurve überholt. Ich wusste, dass er stark aufholt.“ Hätte Petrucci seinen Teamkollegen überholt, dann wäre er vielleicht als Vierter ins Ziel gekommen´und nicht als Sechster.

„Es ist klar, dass ich in einer seltsamen Position bin, es ist schwierig für mich“, sagt der 28-Jährige. „Wahrscheinlich hat niemand erwartet, dass ich in der Weltmeisterschaft Dritter bin.“ Denn der WM-Stand spricht für Petrucci. Er hat nur acht Punkte weniger auf dem Konto als Dovizioso. Trotzdem „darf“ er laut Abmachung mit dem Team nicht ausschließlich auf sich selbst schauen, sondern soll „Dovi“ helfen.

„Unser Ziel ist es, mit Andrea die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Sie haben mir gesagt, dass ich nichts Riskantes tun soll“, so Petrucci. „Und ich hätte etwas riskieren müssen, um ihn zu überholen.“ Dovizioso selbst sieht die Situation entspannt und will daraus kein großes Thema machen: „Wir verhalten uns intelligent. So wie ich ihn attackiere, attackiert er mich. Wenn man sich ansieht, wie viele WM-Punkte wir im Vergleich zu den anderen Teams gesammelt haben, arbeiten wir gut. Leider waren wir nicht in allen Rennen vorne dabei.“

Vertragsverlängerung: Es hängt noch am Gehalt

Ein weiteres wichtiges Thema, das Petrucci momentan beschäftigt, ist seine Vertragsverlängerung. Ducati hat bereits mehrfach bekräftigt, dass man in der gleichen Konstellation weitermachen will. Im Pramac-Team soll neben Francesco Bagnaia weiterhin Jack Miller fahren. Beide sollen im nächsten Jahr auch aktuelles Werksmaterial erhalten. Der Knackpunkt ist, dass Pramac nicht die zusätzlichen Kosten für eine zweite GP20 übernehmen will oder kann.

Deshalb wird noch bezüglich der Finanzierung verhandelt. Und auch bei Petrucci geht es ums Gehalt. „Es ist eine komplizierte Situation. Ich möchte nicht über die Deadlines für die Verlängerung sprechen, aber ich stehe zwischen Hammer und Amboss“, so der Italiener. „Wir sind uns bei den Zahlen nicht einig. Und um gewisse Summen zu erhalten, muss ich in diesem Jahr bestimmte Ergebnisse erreichen.“

Dass Gehaltsverhandlungen mit Ducati schwierig sein können, kennt Dovizioso aus eigener Erfahrung. Jahrelang leistete er für vergleichsweise wenig Geld mühsame Aufbauarbeit. Erst sein aktueller Zweijahresvertrag soll gut dotiert sein. „Ich bin überrascht von Danilo“, sagt Dovizioso über dieses Thema. „Ducati hat eine eigene Arbeitsweise. Ich bin seit vielen Jahren hier. Und um etwas zu bekommen, muss man die Mentalität verstehen. Ich denke, er sollte das locker sehen, denn er ist stärker als im Vorjahr. Im Moment kann ich nur seine Verlängerung sehen, denn die anderen möglichen Kandidaten sind derzeit schlechter unterwegs.“

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