Die Petronas-Yamaha-Piloten sind beim Start zum Japan-Grand-Prix in Motegi erste Marquez-Verfolger: Kann Franco Morbidelli Fabio Quartararo hinter sich halten?

Fabio Quartararo hat sich in den vergangenen Wochen zu einem starken Gegner für MotoGP-Weltmeister Marc Marquez herauskristallisiert. Im Qualifying zum Grand Prix von Japan in Motegi fuhr der Rookie zum bereits neunten Mal in die erste Startreihe, musste sich dabei aber nicht nur Polesetter Marquez, sondern auch seinem eigenen Petronas-Yamaha-Teamkollegen Franco Morbidelli geschlagen geben.

Für Morbidelli, der seine zweite MotoGP-Saison fährt, ist es das dritte Mal, dass er seinen Rookie-Teamkollegen in einem Qualifying bezwungen hat. Nach Termas de Rio Hondo und Le Mans war er diesmal auf dem Twin Ring Motegi 0,181 Sekunden schneller als Quartararo.

Das Qualifying der MotoGP: Motul Grand Prix of Japan

Morbidelli will Rennen abwarten

Überbewerten will Morbidelli den Abstand aber noch nicht. Schließlich ging das Qualifying zwar mit Slicks, aber auf stellenweise noch feuchter Piste, über die Bühne. Für das Rennen am Sonntag wird mit trockenen Bedingungen gerechnet – und bei solchen war Quartararo zuletzt stärker als Morbidelli.

„Fabio auf eine schnelle Runde hinter sich zu lassen ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt“, sagt Morbidelli. „Er ist einfach unglaublich schnell und kann immer wieder richtig starke Runden aus dem Ärmel schütteln. So gesehen bin ich natürlich sehr glücklich. Im Hinblick auf das Rennen traue ich dem aber noch nicht. Ich muss auch da meine Leistung erst auf der Strecke zeigen. Dann können wir weitersprechen.“

Rossi gratuliert schon jetzt

Dass sich Morbidelli im teaminternen Qualifying-Duell nach Monaten wieder einmal gegen Quartararo durchgesetzt hat, nimmt sein Mentor Valentino Rossi aber sogleich zum Anlass, um eine Gratulation auszusprechen. „Er ist stark gefahren. Es war eine richtig gute Runde von ihm. Das zeigt, dass er erwachsen wird“, freut sich Rossi für seinen ehemaligen VR46-Schützling.

Und Rossi stellt heraus: „Bei diesen Bedingungen heute war es wirklich nicht einfach, eine solche Rundenzeit zu fahren.“ Der 40-Jährige weiß, wovon er spricht. Denn er selbst hat es mit seiner Werks-Yamaha nur auf den zehnten Startplatz geschafft. Die Umstellung seiner Bremstechnik von drei auf zwei Finger ist erwartungsgemäß ein Prozess, der nicht von heute auf morgen verinnerlicht wird. Das gibt Rossi nach dem Qualifying offen zu.

Quartararo: Bei solchen Bedingungen „noch nie so gut wie heute“

Und was sagt Quartararo, der sich erstmals seit Mai in einem Qualifying gegen Teamkollege Morbidelli geschlagen geben musste? „Ich bin zufrieden, denn bei derart schwierigen Bedingungen war ich noch nie so gut wie heute. In Brünn tat ich mich schwer. Deshalb hatte ich heute wirklich nicht damit gerechnet, in die erste Reihe zu fahren. Auf meiner schnellsten Runde hatte ich einige Fehler drin. Trotzdem hat es für die erste Reihe gereicht. Das allein macht mich schon glücklich.“

Beim Start des 24-Runden-Rennens am Sonntag sind die beiden Petronas-Yamaha-Piloten die ersten Verfolger von Polesetter Marquez, der bereits seit zwei Wochen als neuer Weltmeister feststeht. Der von Honda erbaute Twin Ring Motegi gilt mit seinem „eckigen“ Layout mit mehreren harten Bremspunkten eigentlich nicht als Yamaha-Strecke. Davon lassen sich Morbidelli und Quartararo aber nicht entmutigen.

Motegi auf dem Papier keine Yamaha-Strecke, aber …

„Auf dem Papier mag das keine Yamaha-Strecke sein. Aber als wir hier ankamen, fiel mir sofort auf, dass wir ganz gut dabei sind“, spricht Morbidelli auf die beiden Freitagstrainings bei trockenen Bedingungen an. „Unser Motorrad funktioniert seit einigen Rennen grundsätzlich sehr gut. Dass das auch hier der Fall ist, war eine positive Überraschung. Nicht nur ich war schnell, sondern alle Yamaha-Piloten.“

Quartararo ergänzt: „Ich habe in diesem Jahr schon öfter gehört, dass ein paar Strecken der Yamaha angeblich nicht so gut liegen würden. Ich selbst habe aber seit Saisonbeginn gute Erfahrungen gemacht. Ja, unser Topspeed ist nicht der beste, aber in den Kurven habe ich ein richtig gutes Gefühl. Klar können wir uns hier und da immer noch steigern, aber ehrlich gesagt ist unser Renntempo nicht so schlecht. Ich denke, wir können ein gutes Rennen zeigen, auch wenn es vielleicht nicht unsere Paradestrecke ist.“

In Misano und zuletzt in Buriram unterlag Quartararo im Rennen jeweils denkbar knapp gegen Marquez. Vom Gedanken an seinen möglichen ersten MotoGP-Sieg will sich der Rookie nicht irritieren lassen. „Wir können morgen gewinnen, aber das sollte nicht der Fokus sein. Wir müssen konzentriert weiterarbeiten und dürfen uns nicht ablenken lassen. Eines Tages wird der erste Sieg schon kommen“, so der 20-jährige Franzose gelassen.