Luca Marini triumphiert nach Thailand auch in Motegi und setzt sich im Duell gegen Tom Lüthi durch, der Zweiter wird – Jorge Martin bejubelt erstes Moto2-Podium.

Nach seinem Triumph in Thailand hat Luca Marini auch beim Großen Preis von Japan Grund zum Jubeln: Der Kalex-Pilot setzte sich in einem engen Duell gegen seinen Markenkollegen Tom Lüthi durch und gewann das Rennen in Motegi. Lüthi kehrte erstmals seit Barcelona als Zweiter auf das Podium zurück. KTM-Pilot Jorge Martin wurde Dritter.

„Ich war von Beginn des Wochenendes an richtig schnell. Im Rennen musste ich es aber ein bisschen langsamer angehen, um die Reifen nicht zu überfahren“, sagte Marini nach seinem Sieg. „Nach ein paar Runden hatte ich einen Eindruck davon, wie viel ich dem Hinterreifen noch zumuten kann. Ich wusste, dass es nicht einfach wird, Tom zu überholen.“

Das Rennen der Moto2: Motul Grand Prix of Japan

Lüthi hatte das Rennen zwei Runden vor Schluss noch angeführt, musste dann aber doch klein beigeben. „In Kurve 6 war ich schneller als er. Er war clever unterwegs, aber ich kam doch noch vorbei“, erklärte Marini. Mit dem knapp verpassten Sieg haderte Lüthi aber nicht, sondern freute sich über sein Comeback auf dem Podest: „Das hat ja lange genug gedauert, wieder hier zu stehen. Jetzt hat es endlich geklappt.“

Moto2-Rookie Martin erstmals auf dem Podest

„Es war ein anstrengendes Rennen. Anfangs kämpfte ich gegen Alex Marquez. Dann konnte ich mich von den anderen absetzen, aber Luca ist dran geblieben. Mit dem zweiten Platz bin ich am Ende durchaus zufrieden“, resümierte der Schweizer aus dem deutschen IntactGP-Pilot, der mit Platz zwei auch in der Weltmeisterschaft wieder aufholen konnte.

Nicht minder groß war die Freude beim Drittplatzierten Martin. „Ich kann es gar nicht glauben! Das ist mein erster Podestplatz in dieser Saison“, jubelte der Moto2-Rookie, dessen bestes Ergebnis bisher ein sechster Rang in Thailand war. „Ich wurde von Runde zu Runde schneller und konnte die anderen überholen. Jetzt bin ich natürlich happy.“

Zum Moto2-Rennen hatte sich der Himmel über Motegi im Vergleich zur Moto3 wieder etwas zugezogen. Es blieb aber trocken und mit Temperaturen von 23 Grad Luft und 30 Grad Asphalt vergleichsweise warm. Ein erster Zwischenfall ereignete sich bereits vor dem Start: Tetsuta Nagashima stürzte bei seiner Fahrt in die Startaufstellung und musste anschließend von ganz hinten ins Rennen gehen.

Beinahe-Crash bei Marquez und auch Binder

Während Pole-Setter Luca Marini den Start für sich entscheiden konnte, kam es am Ende des Feldes zur ersten Kollision: Nagashima crashte mit Lukas Tulovic in Kurve 1. Alle anderen kamen sicher durch die erste Runde, die Marini vor den beiden Pons-Teamkollegen Augusto Fernandez und Lorenzo Baldassarri. WM-Leader Alex Marquez war Fünfter.

Nur wenig später hebelte es den Spanier dann aber beinahe aus, er konnte einen Sturz aber gerade noch verhindern und verlor kaum an Boden. Nicht so viel Glück hatte Nicolo Bulega, für den das Rennen nach Runde eins infolge eines Sturzes bereits vorbei war. Auch Sam Lowes musste aufgeben, nachdem er von Brad Binder unglücklich touchiert worden war und sein Bike dabei Schaden nahm.

Vorne bestimmte weiterhin Marini das Tempo, gefolgt von Baldassarri, Somkiat Chantra, Fernandez und Marquez. Die beiden IntactGP-Piloten Tom Lüthi und Marcel Schrötter lagen bei fünf gefahrenen Runden auf den Plätzen sechs und sieben. Weiter hinten kam es zu weiteren Stürzen: Diesmal waren Xavi Vierge und Iker Lecuona aneinander geraten.

Lüthi übernimmt zur Rennhälfte das Kommando

Für Marquez lief es nicht rund. Immer wieder hatte er Spanier kritische Momente und musste in der Folge nicht nur Lüthi passieren lassen, sondern sich auch den Angriffen von Schrötter erwehren. Lüthi kam hingegen immer besser in seinen Rhythmus und holte weiter auf. Nach acht von 22 Runden befand sich der Schweizer bereits auf Platz drei und bremste sich im Anschluss auch noch an Baldassarri vorbei.

Damit war Lüthi erster Verfolger des Spitzenreiters Marini. Zusammen mit Baldassarri setzten sie sich zusehends vom Rest des Felds ab. Das führte zunächst Chantra als Vierter an, er wurde jedoch bald von KTM-Pilot Jorge Martin kassiert, der in großen Schritte aufholte. Marquez und Schrötter versuchten, ihm zu folgen, um den Anschluss zur Spitze zu finden.

In Runde 11 übernahm erstmals Lüthi die Führung und konnte sich sofort einen kleinen Vorsprung erarbeiten, doch Marini ließ sich nicht abschütteln und schloss wieder auf. Baldassarri war hingegen nicht in der Lage, das Tempo des Spitzenduos mitzugehen. Er hatte bei noch sieben zu fahrenden Runden bereits über zwei Sekunden Rückstand.

Marini und Martin mit starken Schlussattacken

Weitere 1,5 Sekunden dahinter hielt Martin den vierten Platz, zog das Tempo in der Schlussphase jedoch noch einmal zog und schloss mit jedem Umlauf zu Baldassarri auf. Somit entbrannte neben dem Duell an der Spitze ein weiterer Zweikampf um den dritten und letzten Podestplatz. Beinahe zeitgleich kam es im vorletzten Umlauf zum Überholmanöver: Marini kassierte Lüthi, Martin ging an Baldassarri vorbei.

Daran sollte sich bis zum Zielstrich nichts mehr ändern. Lüthi musste sich mit 0,560 Sekunden Rückstand geschlagen geben und wurde Zweiter. Martin feierte mit Platz drei sein erstes Podest in der Moto2. Hinter Baldassarri kam Speed-up-Pilot Jorge Navarro als Fünfter ins Ziel. WM-Leader Marquez beendete ein für ihn schwieriges Rennen auf Rang sechs.

Die weiteren Plätzen belegten Enea Bastianini, Marcel Schrötter und Stefano Manzi, der mit MV Augsta erstmals in die Top 10 vordringen konnte. Sein Teamkollege Dominique Aegerter punktete als Vierzehnter hinter Fabio Di Giannantonio, Brad Binder und Somkiat Chantra. Den letzten WM-Punkt sicherte sich Andrea Locatelli als Fünfzehnter.

Die übrigen deutschsprachigen Piloten Jesko Raffin und Philipp Öttl beendeten das Rennen in Motegi auf den Plätzen 19 und 20. Insgesamt kamen 23 Fahrer ins Ziel. Neben den früh Gestürzten mussten auch Remy Gardner, Marco Bezzecchi und Mattia Pasini das Rennen vorzeitig beenden. In der WM hält Marquez weiterhin die Führung. Er hat nun 36 Punkte Vorsprung auf den neuen Zweitplatzierten Lüthi.