Das Fahrer-Karussell für die MotoGP-Saison 2021 hat schon Fahrt aufgenommen: Weltmeister Marc Marquez verhandelt zwar mit Honda, spricht aber auch mit Ducati.

Die letzte Zielflagge der MotoGP-Saison 2019 ist noch nicht geschwenkt, da richtet sich der Blick neben dem kommenden auch schon aufs übernächste Jahr. Denn in Anbetracht dessen, dass Ende 2020 alle großen Fahrer-Verträge auslaufen, legt die „Silly Season“ einen Frühstart hin. Und besonders begehrt ist dabei freilich der Weltmeister.

Marc Marquez hat mit Honda eines seiner erfolgreichsten Jahre hinter sich. In den bisher 18 Rennen stand er 17 Mal auf dem Podium. Beim Großen Preis von Thailand feierte er den vorzeitigen Titelgewinn. Schon seine sechste WM in der Königsklasse und mit Honda. Seit 2013 sind der japanische Hersteller und Marquez ein eingeschworenes Team.

Keiner kann das Potenzial der RC213V so ausschöpfen wie er. Das machte diese Saison, in der es mit Cal Crutchlow nur drei Mal ein anderer Honda-Fahrer aufs Podest schaffte, mehr als deutlich. Klar, dass man bei HRC unbedingt an Marquez festhalten will. Schon seit Monaten soll es Gespräche um eine Vertragsverlängerung geben.

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Gespräche mit Ducati als Ausdruck des Respekts

Auf der Mailänder Motorrad-Messe EICMA sprach Marquez mit der ‚Gazzetta dello Sport‘ über die Situation. Und verriet, dass auch Ducati auf ihn zugekommen sei: „Das ist nur logisch, oder nicht? Es ist für jeden Hersteller normal, nachzufragen. Genauso wie es für mich normal ist, ihnen zuzuhören. Das ist eine Sache des gegenseitigen Respekts.“

„Ich bekomme Informationen über die anderen Hersteller. Sie schauen, wer gewinnt, Zweiter oder Dritter wird, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen“, erklärt der Spanier weiter. Seine Priorität liege derzeit aber auf Honda. Allerdings müssten gewisse Voraussetzungen erfüllt, damit das bis zur finalen Vertrags-Unterzeichnung auch so bleibt.

Dabei gehe es nicht (nur) um Geld, wie Marquez betont. „Das ist nicht das Wichtigste. Geld hilft, das ist wahr. Aber mein Interesse gilt in erster Linie dem sportlichen Niveau. Wenn das stimmt, ich bekomme, was ich brauche und von dem Projekt überzeugt bin, ist Honda meine Priorität.“ Stehen die Zeichen also auf einem Verbleib im Team?

Was für und was gegen einen Honda-Verbleib spricht

„Es ist ein schwieriges Motorrad“, gibt der Weltmeister zu. „Das Beste? Das Problem ist, dass das Gras im Garten des Nachbarns immer grüner erscheint. Sicherlich hat auch Yamaha einige Schwächen, genauso wie Ducati und Suzuki. Aber wir gewinnen mit diesem Motorrad. Das Projekt, das Team, die Philosophie sind Dinge, die ich wirklich mag.“

Wie schnell sich ein Wechsel zu einem anderen Hersteller rächen kann, hat Marquez am Beispiel des eigenen Teamkollegen Jorge Lorenzo direkt vor Augen. Der fünffache Weltmeister – mit Yamaha und Ducati bereits siegreich – schaffte es in seinem ersten Jahr auf der Honda nicht ein einziges Mal in die Top 10 und musste verletzt pausieren.

„Es hat uns alle überrascht. Mich, ihn, das Team“, sagt Marquez. „Es ist unvorstellbar, dass sich ein Champion wie er in dieser Situation befindet. Es ist unvorstellbar, ihn noch ein weiteres Jahr so zu sehen. Ich denke, er arbeitet daran, eine Lösung zu finden. Er muss in seiner Motivation suchen.“ Ob diese noch für 2020 reicht, bleibt unklar.

Marquez über möglichen Lorenzo-Rücktritt

Zwar beruft sich Marquez wie auch Honda und Lorenzo darauf, das der Vertrag noch bis Ende nächsten Jahres läuft. Doch der Spanier weiß: „Es ist eine sehr persönliche Entscheidung.“ Die Möglichkeit einer vorzeitigen Trennung steht weiterhin im Raum. Möglicherweise wird Lorenzo die ersten Winter-Tests abwarten, um sich zu entscheiden.

Sie dürften auch für Yamaha-Pilot Valentino Rossi wegweisend sein. Für den „Doctor“ geht es Ende 2020 um die Frage, ob er seine große Rennfahrer-Karriere fortsetzen will oder nicht. „Wenn er so weitermacht, kann er es schaffen“, glaubt Marquez. „In Malaysia kämpfte er ums Podest. Was er tut und was er erreicht hat, ist wirklich unglaublich.“

Der Honda-Champion schwärmt: „Sein Name ist noch immer da, obwohl sich Fahrer und Stile geändert haben. Er hat sie überlebt. Die Karriere eines Fahrers besteht aus einem großartigen Aufstieg, bis man den Gipfel erreicht. Und dann muss man beim Abstieg versuchen, so behutsam wie möglich zu sein. Valentino macht genau das.“