Soll in Zukunft die Motoren-Regel in der MotoGP gelockert und ein Update pro Saison erlaubt werden? Die Hersteller sehen Vorteile – doch es drohen höhere Kosten.

Die MotoGP-Hersteller Honda, Yamaha, Suzuki und Ducati dürfen während der Saison kein Motor-Update durchführen. Vor dem ersten Saison-Rennen wird eine Spezifikation homologiert. Mit dieser müssen dann alle Grands Prix bestritten werden. Die Fahrer dieser vier Marken dürfen für die komplette Saison maximal sieben Motoren verwenden. Anders sieht die Situation bei den Herstellern aus, die nach der Konzessionsregel fahren.

Das sind aktuell Aprilia und KTM. Beide haben zu wenige Podestplätze gesammelt. Deshalb erhalten sie vom Reglement einige Freiheiten, die einen Aufholprozess ermöglichen sollen. Eine dieser Freiheiten betrifft den Motor. So dürfen Aprilia und KTM neun Triebwerke pro Saison verwenden. Außerdem dürfen Motor-Updates während der Saison vorgenommen werden. Es gibt für sie also eine Weiterentwicklung.

Der aktuelle Vertrag zwischen Herstellern, Teams und Promoter Dorna läuft bis Ende 2021. Derzeit laufen schon erste Gespräche für die Periode danach zwischen 2022 und 2026. „Bisher wurde hauptsächlich über die Aerodynamik gesprochen. Nicht aber über große Änderungen beim Motor“, sagt Aprilia-Technikdirektor Romano Albesiano über die technischen Gespräche in der Hersteller-Vereinigung MSMA.

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Motor-Update hätte positive und negative Aspekte

Die Regeln für die Aerodynamik wurden bereits für die kommende Saison präzisiert. Nun gibt es Überlegungen, ob man ab 2022 ein Motor-Update pro Saison erlauben sollte. „Wir müssen das als Gesamtbild betrachten“, meint Honda-Technikchef Takeo Yokoyama. „Wenn man den Herstellern erlaubt, die Motor-Spezifikation zu Saison-Halbzeit zu ändern, kann es eine Hilfe sein, wenn man zu Saisonbeginn einen Fehler gemacht hat.“

Es gäbe positive und negative Aspekte, wenn man ein Update erlauben würde. „Für Ingenieure könnte es gut sein. Aber man braucht dafür vielleicht mehr Ressourcen, Kosten und Personal“, gibt Yokoyama zu bedenken. „Momentan kann ich nicht sagen, ob ja oder nein. Wenn es auf dem Tisch liegt, müssen wir sehr sorgfältig darüber nachdenken.“ Eventuell steigende Entwicklungskosten schrecken die Hersteller momentan von dieser Idee ab.

„Sollte sich in Zukunft die Anzahl der Rennen erhöhen, dann können wir darüber diskutieren“, führt Takahiro Sumi von Yamaha ins Feld. Denn ab 2022 könnte sich die maximale Anzahl der Rennen auf 22 erhöhen. Gleichzeitig könnten Winter-Testfahrten reduziert werden. Die Ingenieure hätten dann im Winter kaum Zeit, den Motor auf verschiedenen Strecken zu testen, bevor die Spezifikation eingefroren wird. Ein aufgestockter Kalender könnte demnach auch Auswirkungen auf das Technische Reglement haben.

Aprilia und KTM wollen Vorteil nicht verlieren

Würde man den erfolgreichen Herstellern ein Motor-Update pro Saison erlauben, dann würde für die Konzessions-Teams ein Vorteil wegfallen. „Vor einigen Jahren haben die Konzessionsregeln einem Hersteller richtig große Vorteile ermöglicht“, denkt Albesiano an den Aufholprozess von Ducati. „Von Jahr zu Jahr wurden diese Vorteile weniger. Ich glaube, dass man immer noch den Herstellern helfen sollte, die aufholen müssen. Das ist für uns die wichtigste Ausnahme bei den Konzessionsregeln, die wir gerne behalten wollen.“

Genau wie Albesiano bewertet auch KTM-Technikdirektor Sebastian Risse das Thema. „Derzeit nutzen wir die dritte Motor-Spezifikation in dieser Saison. Und wir haben sie in jedem Jahr mehr als einmal geändert. Wir arbeiten in diesem Bereich, investieren und es zahlt sich aus. Wenn das eingeschränkt wäre, weil die anderen auch entwickeln dürfen, muss man darüber diskutieren.“ Änderungen beim Technischen Reglement sind mit Ausnahme der Aerodynamik bisher nicht beschlossen worden.