In der letzten Kurve in Buriram geht Fabio Quartararo an Marc Marquez vorbei – doch der kann kontern und holt mit dem Sieg vorzeitig den MotoGP-Titel 2019.

Marc Marquez steht bereits nach dem fünftletzten Rennen der MotoGP-Saison 2019 als neuer Weltmeister fest! Der Honda-Werkspilot aus Spanien triumphierte beim Grand Prix von Thailand in Buriram knapp vor Rookie Fabio Quartararo, der mit seiner Petronas-Yamaha 25 der 26 Runden angeführt hatte .

In der letzten Kurve des Chang International Circuit gab es noch zwei Führungswechsel zwischen den beiden. Der letzte war der entscheidende. Marquez holte den WM-Titel mit seinem neunten Saisonsieg, den er vor Quartararo (2.) und Maverick Vinales (Yamaha; 3.) einfuhr.

„Ich bin in dieses Wochenende mit dem Plan gestartet, das Rennen zu gewinnen“, so Marquez. „Fabio war zwischenzeitlich sehr schnell unterwegs. Doch ich konnte aufholen und studierte ihn, um ihn auf der letzten Runde anzugreifen. Es war ein unglaubliches Jahr, das Team hat tolle Arbeit geleistet. Ich möchte mich bei allen Sponsoren und Unterstützern bedanken. Jetzt ist es Zeit, das zu genießen.“

In Marquez‘ Karriere ist es allein in der Königsklasse MotoGP sein sechster WM-Titel. In seiner Karriere in der Motorrad-WM insgesamt ist es bereits sein achter. Die Acht feierte er standesgemäß an einem in der Boxengasse aufgebauten Billard-Tisch, an dem er die Achter-Kugel ebenso sicher einlochte wie er den achten Titel auf der Strecke eingefahren hat.

Das Rennen der MotoGP: PTT Thailand Grand Prix

Wie in Misano: Quartararo verpasst ersten Sieg knapp

Der knapp geschlagene Quartararo wartet noch auf seinen ersten MotoGP-Sieg. „Natürlich bin ich glücklich und stolz auf die Arbeit, die mein Team und ich hier geleistet haben. Ich könnte nicht glücklicher sein, denn ich habe bis zur letzte Kurve mit Marc gekämpft und wirklich alles versucht.“

Nachdem er – wie in Misano – eingangs der letzten Runde die Führung an Marquez verloren hatte, gelang Quartararo – wie in Misano – noch einmal ein Konter. In der letzten Kurve ging er wieder vorbei, verpasste dabei aber leicht die Linie. So kam Marquez doch wieder vorbei und holte sich den WM-Titel mit dem Rennsieg.

Quartararo meint: „Hätte ich es in der letzten Kurve nicht probiert, hätte ich nicht ruhigen Gewissens nach Hause gehen können. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Das wird schon noch…“

Dovizioso kann WM-Ausgang nicht länger offen halten

Der Drittplatzierte Vinales kommentiert: „Ich hatte am Anfang Probleme mit dem Hinterreifen und wenig Grip. Dann versuchte ich, meinen Rhythmus zu finden und ruhig zu bleiben. So konnte ich etwas aufholen. Es war ein gutes Rennen, um Informationen zu sammeln, die uns helfen, uns weiter zu verbessern.“

Der mit 98 Punkten Rückstand angetretene Ducati-Pilot Andrea Dovizioso hätte Marquez als einziger noch am vorzeitigen Titelgewinn hindern können. Nach einem technischen Problem im Warm-Up fuhr der Italiener zwar vom siebten Startplatz bis auf P4 nach vorn. Das reichte aber nicht, um die WM-Entscheidung zu vertagen.

Quartararo gewinnt Start – Marquez mit frühem Fehler

Unter bewölktem Himmel ging das 26-Runden-Rennen bei Trockenheit über die Bühne. Mit Ausnahme von Marquez‘ Honda-Teamkollege Jorge Lorenzo setzten alle Fahrer auf die Reifenkombination Hard/Soft (vorn/hinten).

Polesetter Fabio Quartararo gewann den kurzen Sprint zur ersten Kurve. In der Haarnadel (Kurve 3) duellierten sich die ebenfalls aus der ersten Reihe gestarteten Maverick Vinales (Yamaha) und Marc Marquez um die zweite Position. Der WM-Spitzenreiter setzte sich für den Moment durch. Direkt hinter Vinales lag an vierter Stelle schon der von P7 gestartete Andrea Dovizioso.

In der zweiten Runde ging Marquez auf der langen Gerade in Richtung der Haarnadel in Führung. Dort aber verpasste er die Linie deutlich. Quartararo kam sofort wieder vorbei. Anschließend zogen der Rookie und der Titelfavorit rundenlang durch weniger als eine Sekunde getrennt ihre Kreise. Nach hinten wurde die Lücke zu Vinales und Dovizioso größer – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Marquez vorzeitig die WM-Krone sichert.

Nach langem Studieren: Marquez legt sich Quartararo zurecht

Zehn Runden vor Schluss war Marquez direkt am Hinterrad von Quartararo dran. Auf einen Angriff verzichtete er aber zunächst. In der viertletzten Runde zeigte sich der Honda-Pilot vor der engen Kurve 3 auf der Außenbahn neben Quartararo, kam aber nicht vorbei. Eine Runde später wiederholte sich das Manöver – mit dem gleichen Ausgang. Der Rookie hielt weiterhin knapp die Spitze.

In der vorletzten Runde verzichtete Marquez vor Kurve 3 auf ein Ausscheren. In der letzten Runde aber gelang das Manöver an dieser Stelle. Marquez zog am Ende der langen Gerade aus dem Windschatten links an Quartararo vorbei, bog vor diesem in die Rechts-Haarnadel ein und konnte anders als in der zweiten Rennrunde diesmal auch die Linie halten.

Wie 2018: Zwei Führungswechsel in letzter Kurve

In der letzten Kurve bremste sich Quartararo aber innen an Marquez vorbei. Doch genau wie vor einem Jahr gegen Dovizioso konnte der Honda-Pilot besser herausbeschleunigen und holte sich die Führung auf den letzten Metern zurück. So kreuzte Marquez als Sieger und gleichzeitig als Weltmeister 2019 die Ziellinie. Quartararo verpasste seinen ersten MotoGP-Sieg zum zweiten Mal nach Misano denkbar knapp.

Vinales kam mit am Ende weniger als 1,5 Sekunden Rückstand als Dritter ins Ziel. Dovizioso wurde Vierter, musste damit aber auch die letzte kleine theoretische Chance auf den WM-Titel 2019 endgültig begraben. Die Top 5 wurden komplettiert von Alex Rins (Suzuki).

Rossi im Rennen blass – Lorenzo noch blasser

Valentino Rossi (Yamaha) kam vom neunten Startplatz auf dem achten Platz ins Ziel. Er kreuzte die Linie hinter seinem VR46-Schützling Franco Morbidelli (Petronas-Yamaha; 6.) und hinter Joan Mir (Suzuki; 7.). Hinter Rossi machten Danilo Petrucci (Ducati; 9.) und Takaaki Nakagami (LCR-Honda; 10.) die Top 10 komplett.

Der nach Verletzung zurückgekehrte Pol Espargaro belegte als bester KTM-Pilot den 13. Platz. Ex-Weltmeister Jorge Lorenzo, der als einziger Fahrer im 22-köpfigen Feld mit einem Medium-Reifen am Vorderrad unterwegs war, kam weit abgeschlagen mit fast einer Minute Rückstand auf Platz 18 ins Ziel. Gestartet war er von der 19. Position.

Marquez kommt als neuer Weltmeister zum Honda-Heimspiel

Nicht ins Ziel kamen Mika Kallio (KTM) und Aleix Espargaro (Gresini-Aprilia). Während Kallio als 2019er KTM-Nachfolger von Johann Zarco bereits in der vierten Runde mit Sturz ausschied, stellte Espargaro seine Aprilia nach 17 Runden an der Box ab.

Weiter geht es auf der Übersee-Tournee im MotoGP-Kalender in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Japan in Motegi. Honda-Star Marc Marquez kommt als frischgebackener Weltmeister 2019 zum Heimspiel seines Arbeitgebers.