Im MotoGP-Qualifying von Silverstone war Jack Miller mit Startplatz drei bester Ducati-Pilot. Wie schätzt er seine Chancen auf ein Podest am Sonntag ein?

Jack Miller sicherte sich im MotoGP-Qualifying von Silverstone am Samstag Startplatz drei hinter Marc Marquez (Honda) und Valentino Rossi (Yamaha). Zwar fehlten dem Pramac-Piloten auf die Bestzeit, die zugleich einen neuen Rundenrekord markierte, 0,434 Sekunden. Auf Rossi betrug der Rückstand hingegen nur sechs Tausendstel.

Zudem war Miller mit P3 bester Ducati-Pilot, denn die Werksfahrer kamen diesmal nicht über die Plätze sieben (Andrea Dovizioso) und elf (Danilo Petrucci) hinaus. Miller erklärt seine Taktik im Qualifying: „Ich wusste, dass Marc die Pole wollte. Er wird nicht gern Zweiter. Also war mir klar, dass er noch eine Runde raushauen würde, deshalb blieb ich hinter ihm im Windschatten.“

Als einer der letzten überquerte er kurz hinter Rossi und Marquez die Ziellinie und reihte sich auch im Klassement direkt hinter den beiden ein. Eine kleine Überraschung, denn Silverstone zählte bisher nicht unbedingt zu Millers starken Strecken. Doch mit der Neuasphaltierung des Kurses hat sich das augenscheinlich geändert.

Das Qualifying der MotoGP: GoPro British Grand Prix

Warum ist Miller in Silverstone auf einmal so schnell?

„Es liegt mit Sicherheit an den fehlenden Bodenwellen“, sucht Miller selbst nach einer Erklärung. „Im ersten Sektor sind einem ja sonst fast die Zähne aus dem Mund gefallen. Das ist jetzt viel besser. Außerdem denke ich, dass die Ducati hier recht gut funktioniert. Insbesondere in den langen Kurven, wo man viel in Schräglage beschleunigt, können wir den Grip gut nutzen.“

Ganz reibungslos verlief Millers Qualifying-Tag in Silverstone aber nicht. Im dritten Freien Training musste er seine Desmosedici mit technischem Defekt abstellen: „Ich hatte gerade den weichen Hinterreifen aufgezogen, da bekam ich Probleme mit dem Motorrad. Ich musste durchs Kiesbett und dann zurück an die Box sprinten, was hier leider ein ziemlich langer Weg ist.“

Den musste der Australier gleich zweimal antreten, denn zu Beginn des vierten Freien Trainings machte das Motorrad erneut Probleme. Zum Glück spielten Streckenhelfer den Chauffeur für Miller. „Besten Dank an die Marshalls, sie haben mich heute gleich zweimal gerettet und einige von ihnen waren dabei rekordverdächtig schnell“, witzelt er.

Wie der Pramac-Pilot seine Chancen im Rennen bewertet

Über den Grund für die Zwangspausen schwieg sich Miller am Samstag aus. „Ich weiß es, aber kann nicht viel dazu sagen“, wiegelte er Nachfragen ab. Ob dasselbe Problem vorlag wie bei Werkskollege Andrea Dovizioso, konnte Miller indes nicht beantworten: „Dazu habe ich bisher kein Feedback.“ Auch Doviziosos Bike hatte gegen Ende des vierten Trainings gestreikt.

Miller machte das Beste aus der verbliebenen Trainingszeit: „Im FT3 musste ich zwar auf das Zweitbike mit dem älteren Chassis umsteigen, aber es schien gut zu funktionieren. Ich war es seit dem Test in Brünn nicht mehr gefahren. Deshalb hatte ich etwas Sorgen, ob mir damit sofort eine gute Rundenzeit gelingen würde. Aber das klappte.“

Am Nachmittag sei ihm dann trotz begrenzter Zeit ein „recht respektabler Run“ gelungen. Für das morgige Rennen ist Miller daher zuversichtlich, schränkt aber ein: „Die Yamahas sehen stark aus und auch Marcs Pace ist nicht zu verachten. Als er im FT4 einen neuen Hinterreifen aufzog, ist er sechs 1:59er-Zeiten in Folge gefahren. Das ist schon deprimierend.“

Die Reifenwahl für Sonntag: Miller vermutet hard-hard

Bei den Reifen wird sich Miller wahrscheinlich für die harte Mischung entscheiden. „Ich bin im vierten Training mit dem harten Vorderreifen gefahren. Den habe ich auch schon am Freitag benutzt. Er fühlt sich gut. Auch wenn er nicht zu meinen Lieblingsreifen zählt, sieht es so aus, als würden ihn für morgen wählen“, verrät der Pramac-Pilot mit Blick auf die 20 Rennrunden.

„Was den harten Hinterreifen angeht: Die Strecke nimmt die Reifen schon ziemlich mit, daher denke ich, dass die Mehrheit auch hinten auf die harte Mischung gehen wird.“ Darauf deutete auch die Wahl der meisten Piloten im vierten Freien Training hin – zumal es morgen ähnlich warm werden soll wie heute (27 Grad Luft und 40 Grad Asphalt).