Am kühlen Vormittag schnell und zufrieden, am heißen Nachmittag fehlt viel Zeit – Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci stehen nach dem Assen-Qualifying vor Rätseln

Ducati spielte im Qualifying zur Dutch TT in Assen keine Rolle bei der Vergabe der vorderen Startplätze. Danilo Petrucci wird als Siebter aus der dritten Reihe starten und Andrea Dovizioso als Elfter aus Reihe vier. Jack Miller, der im Pramac-Team eine dritte GP19 fährt, qualifizierte sich als Zehnter. Petrucci und Dovizioso setzen in Assen das neue Chassis ein, das vor zwei Wochen in Barcelona beim Montagstest getestet worden war.

Trotzdem sind schnelle Kurven und Richtungswechsel weiterhin eine Achillesferse der Desmosedici. „Strecken auf denen man bei hohem Tempo die Richtung wechseln muss, sind für uns nicht gut“, hält Dovizioso fest. „Und hier sind die Kurven auch sehr lang. Das ist für unser Motorrad nicht das Beste.“ Eine Charakteristik, die schon seit Jahren von den Ducati-Fahrern zu hören ist.

Das Qualifying der MotoGP: Motul TT Assen

„Es hängt auch davon ab, wie viel Grip die Strecke hat. Dadurch werden wir etwas schneller oder langsamer. Im Qualifying gelang mir keine gute Rundenzeit. Ich machte einen Fehler und das war schlecht, weil ich jetzt in einer schlechten Position bin“, so der Vizeweltmeister. „Unsere Pace ist nicht so schlecht, aber wir können nicht zufrieden sein. Alle Ducatis sind langsamer als unsere Konkurrenz. Das ist etwas enttäuschend.“

Petrucci am Vormittag schnell, dann nicht mehr

Miller hatte das Problem, dass er am Nachmittag, als im Qualifying Asphalttemperaturen von rund 50 Grad Celsius gemessen wurden, den weichen Reifen nicht zum Arbeiten brachte. Mit diesem Phänomen hatte auch Petrucci zu kämpfen. Im Vormittagstraining war der Mugello-Sieger überglücklich mit seinem Bike und konnte selbst mit gebrauchten Reifen konstant 1:33er-Zeiten fahren. „Ich habe zu meinen Jungs gesagt, dass es vielleicht das beste Motorrad meines Lebens war“, so „Petrux“.

Die Temperatur änderte dann alles. „Der Asphalt war um 20 Grad heißer. Es war eine der schlimmsten Situationen in diesem Jahr“, ärgert sich Petrucci. Dazu kam der Verkehr. „Es war schwierig, einen freien Platz zu finden. Man will natürlich auch nicht, dass einem jemand nachfährt. Aber wir sind um fast eine Sekunde langsamer als am Vormittag gefahren. Den Grund müssen wir verstehen, denn das Motorrad war komplett gleich, das Gefühl aber komplett anders.“

Die gesamte Situation stellt Petrucci vor ein Rätsel. Dazu kam noch ein weiterer, seltsamer Umstand: „Es war so, als würde ein starker Wind wehen. Aber es gab keinen Wind. Das Motorrad hat sich trotzdem stark bewegt und war sehr instabil. In FT4 wäre ich fast zweimal gestürzt und auch fast zweimal im Qualifying, obwohl ich sehr, sehr langsam gefahren bin.“ Aber auch für den Rennsonntag sind hohe Temperaturen angesagt, wie sie derzeit überall in Mitteleuropa herrschen.

Dovizioso glaubt, dass neues Chassis ein kleiner Fortschritt ist

Ob das neue Chassis ein Fortschritt ist, kann Dovizioso noch nicht beurteilen. Turning ist weiterhin ein Problem, vor allem bei sich ändernden Gripverhältnissen. „Im Rennen kann man die Details besser verstehen“, meint der Routinier. „Ich habe nach dem Test keine große Änderung erwartet, aber gestern fühlte ich mich besser. Ich denke, es ist positiv und kann die Situation ändern. Wir müssen in diesem Bereich aber noch mehr arbeiten, um zu verstehen, was wir ändern müssen.“

Im Ducati-Lager beschäftigte man sich am späten Nachmittag mit der Analyse, denn die Erfahrungen am Samstag gaben Rätsel auf. „Am Vormittag haben Fabio und ich den Rundenrekord gebrochen“, sagt Petrucci. „Er hat am Nachmittag auch den Rundenrekord gebrochen, aber wir sind langsamer als Freitagnachmittag gefahren. Wir müssen die Ursachen verstehen.“

Das Rennen könnte sich ähnlich wie im Vorjahr zu einer großen Gruppe mit einer langsamen Pace entwickeln. Deswegen sehen beide Ducati-Fahrer für das Rennen nicht schwarz. „Es hängt viel vom Start ab und in welcher Position ich mich am Anfang befinde“, blickt Dovizioso voraus. „Alles kann auf dieser Strecke passieren. Überholen ist aber nicht einfach und es gibt viele Richtungswechsel. Es kann also alles passieren.“

Petrucci will sich in erster Linie auf seine unmittelbaren Gegner in der WM-Wertung konzentrieren, auch wenn er weiß, dass das nicht einfach wird: „Rins war heute sehr, sehr schnell. Das war er auch im Vorjahr. Die Herausforderung ist also wirklich schwer. Trotzdem versuche ich es positiv zu sehen, denn mit einem guten Start und einer guten Strategie wird das Rennen anders sein. Wir haben nicht den Speed wie in Mugello und Barcelona, aber wir können immer kämpfen.“

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