Razlan Razali im Interview: Der Teamchef von Petronas-Yamaha blickt auf den sensationellen MotoGP-Einstand seines Rennstalls – und verrät das Erfolgsgeheimnis des Teams.

Beim Grand Prix von Großbritannien im Vorjahr präsentierte sich das Petronas-Team als neuer Kunden-Rennstall von Yamaha erstmals der Öffentlichkeit. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Team für viele Schlagzeilen und Überraschungen gesorgt. Fabio Quartararo eroberte als Rookie schon drei Pole-Positions. Dazu stand er ein Mal als Zweiter und zwei Mal als Dritter auf dem Podest. Teamkollege Franco Morbidelli startete zwei Mal aus der ersten Reihe, schaffte es aber noch nicht aufs Treppchen.

Nach den ersten zwölf Rennen 2019 ist Petronas-Yamaha auf dem fünften Platz der Teamwertung zu finden. Damit ist man auf Anhieb das beste Satelliten-Team. Außerdem ist es derzeit das einzige Privat-Team, das in allen drei Klassen vertreten ist. Das SIC Racing Team wird vom Sepang International Circuit besessen. Streckenchef Razlan Razali fungiert zugleich als Teamchef des MotoGP-Teams.


Herr Razali, hätten Sie vor einem Jahr derart große Fortschritte Ihres Teams in der Premieren-Saison möglich gehalten?
Razlan Razali: Es war unmöglich zu erwarten, dass wir nach den ersten zwölf Rennen in dieser Position sein werden. Wir hatten gehofft, dass Franky Top-6-Leistungen zeigen kann und Fabio Rookie des Jahres anpeilt. Wir haben nicht erwartet, dass beide dass zeigen, was sie tun. Wir sind mit beiden extrem glücklich und zufrieden. Dass wir diese Leistungen zeigen, ist für unseren Hauptsponsor wichtig. Wir haben mehr erreicht, als wir uns zu Jahresbeginn zum Ziel gesetzt haben.

Was ist für Sie bis jetzt die größte Überraschung?
Ohne Zweifel kam die größte Überraschung von Fabio. Als wir ihn als zweiten Fahrer verpflichtet hatten, haben uns viele Leute gesagt, dass wir einen Fehler machen. Aber jetzt stimmt uns jeder zu, dass wir dir richtige Entscheidung getroffen haben! Er ist mit mehreren Podestplätzen, Pole-Positions, Top-5- und Top-10-Ergebnissen die größte Überraschung. Er war sagenhaft und ist ein außergewöhnliches Talent. Die Pole-Position in Jerez und Platz zwei in Barcelona war außergewöhnlich.

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Worauf sind Sie in den vergangenen zwölf Monaten besonders stolz?
Damit die Fahrer diese Performance zeigen können, brauchen sie die Unterstützung des Teams. Meine stolzesten Momente sind, wenn ich die Entwicklung unseres Teams in allen drei Klassen sehe. Das Moto3-Team gibt es seit 2015 und das Moto2-Team ist ein Jahr alt. Für sie war es mit vielen verschiedenen Fahrern eine große Herausforderung in den vergangenen beiden Jahren. Es ist beeindruckend, dass es als Team geklickt hat, während wir auf 48 Leute aufgestockt haben. Es herrscht eine sehr gute Atmosphäre und Chemie. Natürlich kann man es immer besser machen, denn nichts ist zu 100 Prozent perfekt. Aber wir können stolz auf uns sein. Als Malaysier bin ich auch sehr stolz, dass wir nun unser eigenes MotoGP-Team haben. Wir fungieren als Botschafter unseres Landes und sind sehr stolz, dass wir Malaysia im Paddock repräsentieren können.

Was ist das Erfolgsgeheimnis Ihres Teams?
Viele Menschen haben mich über uns als Team gefragt, aber ich bin mir nicht sicher, wie ich darauf antworten soll. Wir profitieren und maximieren die Erfahrungen unserer individuellen Teammitglieder. Johan Stigefelt ist zum Beispiel großartig, um Menschen zusammenzubringen und die Logistik zu managen. Das ist das Gerüst für alles. Wilco Zeelenberg hat viel Erfahrung in einem MotoGP-Team. Seine Erfahrung mit Yamaha hilft uns. Wir profitieren von den Talenten unserer Mitarbeiter horizontal, nicht vertikal. Jeder ist in seiner Funktion nützlich. Wir versuchen nicht die Grenzen zu überschreiten und führen ständig Gespräche. Das ist das Geheimnis unseres Teams in Bezug auf Wahrnehmung, Präsentation und schlussendlich auch für die Performance unserer Fahrer.

Wie besonders wird der diesjährige Malaysia-Grand-Prix für Sie sein?
Es ist unser Heimrennen und zum ersten Mal wird unser MotoGP-Team in Sepang antreten. Wir gehen davon aus, dass es unsere Fahrer in der MotoGP und Moto3 gut machen werden. Und wenn Pawi in der Moto2 zurück sein wird, wird er es auch gut machen. Wir erwarten 200.000 Fans an allen drei Tagen und alleine am Sonntag 115.000. Für uns wird es ein riesiges Event.

Welche Pläne gibt es schon jetzt für 2020?
Wir haben als neues Team sicherlich eine Messlatte gelegt. Deswegen wird der Druck in unserem zweiten Jahr höher sein. Natürlich wollen wir es immer besser machen und auch unsere Fahrer werden gut sein. Ich hoffe, dass wir zu diesem Zeitpunkt in der Saison 2020 mindestens ein MotoGP-Rennen gewonnen haben. Wenn man den Erfolg auf dem Podest gekostet hat, dann will man immer mehr. Man möchte Druck auf das Team ausüben, um noch mehr zu erreichen. Aber egal was wir erreichen, unsere Ziele bleiben gleich. Es ist wichtig, seinen Fokus und seine Ziele im Auge zu behalten. Ich würde mich über einen Sieg und ein Podium beim Malaysia-Grand-Prix freuen!

Abschließend: Wann werden Ihre Fahrer für 2020 bestätigt?
In der MotoGP machen wir mit Franco und Fabio weiter. Das sollte eine fantastische Kombination für die zweite Saison des Teams sein. In der Moto2 haben wir noch etwas Zeit, um unsere Pläne zu bestätigen. Für die Moto3 haben wir John (McPhee, Anm. d. Red.) bei seinem Heimrennen bekannt gegeben. Damit steht die Hälfte unserer Fahrer jetzt schon fest.