Ramon Forcada glaubt, dass Valentino Rossi den Crew-Chief wechselt, um neue Motivation zu finden – an einen weiteren WM-Titel glaubt der MotoGP-Insider nicht.

Zwei Mal stand Valentino Rossi in der MotoGP-Saison 2019 als Zweiter auf dem Podest – bei den Rennen in Argentinien und den USA im Frühjahr. Seitdem sind zwölf Grands Prix vergangen. Aus Yamaha-Sicht ging in dieser Zeit der Stern von Fabio Quartararo auf. Und auch Maverick Vinales fand in den letzten Wochen Konstanz, stand in drei der letzten vier Rennen als Dritter auf dem Podest. Dagegen blieb Rossi in puncto Performance und Ergebnissen deutlich hinter seinen beiden Yamaha-Kollegen zurück.

Um im kommenden Jahr die Trendwende zu schaffen, tauscht Rossi nun den Crew-Chief aus. Silvano Galbusera wird sich zukünftig um das Testteam von Yamaha kümmern. Im Gegenzug wird David Munoz 2020 als Crew-Chief des Altmeisters fungieren. Aktuell ist der Spanier für das VR46-Team in der Moto2 im Einsatz und holte 2018 mit Francesco Bagnaia den WM-Titel.

„Mit dieser Änderung sucht Valentino nach Motivation. Das ist offensichtlich“, sagt Ramon Forcada im Gespräch mit ‚DAZN‘ Spanien. Forcada ist derzeit im Petronas-Team der Crew-Chief von Franco Morbidelli. Viele Jahre lang arbeitete der Spanier im Yamaha-Werksteam für Jorge Lorenzo und Maverick Vinales, kennt die Abläufe im Team also aus nächster Nähe.

Wrap-Up: Die Experten-Analyse zum Thailand-GP

David Munoz hat keine MotoGP-Erfahrung

Munoz hat bis dato noch nie für ein MotoGP-Team gearbeitet und verfügt dementsprechend über keine Erfahrung. „Bei Yamaha ist alles offen. Man kann alles ausprobieren und hat große Freiheiten“, sagt Forcada. „Ich glaube nicht, dass Valentino nach technischen Fortschritten sucht. Es ist genauso wie beim Wechsel von Jeremy (Burgess, Anm. d. Red.). Valentino glaubt, sie stagnieren, und will die Box verändern.“

Laut Forcada will Rossi mit dem Wechsel für frischen Wind in der Box sorgen und neue Motivation in sein Team bringen. Denn sein letzter Sieg liegt schon mehr als zwei Jahre zurück. „Was ich dazu meine? David ist jung, wird neue Ideen haben und will Dinge umsetzen“, glaubt Forcada. Er hält aber auch fest: „Er ist aber nicht unbedingt technisch besser.“

In der Vergangenheit soll Rossi selbst zwei Mal versucht haben, Forcada zu rekrutieren, als dieser noch für Lorenzo gearbeitet hat. Zeitweise Spannungen zwischen den beiden Spaniern konnten aber immer wieder ausgeräumt werden, somit kam es nie zu diesem internen Tausch. Mit Munoz hat Rossi einen Crew-Chief rekrutiert, der im gleichen Alter wie er selbst ist. Beide sind durch das VR46-Team bestens bekannt.

Forcada glaubt nicht an weiteren Rossi-Titel

Ist diese neue Konstellation ein Anzeichen, dass Rossi seine Karriere weiter verlängern könnte? „Ich weiß nicht, ob Rossi im nächsten Jahr aufhören wird. Er hat noch ein Jahr Vertrag, und Du holst niemanden aus technischen Gründen für ein Jahr“, meint Forcada. „Aber in Wahrheit weiß ich es nicht. Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen.“

Auf die Frage, ob Rossi noch einmal gewinnen wird, antwortet Forcada: „Keine Weltmeisterschaft.“ Und ein Rennen? „Schwierig zu sagen. Ein Trocken-Rennen wird schwierig zu gewinnen sein. Natürlich kann das passieren, aber jetzt kommen viele junge Leute mit hohem Speed. Ein Rennen unter normalen Umständen zu gewinnen, wird schwierig werden. Aber wer weiß. Der Schlüssel ist der Wechsel des Technikers und die Motivation. Man muss abwarten, ob sie die Motivation finden und es ausreichen wird!“