Alex Rins und Marc Marquez schildern ihr Silverstone-Duell, das für den Suzuki-Piloten im zweiten Sieg, für den Honda-Piloten in zweiter knapper Niederlage in Folge endete.

Wie in Österreich, so in Großbritannien: MotoGP-Tabellenführer Marc Marquez erlebte am Sonntag ein Deja-vu. Denn genau wie vor zwei Wochen in Spielberg fuhr der Honda-Pilot auch in Silverstone zunächst im Qualifying mit neuem Streckenrekord auf die Pole-Position. Im Rennen führte er dann abermals lange, nur um den Sieg – nach einem spannenden Duell – am Ende nach Verlust der Führung in der letzten Kurve abermals knapp zu verpassen.

In Spielberg war es Ducati-Pilot Andrea Dovizioso, der im spannenden Duell Marquez in der letzten Kurve noch abgefangen und mit 0,213 Sekunden Vorsprung knapp gewonnen hat. In Silverstone ging es noch enger zu.

Am Sonntag war es Suzuki-Pilot Alex Rins, der im Duell Marquez ausgangs der letzten Kurve überholte und die Ziellinie schließlich mit gerade mal 0,013 Sekunden Vorsprung als Sieger kreuzte.

Das Rennen der MotoGP: GoPro British Grand Prix

Wie Rins und Marquez ihr Rennen erlebten, hatten sie bereits unmittelbar nach der Zieldurchfahrt kurz zusammengefasst im Parc Ferme zu Protokoll gegeben. Rins‘ erstes Wort ist aber auch in der seiner ausführlichen Beschreibung in der Pressekonferenz nach dem Rennen dasselbe: „Unglaublich!“

„Es war ein verrücktes Rennen, in dem ich ein paar Fehler gemacht habe“, gesteht der Sieger. Er erinnert sich: „Direkt in der ersten Kurve wäre ich beinahe gestürzt, was möglicherweise an den noch kalten Reifen lag.“ Damit spricht der Suzuki-Pilot auf den wilden Startcrash zwischen Andrea Dovizioso (Ducati) und Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha) an. Quartararo wurde von Rins irritiert, wie der Rookie in seiner Schilderung des Unfallhergangs beschreibt.

Zu früh attackiert: Rins‘ Irrtum bei der Rundenzählung

Nach der frühen Schrecksekunde, die für Rins ohne Folgen blieb, verbrachte er dann viele Runden direkt hinter Spitzenreiter Marquez. Im Verlauf der 20 Runden kam er vor dem finalen Manöver nur zweimal ganz kurz am Honda-Piloten vorbei. Eingangs der letzten Runde probierte er es wieder, kam dabei aber links neben Marquez leicht von der Piste ab.

„Ich wollte ihm zunächst nicht meine Schwachstellen offenbaren, aber am Schluss holte ich dann stark auf. Dabei ist mir aber ein großer Fehler unterlaufen, weil ich in der vorletzten Runde dachte, es wäre schon die letzte. Ich wollte ihn außen überholen. Er blieb aber voll am Gas und da war mir klar, dass das Rennen noch eine Runde länger dauert“, so Rins.

Duell bis zum Ende

In der entscheidenden letzten Runde griff Rins im Duell mit Marquez dann nicht links, sondern rechts an. Der Suzuki-Pilot kam mit besserer Traktion aus der letzten Kurve heraus, ging im letzten Knick daneben und setzte sich schließlich um 13 Tausendstelsekunden durch. „Die letzte Kurve war entscheidend. Dort hatte ich ihm gegenüber schon in den Runden zuvor Vorteile gehabt.“

Zu dieser Erkenntnis ist Rins aber erst im Verlauf des Rennens gekommen. Denn abschließend gesteht der Sieger ganz offen: „Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass ich das Rennen gewinnen kann. Denn vor dem Start war ich mir sicher, dass Marquez und auch Quartararo schneller als ich sein würden.“ Letzten Endes aber war Rins nicht nur bezüglich der Haftung am Hinterrad etwas besser aufgestellt aus Marquez. Er hatte auch etwas mehr Sprit im Tank. Der WM-Spitzenreiter blieb nämlich mit trockenem Tank liegen – zum Glück für ihn erst auf der Auslaufrunde kurz nach der Zieldurchfahrt.

Duell: Marquez entschied sich für die sichere Variante

Nach Platz zwei schildert Marquez das Duell gegen Rins aus seiner Sicht: „Mitte des Rennens wollte ich ein bisschen Reifen schonen und habe ihn mal vorbeigelassen. Letzten Endes habe ich mich dann aber doch wieder zum Angriff entschieden, weil ich merkte, wie Vinales von hinten sehr schnell näher kam.“

„In der vorletzten Runde zeigte er mir dann, wo er angreifen will“, spricht der Honda-Pilot auf Rins‘ Irrtum bei der Rundenzählung an. „Ich habe dann einfach versucht, mich so gut es ging zu verteidigen. Ich wusste, dass die Anbremszonen meine Stärke waren. In der letzten Kurve versuchte ich dann noch weiter innen als zuvor zu fahren. Ich war sehr schnell, aber dann rutschte mir das Hinterrad weg.“

„An diesem Punkt hat man zwei Optionen“, so Marquez weiter: „Entweder man gibt weiter Gas und versucht, das Rennen zu gewinnen. Oder aber man lässt es ein bisschen ruhiger angehen. Er jedenfalls fuhr eine richtig starke letzte Runde. Das war am Ende entscheidend.“

Marquez baut WM-Führung aus, aber leidet mit Dovizioso

Trost für Marquez nach seiner zweiten knappen Niederlage innerhalb von zwei Wochen: In der WM-Gesamtwertung hat er seinen Vorsprung von 58 auf 78 Punkte ausgebaut. Verfolger Andrea Dovizioso verbuchte beim wilden Startunfall zum zweiten Mal in diesem Jahr eine unverschuldete Nullnummer. Beim Grand Prix von Katalonien in Barcelona war er in den von Jorge Lorenzo ausgelösten Crash mit vier Piloten verwickelt.

„Es ist schade, dass ‚Dovi‘ wieder ohne eigene Schuld ausgeschieden ist“, bemerkt Marquez als WM-Spitzenreiter. Und bekennt: „Ich kämpfe viel lieber direkt auf der Strecke gegen ihn. Schade für ‚Dovi‘ und ich hoffe, es geht im gut.“

Silverstone-Sieger Alex Rins hat sich mit seinem zweiten Saisonsieg nach Austin nun wieder auf den dritten WM-Rang nach vorn geschoben. Der Suzuki-Pilot liegt vier Punkte vor Doviziosos Ducati-Teamkollege Danilo Petrucci, aber noch 23 Punkte hinter „Dovi“ zurück. Der Sieg im Fotofinish gegen Marquez war für Rins der erste Podestplatz seit er Anfang Mai beim Grand Prix von Spanien in Jerez Zweiter geworden war.