Marcel Hirscher auf ungewohntem Terrain: Am Red Bull Ring in Spielberg versucht sich der Ski-Star auf einem MotoGP-Bike von KTM – und zeigt sich am Ende schwer beeindruckt.

Österreichs Ausnahme-Sportler Marcel Hirscher hat am Dienstag seine Ski gegen zwei Räder getauscht. Der achtmalige Weltcup-Gesamtsieger war gemeinsam mit KTM-Werksfahrer Johann Zarco auf dem Red Bull Ring in Spielberg unterwegs. Dort durfte der Salzburger erfahren, wie es sich anfühlt, auf einem MotoGP-Bike Gas zu geben.

Unter den Augen von Motorrad-Legende Gustl Auinger, KTM-Motorsportchef Pit Beirer und KTM-Teamchef Mike Leitner tastete sich Hirscher zunächst auf einem Moto2-Bike an die Geschwindigkeit heran. Schon bald wechselte der Slalom- und Riesentorlauf-Spezialist dann aber auf die KTM RC16 aus der MotoGP.

„Diese Beschleunigung ist unvergleichlich. Es fühlt sich komplett schräg an – fast nicht zu beschreiben. Mensch und Maschine sind weg, und der Geist ist hinterher“, versucht der Ski-Star sein Erlebnis in Worte zu fassen.

„Wie wenn ich einem Deutschen das Skifahren lernen müsste“

Was hat ihn besonders begeistert? „Der Moment, wenn man merkt, dass von den 270 PS bei einem Gewicht von 170 Kilogramm und mit mir drauf noch immer genügend übrig ist. Das ist das Schnellste und Ärgste, was ich je erlebt habe!“

Begleitet wurde Hirscher auf der Strecke von MotoGP-Pilot Johann Zarco, der als Fahrlehrer fungierte. „Johann hat den Asphalt mit dem Zeigefinger gestreichelt und mir gezeigt: ‚Runter mit dir!‘ Ich habe mir nur gedacht: ‚Der ist zweifacher Weltmeister, ich werd‘ schon nicht umfallen!'“

Und Hirscher mit einem breiten Lächeln: „Für ihn ist es ungefähr so, wie für mich, wenn ich einem Deutschen Skifahren lernen müsste!“, scherzt er. Nachsatz: „Ich bin sicher einer von ganz wenigen auf diesem Planeten, die auf so ein Motorrad dürfen, obwohl sie nix können.“

Marcel Hirscher: „Ich habe riesigen Respekt“

Trotz seiner eigenen sportlichen Erfolge – acht Gesamtweltcup-Siege in Serie, zweifacher Olympiasieger und siebenfacher Weltmeister – zieht er den Hut vor den MotoGP-Profis. Denn er durfte „am eigenen Leib spüren, was diese Jungs leisten“, ist Hirscher begeistert. „Ich habe riesigen Respekt davor.“

Vor allem die Arbeit mit dem Körper auf dem Bike habe ihn fasziniert. Während er als Skifahrer versucht, möglichst zentral Spannung zu halten, muss der Pilot auf dem Motorrad mit dem ganzen Körper mitarbeiten. „Am Anfang war das schon eine Umstellung.“

Zeiten wurden keine bekannt gegeben, dass sei auch gar nicht Sinn der Übung gewesen. Hirscher gibt zu: „Wenn man es nüchtern betrachtet, war das nur Spazierenfahren. Jeder hat sein Limit. Für mich war es schon Rennfahren.“ Andere bräuchten dafür deutlich länger als er den Ganslernhang in Kitzbühel hinunter, vergleicht der 67-fache Weltcupsieger.

Hirscher bewundert Rossi: „Fährt gefühlt seit ewigen Zeiten“

Der Spaß stand klar im Vordergrund der Aktion. „Meine Intention war nicht, auf die Zeit zu schauen, der Genuss steht absolut im Vordergrund. Es gibt keinen Tacho. Die wilden Hunde fahren nach Gefühl.“

Der Red-Bull-Sportler zählt unter anderem Valentino Rossi zu dieser Gattung. Für den Skifahrer ist der 40-Jährige eine Ausnahme-Erscheinung: „Bewundernswert sind vor allem so Leute wie Valentino Rossi. Der fährt gefühlt seit ewigen Zeiten auf diesem Niveau.“

Er habe Fotos „aus dem Jahre Schnee“ gesehen, auf denen Rossi bereits vom Siegerpodest grüßt. Hirscher, Jahrgang 1989, war gerade einmal acht Jahre alt, als der „Doctor“ 1997 seinen ersten WM-Titel in der 125er-Klasse einfahren konnte.

Wie fällt das Fazit von KTM-Werkspilot Johann Zarco nach dem Testtag aus? „Man spürt diese Mentalität eines wahren Sportsmanns. Marcel hört zu, versteht unglaublich schnell und setzt die Ratschläge auf der Strecke direkt um“, lobt der Franzose seinen „Fahrschüler“.

Das große Ziel sei es gewesen, das Knie von Hirscher auf den Boden zu bekommen. „Wir sind auf dem besten Weg dahin“, ist Zarco optimistisch und wünscht sich im Winter auf Schnee einen Rollentausch: „Wir haben davon gesprochen, dass er mir das Skifahren zeigt.“

Zarco verschmitzt: „Ich glaube, ich bin besser auf Ski, als er auf dem Bike. Aber das müssen wir nächsten Winter unbedingt herausfinden!“

Auinger: „Für normalen Motorradfahrer unvorstellbar“

Für Motorrad-Legende Gustl Auinger hat Hirscher großen Mut bewiesen: „Für einen normalen Motorradfahrer ist es unvorstellbar, innerhalb so kurzer Zeit mit einem MotoGP-Bike zu fahren.“

Der Skifahrer sei aber auch kein normaler Fahrer: „Leute, die etwas können und etwas geleistet haben, sind so einfach zu führen. Riesen Kompliment an Marcel. Das sind die Jungs, die aus einer gesunden Erde gewachsen sind.“ Und KTM-Motorsportchef Pit Beirer bezeichnet das Ski-Ass sogar als „Weltklasse-Athleten“.

„Von der Körpergröße her passt es“, fügt KTM-Teamchef Mike Leitner hinzu. „Marcel hat etwas mehr Muskeln.“ Mit einer Körpergröße von 173 Zentimeter ist er nur zwei Zentimeter größer als Zarco und hätte die idealen Voraussetzungen als Motorrad-Pilot. Seine sportliche Zukunft hat der Österreicher zuletzt offen gelassen, wobei eine Rückkehr auf die Skipiste wahrscheinlicher scheint als auf die Rennstrecke …

Marcel Hirscher auf dem Bike