In Misano erobert Pol Espargaro mit Startplatz zwei das beste Qualifying-Ergebnis für KTM. Der Jubel ist groß, doch was ist realistisch gesehen im Rennen möglich?

Pol Espargaro hat für das MotoGP-Rennen in Misano (San Marino) den bisher besten Startplatz in der Geschichte von KTM erobert. Der Spanier ließ sich im Qualifying von Yamaha-Pilot Fabio Quartararo zu Startplatz zwei ziehen. Espargaro verpasste die erste Pole-Position für die österreichische Marke um knapp drei Zehntelsekunden. „Sicher ist, dass ich am Sonntag zu Beginn die beste Aussicht habe, die ich auf alle Fälle genießen werde“, lacht der Spanier. Schon in Brünn stand Johann Zarco auf Startplatz drei.

Damals war es in Tschechien aber eine Wetterlotterie, während in Misano die Sonne schien. „Es war wichtig zu sehen, wie diese Rundenzeit zustande gekommen ist. Man muss das langfristig sehen“, betont Motorsportchef Pit Beirer. Dass man im Trockenen dieses Ergebnis geschafft hat und nicht durch Glück oder besondere Umstände, ist für ihn entscheidend. „Wichtig wird, dass wir regelmäßig gute Qualifying-Runden fahren können. Für unseren Rennspeed brauchen wir jetzt auch gute Startpositionen.“

„Am Vormittag“, sagt Espargaro zur Entstehung seiner Fabelrunde, „war ich hinter Maverick und bemerkte, dass ich es schaffen kann. Ich habe zu meinen Jungs in der Box gesagt, dass das meine beste Runde des Wochenendes war, denn es sie war nahezu perfekt. Am Nachmittag war ich hinter Fabio. Im dritten Sektor hatte er Probleme mit dem Vorderreifen. Im vierten Sektor war ich sowieso schnell und brauchte seine Unterstützung nicht mehr. Ich war von der Rundenzeit überrascht.“

Das Qualifying der MotoGP: Gran Premio Octo di San Marino e della Riviera di Rimini

Einer der stolzesten Momente für Pol Espargaro

Zum dritten Mal in seiner MotoGP-Karriere wird der Spanier aus der ersten Reihe angreifen. Zum ersten Mal mit KTM. Ist es der stolzeste Moment seiner Karriere? „Einer davon. Für alle waren die Voraussetzungen am Samstag gleich. Das zu schaffen im Wissen, wie viel wir gearbeitet haben, ist unglaublich. Als ich im Parc Ferme die beiden Yamahas gesehen habe und dazwischen die orange Rakete, war ich extrem stolz. Ein unglaublicher Moment.“

Teamkollege Zarco sicherte sich in Q1 die Bestzeit und fuhr in Q2 die achtschnellste Zeit. Aufgrund der Strafversetzung von Silverstone (Crash mit Miguel Oliveira) wird der Franzose in Misano auf Startplatz elf stehen. Generell hinterließ die österreichische Mannschaft auf dieser Strecke einen starken Eindruck. Espargaro war meistens in den Top 6 zu finden und auch seine Pace in FP4 war gut genug für die Top 10.

Vorbereitungstest in Misano war sehr wichtig

Entscheidend für diese Leistung war auch der zweitägige Test an gleicher Stelle vor zwei Wochen. „Normalerweise besuchen wir eine Strecke nur einmal pro Jahr. Und weil wir das Motorrad ständig verändern, wissen wir nicht, wie sich das Motorrad auf einer Strecke verhalten wird“, spricht Espargaro ein Dilemma des hohen Entwicklungstempos an. „Man beginnt also immer bei null.“ Und die Trainingszeit ist an einem Wochenende begrenzt, um viel ausprobieren zu können.

„Wenn wir im Vorfeld zwei Tage testen und das Wochenende vorbereiten können, haben wir mehr Informationen. Wenn Probleme auftreten, dann wissen wir, was wir tun müssen“, nennt Espargaro einen wichtigen Punkt. „Beim Test hatten wir viele Probleme mit dem Vorderrad. Gemeinsam mit Dani [Pedrosa] haben wir an diesem Bereich gearbeitet und wir konnten uns an den beiden Tagen verbessern. Daheim haben dann die Ingenieure weitergearbeitet und haben neue Ideen entwickelt.“

Was ist im Rennen für KTM möglich?

Eine schnelle Runde konnte Espargaro schon mehrfach in dieser Saison zeigen, doch im Rennen war es meistens schwierig, eine konstant hohe Pace zu halten. Was ist von Startplatz zwei realistisch gesehen möglich? Beirer meint: „Ich wünsche mir einfach, dass wir ein starkes Rennen fahren. Und wir in der Gruppe, die um Position sechs kämpft, drinnen bleiben.“ Platz sechs in Le Mans war bisher das beste KTM-Ergebnis bei einem Trockenrennen.

Espargaro sieht es ähnlich wie sein Teamchef und ist zuversichtlich, dass das auch klappen kann: „Was wir im vierten Training gemacht haben, war sehr schön. Ich bin vorne und hinten mit gebrauchten Reifen gefahren, die fast eine Renndistanz hinter sich hatten. Die Rundenzeit war nicht schlecht. Natürlich muss man realistisch sein. Vielleicht kann ich in den ersten Runden mit frischen Reifen mithalten. Dann falle ich sicher etwas zurück.“

Applaus von Bruder Aleix Espargaro, der bei Aprilia nicht weiterkommt

Lobende Worte findet Bruder Aleix Espargaro. Während Aprilia stagniert (Startplatz 15) und er seinen Frust offen kundtut, geht es bei KTM stetig bergauf. „Ich freue mich sehr, er macht einen super Job“, sagt Aleix über Pol. Und er kommt ins Schwärmen: „Es ist fantastisch, ihn fahren zu sehen. Er hat mich ein wenig an seine Moto2-Zeit erinnert – aggressiv, sicher und am Limit, keine Fehler.“

„Pol und KTM machen eine super Arbeit. Sie sind erst in ihrer dritten Saison. Deswegen muss ich applaudieren“, zollt Aleix Espargaro Respekt. Und wie weit ist Aprilia hinter KTM zurückgefallen? Drei Zehntelsekunden, die Espargaro in Q1 langsamer als Zarco war? „Nein, ich denke hier ist es etwas mehr. Hier haben wir größere Probleme und ich glaube, wir verlieren auf KTM vier Zehntel pro Runde.“

„Man weiß aber nie. Im Qualifying fährt man mit dem weichen Reifen und im Rennen mit medium. Aber trotzdem haben mein Bruder und auch Zarco eine starke Renn-Pace. Sonntag wird nicht einfach für uns“, sieht Aleix Espargaro düstere Aussichten für Aprilia, zumal Andrea Iannone das Rennen wegen einer Verletzung auslassen muss. In der Herstellerweltmeisterschaft ist KTM mittlerweile Aprilia davongezogen. 23 Punkte beträgt der Vorsprung der österreichischen Marke.