Yamaha-Pilot Maverick Vinales schildert seine nicht ganz fehlerfreie Siegesfahrt, den Zweikampf gegen Marc Marquez und nennt die Gründe für den Aufschwung.

Maverick Vinales hat Yamaha erlöst und dem japanischen Hersteller am Sonntag bei der Dutch TT in Assen den ersten MotoGP-Saisonsieg 2019 beschert. Exakt zwei Jahre, nachdem Teamkollege Valentino Rossi zuletzt gewonnen hat, fuhr der Spanier ein beherztes Rennen und siegte am Ende vor WM-Spitzenreiter Marc Marquez (Honda; 2.) und dem von der Pole-Position gestarteten Rookie Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha; 3.).

Zuletzt hatte Vinales im Oktober 2018 auf Phillip Island den Grand Prix von Australien gewonnen. Es war der einzige Yamaha-Sieg im vergangenen Jahr. Nun ist der Spanier auch in der Saison 2019 bislang der einzige, der es geschafft hat, die M1 zum Sieg zu pilotieren. Entsprechend groß ist die Erleichterung beim 24-Jährigen, der seit seinem Wechsel von Suzuki zu Yamaha vor zweieinhalb Jahren mehr Frust- als Erfolgserlebnisse hatte.

Das Rennen der MotoGP: Motul TT Assen

Dies gilt insbesondere auch für die zurückliegenden Wochen. „Ich habe schwierige Momente durchlebt. Bei zwei Rennen wurde ich in diesem Jahr abgeschossen“, spricht Vinales zunächst auf Termas de Rio Hondo und Le Mans an. „Hinzu kam der Frühstart in Austin, wo ich mich am besten vorbereitet fühlte.“

Mehr Traktion seit Mugello der Schlüssel

„Und auch in Montmelo [Barcelona] hatten wir meiner Meinung nach eine Chance auf den Sieg“, blickt der Yamaha-Pilot auf den Grand Prix von Katalonien zurück, bei dem er bereits in der zweiten Rennrunde in den von Honda-Pilot Jorge Lorenzo ausgelösten Vierfach-Sturz verwickelt wurde und einmal mehr eine Nullnummer verbuchte.

In Assen hat für Vinales nun endlich einmal wieder alles zusammengepasst, wenngleich er auf dem Weg zum Sieg nicht gänzlich fehlerfrei unterwegs war. Vom Renntempo her aber gelang es ihm „konstant 1:33er-Runden“ zu fahren: „Darüber war ich sehr glücklich war. Erst recht, weil ich zwar im Warm-Up auch mit gebrauchten Reifen nicht so schlecht unterwegs war, aber normalerweise geht uns zwischen Warm-Up und Rennen immer etwas verloren. Diesmal war das anders und dafür muss ich dem Team gratulieren.“

„Seit Mugello waren wir in allen Trainings richtig stark, weil wir es irgendwie geschafft haben, mehr Traktion zu finden. Das ist etwas, was unser Motorrad grundsätzlich braucht – immer“, sagt Vinales. Dass es für ihn in Mugello im Rennen nicht berauschend lief und er nach starken Trainings „nur“ Sechster wurde, erklärt der Spanier so: „Für das Rennen haben wir bei der Abstimmung einen Fehler gemacht. In Montmelo und hier haben wir das besser hinbekommen. Hoffentlich können wir jetzt so weitermachen.“

Zweikampf gegen Marquez: Erst vorbei, dann Fehler, dann wieder vorbei

Wo hatte Vinales im Zweikampf gegen Honda-Pilot Marquez am Sonntag in Assen die entscheidenden Vorteile? „Aus den Kurven heraus hatte unser Bike etwas mehr Traktion. Weil aber die Honda sehr schnell ist, fiel es mir schwer, ihn zu überholen. Ich musste mein Manöver also genau planen und dachte, wenn ich einmal in Führung liege, kann ich mich bestimmt absetzen.“

Insbesondere im letzten Sektor der Strecke fuhr Vinales in der ersten Rennhälfte wiederholt ganz dicht auf Marquez auf. „Es ging mir dabei gar nicht unbedingt ums Überholen“, erklärt der spätere Sieger, „aber Kurve 12 war am ganzen Wochenende die Stelle, wo ich am stärksten war. Doch Marc war bis hin zu Kurve 15 [Schikane vor Start/Ziel] ebenfalls sehr stark. Deshalb habe ich viele Runden gebraucht, bis ich ihn packen konnte.“

„Ich habe heute meinen Kopf eingesetzt“, so Vinales, dem allerdings auch einige Fehler in Form von Verbremsern unterlaufen sind. Ein solcher passierte ihm in Kurve 1, kurz nachdem er die Führung von Marquez übernommen hatte. „Man verpasst in Assen schnell mal den Bremspunkt. Man hat zwar einen Bremspunkt im Kopf, aber wenn man dann alleine unterwegs ist, passiert es leicht, dass man diesen überfährt“, erklärt er und schildert, wie er sich abermals an Marquez vorbeikämpfte.

„Ich kam von der Linie ab und Marc ging wieder nach vorn. Ich hatte aber Glück, dass ich nicht allzu viel Zeit verlor. Es war etwa eine Sekunde, aber die hatte ich in zwei Runden wieder aufgeholt. Ich wusste, dass ich heute eine Chance hatte und die habe ich genutzt. Wann immer es eine Chance gibt, dann nutze ich sie“, betont Vinales mit neu gewonnenem Selbstvertrauen.

In der WM jetzt auch Tuchfühlung zu den Markenkollegen

In der Schlussphase des Rennens hatte Vinales mit seinem harten Hinterreifen einen Vorteil gegenüber Marquez, dessen weicher Hinterreifen in den letzten Runden nachließ. Den Sieg fuhr der Yamaha-Pilot schließlich mit 4,8 Sekunden Vorsprung auf den Honda-Piloten ein, der damit seine WM-Führung aber weiter ausgebaut hat.

Vinales hat in der WM-Tabelle als Siebter jetzt nur noch zwei Punkte Rückstand auf Sensations-Rookie Fabio Quartararo, der mit seiner Petronas-Yamaha zum zweiten Mal in Folge auf das Podest fuhr. Auf seinen eigenen Teamkollegen Valentino Rossi, der in der dritten Runde zusammen mit Takaaki Nakagami (LCR-Honda) gestürzt ist, fehlen Vinales nur noch sieben Punkte.

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